Calmund will Berater aus eigener Tasche bezahlt haben

  • "Gib du ihm das Geld"

    Die Finanz-Affäre um Reiner Calmund und Bayer 04 Leverkusen wird immer rätselhafter. Überraschend gab der wegen dubioser Bargeldzahlung unter Untreue-Verdacht geratene frühere Bundesligamanager bekannt, dass er auf Geheiß der Bayer AG aus eigener Tasche zusätzlich 350.000 Euro an den Spielerberater Volker Graul gezahlt habe.

    Reiner Calmund will nicht bei Wasser und Brot schmoren.
    Der 54-Jährige wies auf einer zweistündigen Pressekonferenz am Freitag (10.03.06) in Köln zudem den Verdacht zurück, dass das an Graul gezahlte Geld möglicherweise zur Manipulation des Bundesligaspiels der damals abstiegsbedrohten Leverkusener am 4. Mai 2003 gegen Arminia Bielefeld verwandt wurde. "Das ist völliger Quatsch", sagte er.

    Staatsanwalt ermittelt

    Calmund kündigte an, zur Aufklärung des Falles beitragen und als WM-Botschafter Nordrhein-Westfalens im Amt bleiben zu wollen. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Ermittlungen aufgenommen. Bisher war nur bekannt gewesen, dass auf Veranlassung von Calmund an Graul für die Vermittlung von fünf Spieleroptionen im Juni 2003 580.000 Euro in bar ausgezahlt wurden.
    Geld geliehen

    Da dieser aber verlangte, dass auch die Steuern von den Leverkusenern übernommen werden müssen, bat ein nicht genannter Verantwortlicher der Bayer AG Calmund telefonisch, den Betrag von 350.000 Euro vorzustrecken. "Bayer wollte diesen Steuerausgleich nicht direkt zahlen. Da bat man mich: 'Gib du ihm das Geld'", berichtete Calmund. Der ehemalige Bayer-Manager lieh sich die Summe beim Schweizer Vermögensberater Greinemann und zahlte im Juli 2004 das Geld an Graul.

    Der Spielervermittler bestätigte den Erhalt des Geldes, stellte aber gleichzeitig neue Forderungen an den Verein. "Ich betone ausdrücklich, dass es sich bei dem Betrag von 350.000 Euro nur um einen Teilbetrag meiner Forderung gegen Bayer 04 handelt, da der mit Bayer 04 insgesamt ausgehandelte Betrag zum Ausgleich des Steuernachteils 579.000 Euro beträgt. Eine entsprechende Klage wird von meinen Anwälten vorbereitet", heißt es in einer Presseerklärung Grauls.
    Klimmzüge im Kühlschrank

    Im November 2004 soll Bayer Calmund mitgeteilt haben, dass die Angelegenheit Graul seine Privatsache sei. "Das hat mich meine Abfindung und ein Jahresgehalt gekostet", erklärte Calmund. "Wenn ich keinen Fernsehjob gehabt hätte, hätte man mir das Wasser abgestellt und die Mäuse hätten in meinem Kühlschrank Klimmzüge gemacht." Auf einen Rechtsstreit verzichtete Calmund aus Mangel an Erfolgschancen.
    Vorwürfe "paradox"

    "Wenn man diese Zahlung sieht, erscheint der Vorwurf der Untreue paradox", sagte sein Rechtsanwalt Stefan Seitz, auf dessen Anraten Calmund in die Offensive gegangen ist. "Uns geht es nicht darum, eine Showtime zu veranstalten, sondern Sachaufklärung zu leisten", so der Jurist.

    Keine Beugehaft bei Wasser und Brot

    Dazu gehört auch die Offenlegung der Spieleroptions-Geschäfte von Graul für Bayer 04 im Jahr 2003, wobei Calmund zunächst keine Namen nennen wollte. "Ich werde diesen Ehrenkodex aber nicht so lange hochhalten wie Helmut Kohl und Beugehaft bei Wasser und Brot abwarten", sagte Calmund. Nach seiner Aussage hat Graul die Provision für fünf Spieleroptionen bekommen.

    Absolution "zählt doppelt"

    Dies waren Kandidaten, mit denen der letztendlich geplatzte Weggang des Brasilianers Lucio nach der Saison 2002/2003 kompensiert werden sollte. Nun hofft Calmund, dass die Staatsanwaltschaft Licht in das Dunkel der Affäre bringe: "Ich habe das Gefühl, dass am Ende die Absolution durch die Staatsanwaltschaft doppelt zählen wird."

    sid/dpa | Stand: 10.03.2006, 15:25 Uhr
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