Ich behaupte jetzt einfach mal ohne genaue Zahlen zu kennen, dass vielleicht 20-30% der AFD-Wähler wirklich "stramme Rechte / Rechtsradikale / Rechtsextreme" sind und die große Mehrheit der übrigen Wähler keinen Bock mehr auf ein "Weiter so" der sich abwechselnden Altparteien hat. Natürlich kann man sagen, dass man aus Protest keine Rechtspartei wählt, aber genauso polarisiert man und verdeutlicht eben, dass man die Schnauze von der derzeitigen Situation voll hat. Auf Ängste, vor allem vor unkontrollierter Einwanderung, steigender Ausländerkriminalität, etc. wird nicht (mehr) eingegangen oder reagiert. Ich habe verdammt viel Kontakt zu verschiedensten Menschen (auch aus den unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen) und sie fühlen sich als "besorgte Menschen" nicht wahrgenommen oder oftmals durch den Kakao gezogen, weil andere "ihre Realität" nicht nachvollziehen können. Mir fehlen da mittlerweile selbst oft die Gegenargumente, auch wenn ich mich politisch absolut in der Mitte einordne. Selbst Deutsche mit Migationshintergrund, die sich hier bestens integriert haben, würden mittlerweile die AFD wählen, weil sie nun auch (zu unrecht) als Problem dargestellt werden. Im politischen Diskurs geht es ja gefühlt nur noch um "die kriminellen Ausländer" oder "Menschen mit Migrationshintergrund, die auf die deutschen Werte spucken". Da sehen viele gut integrierte "Nicht-Bio-Deutschen" ihre Existenzen wegschwimmen. Nur was tun die Altparteien? Die Probleme der "besorgten Bürger" ignorieren, kleinreden und sie noch weiter nach rechts drücken.
Nehmen wir mal an die Brandmauer hält und es kommt sogar zu einem Parteiverbotsverfahren der AFD. Was bedeutet das für die Altparteien? Die "strammen Rechten" bleiben eh rechts. Da waren sie vorher und da werden sie auch bleiben. Aber die, die aus Protest AFD gewählt haben, werden deswegen nicht wieder die Altparteien wählen. Die werden in ihrer Meinung anscheinend noch bestärkt, dass ihre vorherige Wahl nicht verkehrt war. Anstatt auf "ihre Probleme und Sorgen" einzugehen, werden sie nur aufgesplittet, aber "ihre Sorgen" sind immer noch da. Ich hatte naiverweise gaaaaaaanz am Anfang Hoffnung in das BSW gesetzt. Linke und rechte Ansichten vermischt, um mal wirklich Probleme anzugehen (Superreiche mal ordentlich besteuern und gleichzeitig die innere Sicherheit stärken, damit es wieder "fairer" (mehr Geld im Portmonaie) und gleichzeitig auch sicherer wird. Aber das war leider auch nur ein Trugschluss.
Aber ein großes Problem sehe ich grundsätzlich und es wird immer schlimmer. Dieses polarisieren und "nicht mehr diskutieren können". Niemand rückt auch nur 1cm von seiner Meinung ab und kann sich auch nur Ansatzweise in das Gegenüber hineinversetzen. Es scheint einfach nicht mehr möglich zu sein. Radikale Ansichten sind scheiße, an beiden Rändern. Aber die jetzige Politik tut gefühlt alles dafür, dass diese Ränder immer dicker werden und sich die Fronten zunehmend verhärten. Quasi eine Lightversion aus den USA, nur ohne Schusswaffen und Attentate.