Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das, was Rolfes im Sommer hier verantwortet hat, Teil einer abgestimmten Strategie war - wir haben all diese Stars so lange gehalten, wie wir irgendwie konnten, in der Hoffnung, noch eine zweite Titelsaison zu generieren, und dann planmäßig den großen Umbruch eingeleitet - oder ob ihm die Situation entglitten ist und er am Ende nur noch reagieren konnte.
Der Wirtz-Abgang war sicher einkalkuliert und unvermeidlich, aber der ganze Rest... vielleicht war die Xhaka-Geschichte hier so ein wenig der Knackpunkt, denn diesen Abgang wollte man ja ganz offensichtlich nicht - vielleicht hat das eine Dynamik bei anderen Spielern ausgelöst, und auch einfach ein Führungsvakuum hinterlassen.
So oder so, ob also große Strategie oder Überforderung - Rolfes sollte nach diesem Transferfenster gelernt haben, warum noch niemals vorher ein Bundesligist mit Spitzenambition einen so großen Umbruch zugelassen hat: Egal, wie viel Geld du hast - neue Spieler sind immer eine Lotterie. Du kriegst nie alle deine Wunschspieler, und du steckst nie drin, wie gut sich ein Spieler in der neuen Mannschaft macht und entwickelt. Je mehr Spieler du neu rein packst, desto größer das Risiko. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du in der kommenden Saison Federn lassen wirst.
Und Rolfes, das muss man halt leider auch dazu sagen - und das ist am Ende aus meiner Sicht einfach der große, große Knackpunkt, alles andere ist Makulatur - hat diese Spielerlotterie auch noch ziemlich krass verloren. So krass, wie vor ihm vielleicht noch nie ein Bundesliga-Manager.
Der Mann hat für 200 Millionen neue Spieler geholt. Das ist mehr als der Kaderwert von 10 der 18 Bundesligisten (die TSG Hoffenheim, aktuell vor uns in der Tabelle, hat einen KW von gerade mal 40 Millionen mehr)! 5 dieser Spieler waren teurer als 20 Millionen. Alle 5 haben die Erwartungen nicht erfüllt, ihren Martkwert reduziert. Alle! 100 Millionen (Stand jetzt) fehlinvestiert!
Vergleich: Es hat außer uns meines Wissens nach überhaupt nur ein Team jemals 5 oder mehr Spieler für 20 Millionen in einer Saison geholt: Nein, nicht die Bayern - sondern RB Leipzig 23/24. Die hatten damals einen ähnlich krassen Umbruch, auch für 250 Millionen verkauft - allerdings dabei nur 3 Top-Stars abgegeben, nicht 5 wie wir. Sie sind übrigens trotzdem in die CL gekommen (der teuerste Neuzugang, Openda, hat über 20 Tore geschossen...) und erst ab der Saison danach, nach weiteren Abgängen, etwas abgestürzt.
Am Ende des Tages hat Rolfes viel zu viele Abgänge zugelassen, und viel zu schlechte Neuzugänge geholt. So einfach ist das. Dass darüber hinaus noch ein in der Form in der Bundesligageschichte einmaliger Fehlgriff auf der Trainerbank getätigt wurde, ist einfach die Kirsche auf der Torte, aber verloren wurde die Saison auf dem Transfermarkt. EtH war ja nur 3 Spiele da.
Sorgen macht mir, dass Rolfes schon im Sommertransfenster zuvor mit Garcia, Terrier und Belocian relativ ins Klo gegriffen hatte. Das lässt vermuten, dass er bzw sein Team in der Klasse von Spielern, die wir hier eigentlich bräuchten, um uns oben in der Liga zu etablieren, nicht gut scouten bzw einschätzen können. Die Transferphase vor der Meistersaison scheint hier eher eine Ausnahme gewesen zu sein.
Aber gut, die Sorge müssen wir ja nicht mehr haben: In der kommenden Spielzeit wird man mangels CL in diesem oberen Regal gar nicht agieren können. Wir werden sicherlich Geld ohne Ende haben - 60 Mios von Hincapie kommen noch rein, dazu werden bestimmt einige Spieler den Verein verlassen wollen, die zweistellige Millionenbeträge bringen - aber zumal vor dem Hintergrund des sowieso aus Richtung PL komplett pervertierten Transfermarkt werden wir es verdammt schwer haben, spannende Spieler an Bord zu holen. Zumal Dortmund und Leipzig wieder mal in ähnlichen Gewässern fischen, aber sportlich und finanziell mehr bieten können.
Rolfes hat jetzt zwei Transferphasen hintereinander schlechte bis katastrophale Arbeit abgeliefert. Sorry, aber wie will man das anders bewerten. Seine größte Inkompetenz zeigt sich ausgerechnet in der Verpflichtung von Spielern, die der Mannschaft weiterhelfen. - Diese Saison muss er nun unter verschäften Bedingungen einen viel besseren Job machen, sonst sieht es für uns langfristig nicht gut aus. Wenn wir in der Liga-Hierarchie dauerhaft den vierten Platz verlieren, anstatt wie geplant den ersten Platz anzugreifen, wäre das echt eine Enttäuschung.
Man kann Rolfes als Bayer-Fan nur die Daumen drücken. Ich mag ihn als Typ echt gerne. Aber als Fan wünsche ich mir vom sportlich Verantworlichen seriösere Arbeit.