Kripo Bielefeld ermittelt gegen Calmund
Von Christian Mixa
Reiner Calmund ist wegen ungeklärter Bargeld-Transaktionen in seiner Zeit als Manager von Bayer Leverkusen ins Visier der Strafverfolger geraten. Die Kriminalpolizei Bielefeld hat Ermittlungen wegen Untreue aufgenommen. Der ehemalige Bayer-Boss gilt als Hauptbeschuldigter, Spielerberater Volker Graul, der von Calmund Geld für Transferoptionen erhalten hat, wird Beihilfe vorgeworfen.
Ermittlungen gegen Reiner Calmund
Die Bielefelder Kommissare für Wirtschaftskriminalität
ermitteln gegen Calmund, weil der Verbleib von 580.000 Euro vom Bayer-Geschäftskonto ungeklärt ist. Diese Summe soll der ehemalige Geschäftsführer im Juni 2003 an den Bielefelder Spielervermittler Volker Graul gezahlt haben - für Optionen auf Spielertransfers, die nie getätigt worden seien. In den Bilanzen tauchen offenbar auch keine anderen Gegenleistungen von Graul auf. Deshalb hat die Bielefelder Kripo jetzt Ermittlungen wegen Untreue aufgenommen. Es geht um die Frage, ob Calmund sich bei der Transaktion persönlich bereichert hat - mit Hilfe des Spielerberaters Graul, der der Beihilfe beschuldigt wird. Die Ermittler wollen in dieser Woche noch Zeugen vernehmen und den Vorfall dann an die Kölner Staatsanwaltschaft übergeben.
Calmund weist Anschuldigungen zurück
Calmund hat bereits am Wochenende seinen Anwalt eingeschaltet und die Anschuldigungen zurückgewiesen. Der ehemalige Bayer-Manager habe stets im Interesse des Vereins gehandelt und von den Zahlungen an Herrn Graul weder einen persönlichen noch irgendeinen finanziellen Vorteil erlangt, ließ er über sein Anwaltsbüro erklären. Es sei nicht nachvollziehbar, warum aus dem Sachverhalt jetzt Vorwürfe gegen Calmund konstruiert werden. Calmunds Anwalt legt besonderen Wert auf die Feststellung, dass die ungeklärte Transaktion nicht der Grund für die Trennung zwischen Bayer und Calmund war. Dies hatte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser am Samstag (04.03.2006) verbreitet.
Bayer ließ Optionen verstreichen
Auch der mitbeschuldigte Graul wehrt sich gegen die Vorwürfe. "Wir haben Kaufoptionen für vier Spieler erworben". Diese Optionen habe Bayer im Winter 2003 verstreichen lassen, die Spieler aus dem ehemaligen Jugoslawien seien dann "für sehr viel mehr Geld zu anderen Vereinen gewechselt", so Graul.
"Holzhäuser wusste Bescheid"
Bleibt die Frage, warum Leverkusen mit dem Fall erst jetzt an die Öffentlichkeit gegangen ist. Calmund bestätigte dem Westdeutschen Rundfunk am Wochenende, dass die Summe in voller Höhe an Graul geflossen sei, darüber existierten auch Belege. Auch der damalige Finanzchef von Bayer 04, der jetzige Fußball-Vorstand Wolfgang Holzhäuser, hätte über die Zahlungen Bescheid gewusst: "Es gab ein Vier-Augen-Prinzip. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Holzhäuser eine Buchung von 580.000 Euro nicht mitbekommen hat."
Tatsächlich hat der Verein schon im Jahr 2004 geprüft, ob Ansprüche gegen den Spielervermittler Graul wegen der nie zustande gekommenen Transfers geltend gemacht werden könnten - die Bayer-Juristen hatten seinerzeit aber abgewunken. Die Tatsache, dass Holzhäuser die Zahlungen jetzt mit Calmunds Ausscheiden in Verbindung bringt, wirft die Frage auf, ob der Vorstand dadurch von eigenen Versäumnissen im Finanzmanagement ablenken wolle. Calmunds Anwalt Stefan Seitz möchte dies lieber nicht kommentieren.
Seitz sieht seinen Mandanten bei der Frage, wo das Geld geblieben ist, in jedem Fall außen vor: "Wenn überhaupt, handelt es sich um einen zivilrechtlichen Streit zwischen Graul und Bayer Leverkusen", so der Anwalt gegenüber sport.ARD.de. Calmund will sich mit seinem Rechtsbeistand beraten und noch diese Woche eine Erklärung abgeben. Seitz schließt nicht aus, dass sich Calmund rechtlich gegen die Anschuldigungen wehrt, die aus seiner Sicht "rufschädigend" seien.
Stand: 06.03.2006, 15:00 Uhr