"Geheimfavorit" Leverkusen (Rheinische Post Hauptsport)

  • "Geheimfavorit" Leverkusen



    Von Udo Bonnekoh
    leverkusen Sergej Barbarez steht nun wirklich nicht in dem Ruf, ein besonders zurückhaltender Zeitgenosse zu sein. Und solch ein Profi mit Ecken und Kanten, mit allen Ölen gesalbt, provozierend und polarisierend, flott mit dem Wort und fix mit dem Ball, scheint den leicht zur Lethargie neigenden Leverkusenern gefehlt zu haben. So stellte sich der 34 Jahre alte Bosnier nach Bayers 3:0 gegen die ärmliche Alemannia aus Aachen wie selbstverständlich hin und verkündete in der Neusprache dieser Zeit seine Erwartungen: „Ich glaube, das wird für uns eine geile Saison.” Ein bisschen klang das auch nach Leitsatz für die gern schweigenden Kollegen.
    Rudi Völler freilich mochte nicht gleich so scharfe Schlüsse ziehen aus diesem ersten Erfolg gegen den absolut mutlosen Aufsteiger aus dem Grenzland. „Wir wissen das Ergebnis schon richtig einzuschätzen”, meinte der erfahrene Sportchef, den allerdings eines besonders freut: „Wir haben eine technische starke, spielfreudige Mannschaft zusammen von hinten bis vorne.”
    Wohin sich die Leverkusener in der ersten Saison nach dem genialischen Torjäger Dimitar Berbatov orientieren dürfen, dafür wird es womöglich schon am Samstag im Bremer Weserstadion erste zweckdienliche Hinweise geben. Sergej Barbarez hat als Leverkusener Führungsfigur natürlich nicht die geringsten Zweifel: „Ich freu‘ mich schon. Das wird ein geiles Spiel.” Abseits aller geschäftsmäßigen Übertreibungen des nun für Bayer statt für Hamburg trommelnden Bosniers ließ sich bei der Premiere zumindest in Ansätzen erkennen, mit welchen Pfunden Bayer wuchern kann.
    Der Tunesier Karim Haggui ist in der Innenverteidigung neben Juan ein erheblicher Gewinn; in der gestaltenden Abteilung sind in Bernd Schneider und eben Barbarez in der Regel inspirierte Routiniers am Werk, ergänzt vor allem durch den auch aus der Tiefe torgefährlichen Simon Rolfes. Und Stefan Kießling, willig und unbekümmert, kann reifen, weil er einen wie Barbarez neben sich hat, der auch gern den Prellbock gibt. Und all die Fakten und Eindrücke bündelte Felix Magath, der Meister-Trainer aus München, gestern noch mal zu einem Urteil: „Für mich ist Leverkusen ein Geheimfavorit.”