"Jetzt zählt jeder Punkt doppelt"

  • "Jetzt zählt jeder Punkt doppelt"

    Im Sport1.de-Interview spricht Bayer-Trainer Michael Skibbe über das Spiel gegen Hamburg und die Personalien Jens Nowotny und Dimitar Berbatov.

    München - Nach zuletzt vier Siegen in Folge befindet sich Bayer Leverkusen im Aufschwung.

    Der Sprung auf Platz fünf ist der Lohn. Jetzt geht's für Leverkusen zum Spitzenspiel nach Hamburg (ab 15 Uhr LIVE )

    Im Sport1.de-Interview spricht Bayer-Coach Michael Skibbe über die Gründe des Aufschwungs, die Personalien Jens Nowotny und Dimitar Berbatov und die Zukunft des Klubs.

    Sport1: Sie haben jetzt viermal in Folge gewonnen. Woran liegt's?

    Michael Skibbe: Das fällt oft nicht leicht zu erklären. Ich glaube, dass wir homogener spielen als in der Hinrunde und in der Lage sind, uns viele Tormöglichkeiten zu erspielen und mittlerweile auch im Defensivbereich deutlich besser strukturiert sind.


    Sport1: Sie haben taktisch umgestellt auf 4-3-3. Ist das ein weiterer Grund für den Aufschwung?

    Skibbe: Das ist sicherlich ein Grund dafür. Das taktische Konzept kommt den Spielern sehr entgegen. Es kann gut umgesetzt werden, wir haben eine gute defensive Struktur und können aber auch sehr schnell nach vorne spielen.


    Sport1.de: Begrüßen Sie die Einladung von Jens Nowotny zum Fitnesstest der Nationalmannschaft?

    Skibbe: Das ist für ihn ein tolle Geschichte, nachdem er in der Rückrunde bei uns stabil gute Leistungen abgeliefert und unserer Defensive den nötigen Halt gegeben hat. Der Lohn dafür ist, dass auch die Nationaltrainer darauf aufmerksam geworden sind.


    Sport1.de: Die Personalie Nowotny und seine Vertragsmodalitäten haben zuletzt die Schlagzeilen bestimmt. Ist ein Bleiben Nowotnys über die Saison hinaus denkbar?

    Skibbe: Ja, denkbar ist das natürlich. Der Verein und Jens befinden sich in Gesprächen. Und ich würde es mir natürlich wünschen, wenn er über die Saison hinaus weiter für uns spielen würde.


    Sport1.de: Auch Paul Freier und Simon Rolfes haben sich mit zuletzt starken Leistungen in den Vordergrund gespielt. Sind das nicht auch Kandidaten für Jürgen Klinsmann?

    Skibbe: Nahezu alle deutsche Spieler, die in der Schlussphase der Saison bei ihren Vereinen starke Leistungen zeigen, werden ins Gespäch gebracht. Aber das geschieht hauptsächlich über die Medien. Es ist wichtig, dass die DFB-Trainer sich jetzt unabhängig ihre Meinung bilden.


    Sport1.de: Ein weiterer starker Spieler in ihren Reihen ist Dimitar Berbatov. Es gibt Gerüchte, dass er mit vielen europäischen Klubs in Verhandlungen steht. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er bleibt?

    Skibbe: Sie ist erst einmal groß, da "Berba" sich in Leverkusen sehr wohl fühlt. Zum anderen ist die festgeschriebene Ablösesumme in seinem Vertrag schon sehr ordentlich...


    Sport1.de: ... es sollen über zehn Millionen Euro sein?

    Skibbe: Es sind sogar 16 Millionen. Und da muss sich natürlich jeder Verein überlegen, ob das mit seinem Etat möglich ist.


    Sport1.de: Gibt es konkrete Anfragen?

    Skibbe: Nein, es gibt noch keine konkreten Anfragen. Allerdings gab es in letzter Zeit viele Spielbesuche von Vertretern von Arsenal London und anderen englischen und spanischen Klubs.


    Sport1.de: Mit welcher Erwartungshaltung gehen Sie in das Hamburg-Spiel?

    Skibbe: Es ist ein eminent wichtiges Spiel für beide Teams, denn in der Endphase einer Saison zählt fast jeder Punkt doppelt. Wir haben ein schweres Restprogramm mit drei Auswärts- und nur noch einem Heimspiel. Nichtsdestotrotz würden wir unsere Position gerne festigen und wollen auch in Hamburg punkten.


    Sport1.de: Heißt das, dass Sie mit einem Punkt zufrieden sind oder werden Sie voll auf Sieg spielen?

    Skibbe: Wir versuchen unsere Leistungen der letzten Wochen zu bestätigen . Welches Ergebnis dabei herausspringt, werden wir dann nach 90 Minuten sehen. Aber Hamburg ist eine starke Mannschaft, die eine tolle Saison spielt und nicht zufällig auf Platz zwei steht. Es ist eine schwere Aufgabe, an die wir aber trotzdem couragiert herangehen.


    Sport1.de: Gegen Mannschaften vom Kaliber Leverkusens hat der HSV zuletzt zu Hause verloren. Glauben Sie, dass auch Bayer jetzt gute Chancen in Hamburg hat?

    Skibbe: Davon bin ich überzeugt. Im Herbst sind wir im Pokal in Hamburg leider ausgeschieden. Wir haben zwar beim 2:3 eine tolle Leistung gezeigt, sind aber unglücklich ausgeschieden. Wir wollen an diese Leistung anknüpfen, hoffen aber, dass wir vor allem in der Defensive besser stehen.


    Sport1.de: Glaubem Sie, dass der HSV die Bayern noch abfangen kann, wenn sie morgen mit ihrer Mannschaft in der AOL-Arena verlieren sollten?

    Skibbe: Vier Punkte Vorsprung vier Spieltage vor Schluss sind schon ein gewaltiges Polster der Bayern. Aber dass der HSV seine Chance auch noch beim Schopfe packen will, ist auch ganz klar.

    Sport1.de: Bayer fährt im Hinblick auf die neue Saison einen Sparkurs. Sind da große Neuzugänge denkbar?

    Skibbe: Wir befinden uns sehr wohl im Umbau und haben schon in dieser Saison mit den Verpflichtungen von Papadopulos und Stenman ein Zeichen gesetzt. In der neuen Saison kommt noch Stefan Kießling aus Nürnberg dazu. Ich glaube, dass wir uns da sehr sinnvoll und gezielt verstärkt haben. Abgesehen davon ist das Team zurzeit sehr homogen und braucht keine weiteren Aufbesserungen.


    Das Gespräch führte Florian Bogner