Leverkusen (RP)
Wer in diesen Tagen durch Lützenkirchen geht, der spürt Verunsicherung. An vielen Ecken, bei vielen Gesprächen gibt es nur ein Thema: Die bisher ungeklärte Vergewaltigung einer jungen Frau in Holzhausen und die vielen Fragen und Ungereimtheiten, die im Raum stehen.
In der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober war die Frau mit dem Nachtbus der Linie 21 in Richtung Lützenkirchen gefahren (die RP berichtete). An der Haltestelle "In Holzhausen" verließ sie gegen 2.30 Uhr den Bus und bemerkte kurze Zeit später, dass ihr jemand folgte.
Der Unbekannte holte die Frau ein, zog ein Messer, das er ihr an den Hals setzte, führte sie in einen Hinterhof und verging sich brutal an ihr. Nach der Tat flüchtete er. Die Polizei löste sofort eine große Fahndung aus, konnte den Mann aber nicht finden. Mit einem Foto, aufgenommen von der Überwachungskamera des Busses, und mit dem Hinweis der Frau, dass sie in diesem Mann ihren Vergewaltiger wiedererkenne, fahndete die Polizei seit Donnerstag, 14. Oktober, auch öffentlich nach dem Täter. Der Gesuchte hat eine Glatze, eine markante Nase, trägt Lederhose.
Schon einen Tag später die vermeintliche Wende: Bei der Polizei meldete sich ein Mann. Ja, er sei der Mann auf dem Foto, gab er an. Aber nein, er habe mit der Vergewaltigung nichts zu tun. Noch am selben Tag ist der Mann wieder frei.
"Die Staatsanwaltschaft Köln hat einen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gestellt", bestätigt Hermann-Josef Merzbach, Direktor des Leverkusener Amtsgerichts. "Der Antrag wurde ohne Termin abgelehnt. Mangels ausreichendem Tatverdacht." Die Polizei will dazu gar nichts sagen. Nur soviel: "Die Ermittlungen laufen." Und die Lützenkirchener verstehen die Welt nicht mehr. "Das kann doch nicht sein", klagt Karin Wichortz. Die 56-Jährige fühlte sich bisher immer sicher im beschaulichen Dörfchen. "Die Zeiten sind scheinbar vorbei. Bis die den Täter nicht dingfest gemacht haben, gehe ich ab 17 Uhr nicht mehr vor die Tür."