LEVERKUSEN: Auch Kuranyi war ein Thema für die Offensive – Völler sauer auf eine ideenlose Elf
Zielstrebig und schnell nach vorn. Mit Power, mit Ideen. Diese Qualitäten führte Rudi Völler an – allerdings in der Form, dass er alle diese Beigaben, mit denen Bayer Leverkusen den Start in die neue Saison garniert hatte, auf Schalke nicht wiederfand. „Das haben wir diesmal alles vermissen lassen“, bilanziert Leverkusens Sportdirektor.
Pomadig, so Völler, ging Bayer stattdessen zu Werke. Ein Nackenschlag nach drei Siegen in Folge; saisonübergreifend hatte Leverkusen gar acht Dreier hintereinander gefeiert und elfmal nicht verloren. Mehr noch: Ohne eigenen Treffer war Bayer letztmals am 9. März beim 0:1 in Mainz vom Platz gegangen. Vorbei, vertan. Schalke lieferte den Hinweis darauf, warum es für ganz oben trotz ausgezeichneter Ansätze offensichtlich nicht reicht. Der Höhenflug verleitete wohl dazu, die kommende Aufgabe etwas zu lässig anzugehen. „Wenn man sich zu sicher fühlt, dann wird man bestraft“, zürnt Völler zu Recht einer ideenlosen, schlaff wirkenden Elf.
Nach der Länderspielpause wartet mit dem VfL Wolfsburg ein Gegner mit ähnlichen Ambitionen. Das Kräftemessen dürfte zur Reifeprüfung werden, ob Leverkusen erneut eine Hauptrolle im Ringen um die begehrten Plätze zur Champions League einnehmen wird. Mit oder ohne Eren Derdiyok?
Allerdings steht hinter dem Stürmer das nächste Fragezeichen neben der schwer erklärbaren, schwachen Vorstellung auf Schalke. Zwischen 2009 und 2012 hatte Derdiyok, für rund 500 000 Euro bis Saisonende von Hoffenheim ausgeliehen, in 90 Ligaspielen (25 Treffer) seine Qualitäten ab und zu angedeutet. Dabei war er aber quasi auf halbem Weg stehen geblieben und vor einem Jahr für fünf Millionen Euro nach Hoffenheim gewechselt. Auch dort wusste der 25-Jährige letztlich nicht zu überzeugen. Bei 19 Einsätzen stand er nur fünfmal in der Startelf (ein Tor, ein Assist), wurde zuletzt aussortiert und durfte sich nur noch in der Trainingsgruppe 2 fit halten. Ob nun in Leverkusen alles wieder gut wird?
Eigentlich hatte Bayer mit einem Top-Transfer geliebäugelt: Mit Kevin Kuranyi (31) waren die Verhandlungen bereits weit fortgeschritten, doch dann legte Dynamo Moskau sein Veto ein. Und eine Verpflichtung des Ex-Bremers Hugo Almeida (29, Besiktas) hätte schlicht das Gehaltsgefüge gesprengt.
Die Hoffnung ist groß, dass Derdiyok das Vertrauen rechtfertigt. Ein Testspiel, vielleicht zwei, steht in der Länderspielpause auf dem Plan – auch, um dem Schweizer Spielpraxis zu verschaffen. „Danach spielen wir alle drei Tage“, führt Völler an, „da wird er seine Chance kriegen.“ Dass Derdiyok wie eine eine Art Wundertüte daherkommt, ist Völler bewusst: „Wir wissen, was er für Möglichkeiten hat. Aber er hat sein Potenzial bei uns nicht immer abgerufen.“ Die Zuversicht bleibt, dass Derdiyok künftig des Öfteren einen „Sahnetag“ erwischt. „Die“, erinnert sich Völler, „hatte er bei uns schließlich auch schon.“
Quelle: kicker-Printausgabe vom 02.09.13
