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Leverkusen: Interview mit Jens Nowotny vor seinem Abschied - 02.05.2006 10:25
Nach zehn Jahren trennen sich nach dieser Saison die Wege von Jens Nowotny und Bayer Leverkusen. Im Interview sprach der 32-Jährige über die Vertragsauflösung, seine Zukunft sowie die Chancen auf eine WM-Teilnahme.
kicker: Herr Nowotny, warum verlassen Sie Bayer Leverkusen?
Jens Nowotny (32): Weil ich nach vielen Jahren und schlimmen Verletzungen jetzt die Chance habe, etwas Neues zu erleben. Ich habe lange mit meiner Frau diskutiert, der Schritt ist nicht leicht gefallen.
kicker: Sie kassieren nach Vertragsende im Sommer eine Abfindung in Millionenhöhe von Bayer. Dazu kommt das Gehalt des neuen Klubs, den sie sich ablösefrei suchen. Ihnen ist es egal, dass Sie als Abzocker in die Ecke gestellt werden?
Nowotny: Wer dies tut, der soll es mir erklären. Ich sage nur so viel: Ich bin seit zehn Jahren in Leverkusen, und wir konnten hier schöne Erfolge feiern. Das zählt.
kicker: Ist diese Vertragsauflösung nicht wie ein Sechser im Lotto?
Nowotny: Nein, ist sie nicht. Ein Sechser im Lotto wäre, wenn ich mich nie verletzt hätte, wenn ich Stammspieler der Nationalelf wäre und meinen Vertrag bis 2008 bei Bayer auf dem Rasen erfüllen könnte. So, wie es gelaufen ist, ist es schade. Aber beide Seiten haben das Beste daraus gemacht.
kicker: Solch eine Aufhebungsvereinbarung erzielt man doch nicht ohne Druck?
Nowotny: Es gab, nach allen Vorkommnissen, einen Kompromiss, der vom Verein vorgeschlagen wurde. Diesen Kompromiss sind wir eingegangen.
kicker: Hat Sie der Inhalt des Kompromisses überrascht?
Nowotny: Ja, schon. Es ging darum, die Situation, in die wir uns hinein manövriert hatten, zu lösen. Da kam Michael Skibbe ins Spiel, der darauf drängte, dass ich entweder freigegeben werde oder wieder spiele. Weil es garantiert Ärger gegeben hätte, wenn ich in Leverkusen nur trainiert hätte. Bei sportlich schlechtem Verlauf wäre mein Name immer genannt worden. Das wollten wir verhindern.
kicker: Wo lag Ihr Risiko?
Nowotny: In einer neuerlichen Verletzung. Ich habe mich nie, auch als ich suspendiert war, geschont. Ich wollte mich immer verbessern, habe Extraschichten eingeschoben, bin im Training dazwischengefegt, als müsste ich morgen in der Liga ran. Hätte ich mich verletzt, wäre es das Aus gewesen.
kicker: Auch für die Abfindung?
Nowotny: Kein Kommentar. Vertragsinhalte bleiben intern. (Anm. der Red.: Jens Nowotny würde im Falle einer neuerlichen Verletzung nach sechs Wochen kein Gehalt mehr von Bayer beziehen. Nach kicker-Informationen ist ein eventuelles Karriereende durch eine private Versicherung abgedeckt, deren Summe einen Bruchteil der im Raume stehenden Abfindung von 4,9 Millionen Euro ausmacht.)
kicker: Gibt es ein Angebot des AC Florenz?
Nowotny: Es gibt Interesse, aber kein konkretes Angebot.
kicker: Auch keins aus der Bundesliga?
Nowotny: Nein, keins.
kicker: Werden wir Sie im WM-Kader sehen? Viele Fans haben Sie nicht.
Nowotny: Das entscheidet Jürgen Klinsmann. Und dass die Leute gerade bei mir das Negative sehen, damit kann und muss ich leben.
Interview: Frank Lußem