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    LEVERKUSEN: Auch Kuranyi war ein Thema für die Offensive – Völler sauer auf eine ideenlose Elf

    Zielstrebig und schnell nach vorn. Mit Power, mit Ideen. Diese Qualitäten führte Rudi Völler an – allerdings in der Form, dass er alle diese Beigaben, mit denen Bayer Leverkusen den Start in die neue Saison garniert hatte, auf Schalke nicht wiederfand. „Das haben wir diesmal alles vermissen lassen“, bilanziert Leverkusens Sportdirektor.

    Pomadig, so Völler, ging Bayer stattdessen zu Werke. Ein Nackenschlag nach drei Siegen in Folge; saisonübergreifend hatte Leverkusen gar acht Dreier hintereinander gefeiert und elfmal nicht verloren. Mehr noch: Ohne eigenen Treffer war Bayer letztmals am 9. März beim 0:1 in Mainz vom Platz gegangen. Vorbei, vertan. Schalke lieferte den Hinweis darauf, warum es für ganz oben trotz ausgezeichneter Ansätze offensichtlich nicht reicht. Der Höhenflug verleitete wohl dazu, die kommende Aufgabe etwas zu lässig anzugehen. „Wenn man sich zu sicher fühlt, dann wird man bestraft“, zürnt Völler zu Recht einer ideenlosen, schlaff wirkenden Elf.

    Nach der Länderspielpause wartet mit dem VfL Wolfsburg ein Gegner mit ähnlichen Ambitionen. Das Kräftemessen dürfte zur Reifeprüfung werden, ob Leverkusen erneut eine Hauptrolle im Ringen um die begehrten Plätze zur Champions League einnehmen wird. Mit oder ohne Eren Derdiyok?

    Allerdings steht hinter dem Stürmer das nächste Fragezeichen neben der schwer erklärbaren, schwachen Vorstellung auf Schalke. Zwischen 2009 und 2012 hatte Derdiyok, für rund 500 000 Euro bis Saisonende von Hoffenheim ausgeliehen, in 90 Ligaspielen (25 Treffer) seine Qualitäten ab und zu angedeutet. Dabei war er aber quasi auf halbem Weg stehen geblieben und vor einem Jahr für fünf Millionen Euro nach Hoffenheim gewechselt. Auch dort wusste der 25-Jährige letztlich nicht zu überzeugen. Bei 19 Einsätzen stand er nur fünfmal in der Startelf (ein Tor, ein Assist), wurde zuletzt aussortiert und durfte sich nur noch in der Trainingsgruppe 2 fit halten. Ob nun in Leverkusen alles wieder gut wird?

    Eigentlich hatte Bayer mit einem Top-Transfer geliebäugelt: Mit Kevin Kuranyi (31) waren die Verhandlungen bereits weit fortgeschritten, doch dann legte Dynamo Moskau sein Veto ein. Und eine Verpflichtung des Ex-Bremers Hugo Almeida (29, Besiktas) hätte schlicht das Gehaltsgefüge gesprengt.

    Die Hoffnung ist groß, dass Derdiyok das Vertrauen rechtfertigt. Ein Testspiel, vielleicht zwei, steht in der Länderspielpause auf dem Plan – auch, um dem Schweizer Spielpraxis zu verschaffen. „Danach spielen wir alle drei Tage“, führt Völler an, „da wird er seine Chance kriegen.“ Dass Derdiyok wie eine eine Art Wundertüte daherkommt, ist Völler bewusst: „Wir wissen, was er für Möglichkeiten hat. Aber er hat sein Potenzial bei uns nicht immer abgerufen.“ Die Zuversicht bleibt, dass Derdiyok künftig des Öfteren einen „Sahnetag“ erwischt. „Die“, erinnert sich Völler, „hatte er bei uns schließlich auch schon.“


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 02.09.13

    LEVERKUSEN: Die Suche nach einem Stürmer läuft noch weiter

    Ein monströser Eisverband kühlte den rechten Fuß von Heung-Min Son. Die Prellung nach einem Tritt blieb das einzige schmerzhafte Andenken an die Partie gegen Mönchengladbach für den jungen Südkoreaner. Der Verband überdeckte allerdings nicht die Defizite, die das Spiel des 10-Millionen-Einkaufs noch aufweist. Dessen mannschaftstaktische Ausbildung kam wohl in den vergangenen zwei Jahren etwas zu kurz. Immer wieder spielte sich am Samstag das Geschehen im Rücken des Ex-Hamburgers ab, der es häufig versäumte, nach Ballverlust die Lücke zum Außenverteidiger zu schließen. Ein taktisches Fehlverhalten, das die Kollegen Gonzalo Castro und Stefan Reinartz immer wieder zu Extra-Metern zwang.

    Dass „Sonny“ längst kein fertiger Bundesligaspieler ist, seine Talente aber Anlass zu allergrößtem Optimismus geben, ist freilich nicht die einzige Erkenntnis des dritten Sieges im dritten Saisonspiel.

    So entpuppt sich die Verpflichtung von Emir Spahic immer mehr als Volltreffer. Der Bosnier verleiht der Defensive Stabilität, an seiner Seite wächst auch Ömer Toprak zu einer verlässlichen Größe heran: „Es passt momentan sehr gut“, konstatiert der türkische Nationalspieler, verweist aber auch auf die „unnötigen Gegentore heute, die uns zeigen, dass wir es noch besser machen können“. Gesunde Selbstkritik, die Sami Hyypiä immer wieder einfordert.

    Der Finne muss sich aktuell der schwierigen Aufgabe stellen, den Spielern, die bislang noch nicht wie gewünscht zum Zug kamen, die Situation erträglich zu gestalten. Er tut dies mit dem Verweis auf die kommenden Wochen und Monate. „Wenn die englischen Wochen beginnen, werden wir jeden Spieler brauchen können“, lautet die Botschaft in Richtung bewährter Profis wie Simon Rolfes und Philipp Wollscheid oder hoffnungsvoller Youngster wie Arek Milik und Kostas Stafylidis. Denkbar ist übrigens, dass der Kader in dieser Woche noch eine Ergänzung erfährt. Die Suche nach einer Angriffsalternative läuft unvermindert weiter.
    F. Lußem

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 26.08.13

    Zwei Dinge braucht dieser Mann: Fitness und Vertrauen. Stimmt beides, kann man davon ausgehen, dass Sidney Sam Leistung abliefert. Wie seit Beginn dieser Saison. Bayer erzielte acht Tore, an fünf von ihnen war „Sid“ direkt beteiligt. Eine starke Quote, die seinen Reifeprozess belegt: Sam ist gleichermaßen Vorbereiter und Vollstrecker. Wo er früher hektisch wurde, behält er heute den Überblick, sieht die Lücken, in die seine gefährlichen Schüsse passen. Der Lohn wird womöglich nicht lange auf sich warten lassen. Joachim Löw war als Beobachter in der BayArena, nannte keinen Namen, aber prophezeite dem „ein oder anderen, der heute auf dem Rasen stand“ die Nominierung für die kommenden Länderspiele. Dass er damit Sam, der im Juni gegen die USA debütierte, nicht meinte, wollte keiner im Stadion glauben.
    FRANK LUßEM

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 26.08.13

    Heimlich, still und leise macht sich Bayer 04 Leverkusen auf, in die Phalanx der großen Teams aus München und Dortmund einzudringen und geht dabei mit einer stoischen und gut strukturierten Art ans Werk, die die klare Handschrift eines Mannes trägt.
    eurosport.yahoo.de hat den Vorjahresdritten genauer unter die Lupe genommen.

    Von Tobias Ruf | Eurosport

    Torhüter entschuldigt sich für Geste gegen Fans

    Eigentlich war es ein perfekter Tag für Bernd Leno (21). Gewonnen, zu null, und mit einer Glanztat den Sieg gerettet. Die Rückkehr zur alten Wirkungsstätte war ganz nach Wunsch verlaufen.

    Bis zum Abpfiff, als Leno Sprechchöre der VfB-Fans falsch interpretierte und sich eine abfällige Handbewegung leistete. Helle Aufregung. Rudelbildung. Stuttgarts Cacau Nase an Nase mit Leno, der am Sonntag zugab: „Das war überflüssig. Ich habe mich provozieren lassen.“ Schon nach dem Spiel hatte sich der Keeper in der VfB-Kabine bei Trainern und Spielern entschuldigt. Lenos abfällige Geste – ein Schönheitsfehler bei der Heimkehr, den VfB-Sportdirektor Fredi Bobic dem Alter geschuldet sah: „Wenn man jung und ungestüm ist, macht man das ein oder andere Zeichen. Es wird ihm eine Lehre sein. Ich habe ihm hinterher die Hand gegeben. Das Thema ist erledigt.“

    Leverkusens Trainer Sami Hyypiä sah Lenos Ausbruch sogar nicht einmal negativ: „Ich finde Leidenschaft im Fußball ist gut. Wenn wir alle lahm herumlaufen, wäre es sehr langweilig für die Zuschauer. Wir müssen uns jede Woche von 20 000 vieles anhören. Es ist keine große Sache, wenn jemand mal reagiert.“ Dennoch registrierte der Trainer wohlwollend Lenos Entschuldigung: „Das war sehr gut von ihm.“ Wie seine Leistung am Samstag in Stuttgart.
    S.v.N.

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 19.08.13

    LEVERKUSEN: „Wenn Stefan ausfällt, haben wir ein Problem“ – Milik noch keine Alternative

    Mehr Sicherheit kann ein Stürmer seinem Trainer vor einer Partie nicht geben: Gegen den VfB trifft Stefan Kießling besonders gerne – in den letzten acht Duellen immer. Gelingt ihm dies auch am Samstag, stellt er Klaus Fischers Rekord ein, der neun Mal in Folge einen Gegner „beglückte“, ebenfalls den VfB.

    So gesehen könnte sich Sami Hyypiä entspannt zurücklehnen in der Erwartung, dass Kießling die Sache schon richten wird. Doch die Treffer-Garantie, die der Gewinner der kicker-Torjägerkanone der vergangenen Saison verspricht, hat auch seine Schattenseite. Was passiert, wenn Kießling fehlt? Ein Thema, das Hyypiä beschäftigt.

    „Wenn Stefan sich verletzen sollte, haben wir ein Problem“, warnt der 39-Jährige, der verdeutlicht, dass die Bemühungen auf dem Transfermarkt deutlich enger zu fassen sind, als es der offizielle Wortlaut („etwas für die Offensive“) erkennen lässt. Stehen doch auf allen Positionen (nahezu) gleichwertige Alternativen zur Verfügung – außer auf der des Mittelstürmers im 4-3-3. Und dass Hyypiä aufgrund der Dreifachbelastung durch Liga, Pokal und Champios-League rotieren lassen wird, hat der Finne wiederholt betont.

    Im Sturmzentrum ist dies nicht möglich, weil Winterzugang Arkadiusz Milik (19, sechs Kurzeinsätze über insgesamt nur 61 Minuten) sich in seinem ersten halben Jahr nicht so weit entwickelt hat, wie man es sich erhoffte. „Er ist da, aber er muss diesen Schritt vorwärts machen, um richtig um diesen Platz zu kämpfen“, ordnet der Trainer das Talent ein, das noch keine ernsthafte Alternative darstellt. Deswegen ist Hyypiäs Wunsch eindeutig: „Natürlich ist es wichtig, dass wir nach Optionen schauen, ob wir einen guten Stürmer bekommen können. Ich bin froh, wenn wir einen großen Kader haben.“

    Neben einem Ausfall Kießlings führt Hyypiä ein zweites Argument an: „Wenn man in der Schlussphase hinten liegt, wäre es gut, wenn man zwei gute Optionen vorne setzen und ein bisschen mehr Druck machen könnte.“ Ein solcher Stürmertyp mit Klasse fehlt Bayer neben Kießling – anders als zum Beispiel dem direkten Konkurrenten Schalke, der dafür Adam Szalai als Alternative zu und neben Klaas Jan Huntelaar holte.
    S. V. NOCKS


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 15.08.13

    Bayer 04 und Neuzugang HEUNG-MIN SON (20) feiern einen erfolgreichen Saisonstart, zeigen dabei aber durchaus noch Steigerungspotenzial.

    Business as usual bei Bayer 04. Das 3:1 gegen Freiburg war saisonübergreifend der sechste Sieg in Serie. Wie gewohnt überzeugte die Werkself mit attraktivem Angriffsfußball. Und natürlich traf Stefan Kießling, der nach diversen Rekorden im Vorjahr gleich die nächste Bestmarke aufstellte: Er traf im siebten Spiel in Folge. Das gelang noch keinem Bayer-Profi. Ein Fakt, der den 29-Jährigen kaum beschäftigte: „Das habe ich erst nach dem Spiel erfahren. Ich habe nichts dagegen, wenn es so weitergeht.“

    Die Aussichten dafür sind günstig. Rollt die Erfolgswelle doch scheinbar ungestört weiter. Und das, obwohl mit Donati, Spahic und Son drei Neue in der Elf standen, die im Vergleich zum Saisonfinale gar auf sechs Positionen umbesetzt war. „Das war sehr souverän, sehr überzeugend“, lobt Sportdirektor Rudi Völler besonders die Startphase und fügt an: „Es gibt keinen Grund abzuheben. Ein paar Dinge haben nicht so funktioniert.“ Realismus statt Euphorie. Wie bei seinen Profis.

    So hob nicht nur Kießling trotz der Erfolgswelle den Zeigefinger: „Wir haben letztes Jahr keinen guten Start gehabt und eine gute Serie gespielt. Jetzt war es ein Super-Einstand, aber da muss man aufpassen.“ Wie viel der Auftritt gegen schwache Freiburger wert war, wusste auch Ömer Toprak nicht: „Man muss vorsichtig sein. Uns hat in die Karten gespielt, dass Freiburg nicht eingespielt war. Wir müssen im Umschaltspiel noch besser werden, da bleibt noch viel Arbeit.“

    Toprak gehört wie Kießling zur Fraktion, für die Stillstand Rückschritt bedeutet. „Wir haben den Anspruch, noch viel besser zu werden. Unser System funktioniert noch lange nicht so wie letztes Jahr. Es muss genauso gut, vielleicht sogar besser werden.“ Was wie eine Warnung an die Konkurrenz klingt, angesichts zweier Treffer der Marke Hochgeschwindigkeitsfußball.

    Doch obwohl neben Kießling auch Sidney Sam und Heung-Min Son trafen, besteht auch im Angriff noch Luft nach oben. So bemängelte Sam die Qualität beim letzten Pass („Dann schießen wir die 5:1 oder 6:1 ab“). Und Son stellte fest: „Ich könnte es noch besser machen. Ich werde mir ansehen, welche Fehler ich gemacht habe.“

    Dass seine Kollegen etwas voreilig als neues Traumduo („Sam-Son“) gefeiert werden, kommentierte Kießling süffisant lächelnd: „Die beiden spielen ja nicht alleine da vorne.“ Sondern mit ihm, Bayers mal wieder überragendem Torjäger – Business as usual eben.
    S. von Nocks


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 12.08.13

    LEVERKUSEN: Hyypiä beruhigt Wollscheid

    Nichts ist vergänglicher als der Ruhm von gestern. Das erfahren derzeit Philipp Wollscheid und Gonzalo Castro. Vergangene Saison gesetzt, fehlte das Duo beim Pokalspiel in Lippstadt in der ersten Elf. Auch wenn Trainer Sami Hyypiä betont, es gebe keine Stammformation angesichts der Dreifachbelastung inklusive Champions League, ist dies ein Zeichen: Die Leistungsdichte hat sich erhöht, die Zahl der Unverzichtbaren ist kleiner geworden.

    Eine Geduldsprobe droht gerade Wollscheid , dessen Vorbereitung (längerer Urlaub wegen Länderspielreise, Magen-Darm-Infekt, verkorkstes Testspiel) holprig verlief. Wird doch in der Abwehr seltener getauscht als in der Offensive, wo Castro zu Hause ist. „In der Innenverteidigung wirst du nicht mal eben in der 75. Minute eingewechselt“, weiß der Nationalspieler, der sich in der WM-Saison empfehlen möchte. Doch ab wann?

    „Vielleicht wird es ein Problem, solange wir nur ein Spiel pro Woche haben“, weiß Hyypiä, „aber wenn jetzt jemand ein oder zwei Spiele draußen ist, heißt das nicht, dass er nie spielt.“ Das haben er und Manager Michael Reschke Wollscheid erklärt. „Sie haben mich beruhigt, es bestehe kein Grund zur Panik. Jeder Innenverteidiger wird zu seinen Einsätzen kommen. Ich vertraue darauf, dass es so praktiziert wird und nicht wie letztes Jahr, als immer dieselben zwei gespielt haben“, sagt der 24-Jährige, „wenn das so umgesetzt wird, ist das kein Problem.“ Seines heißt Emir Spahic (32). Dem vom FC Sevilla geholten Kapitän der bosnischen Nationalelf stellt Hyypiä ein glänzendes Zwischenzeugnis aus: „Emir erkennt Situationen, liest das Spiel sehr gut. Und jetzt zeigt er auch ein bisschen die Qualität in der Kommunikation, dirigiert. Alles, was er bis jetzt gezeigt hat, ist in Ordnung.“ Zudem schätzt er Spahic’ Selbstverständnis, Führungsspieler zu sein. „ Wir brauchen ein bisschen Erfahrung in unserer Mannschaft, und er bringt sie mit. So ein Spieler macht die Mannschaft besser.“ Das muss die Zweikampfmaschine erstmals gegen Freiburg beweisen, den Bayer 04 vor Jahresfrist am 2. Spieltag mit 2:0 schlug. Torschützen? Castro und Wollscheid…
    STEPHAN VON NOCKS


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 08.08.13

    LEVERKUSEN: Nach Can soll noch ein weiterer Spieler kommen – Sam stark und ehrgeizig

    Auch nach der Verpflichtung von Emre Can (19, kommt von Bayern München, Vertrag bis 2017) arbeitet Bayer Leverkusen weiter an der Optimierung des Kaders. "Wenn sich was ergibt, was bezahlbar und machbar ist, werden wir noch etwas tun", verrät Sportdirektor Rudi Völler (53). In der Offensive sieht der Champions-League-Teilnehmer noch Handlungsbedarf, "wir arbeiten an einigen Baustellen", sagt Völler, "wenn wir jetzt niemanden mehr holen, dann vielleicht im Winter".

    Für die Defensive hat Leverkusen schon fünf Millionen Euro in die Hand genommen: Can, für den sich die Bayern eine Rückkaufoption sicherten, tauchte wegen seiner Vielseitigkeit auf dem Radar des Werksklubs auf. "Ab September stehen wir permanent vor englischen Wochen und großen Herausforderungen", betont Völler, "da brauchen wir noch einen guten Spieler, der uns in vielen Belangen weiterhilft." Can spielte für die Bayern viermal in der Bundesliga, wo er einmal traf, und zweimal im DFB-Pokal.

    Sami Hyypiä (39) machte sich für diesen Transfer stark, weil er den deutschen Junioren-Nationalspieler, der auf 37 Einsätze in den Nachwuchsteams des DFB kommt, "auf mehreren Positionen" einsetzen kann. Dass besonders im Mittelfeld das Gedränge jetzt heftig wird, begrüßt der Trainer ausdrücklich: "Der Konkurrenzkampf ist groß, und das finde ich gut." Auch Hyypiä verweist auf einen eng gesteckten Termin-Parcours im Herbst, "dafür benötigen wir einen breiteren Kader".

    Beim nie gefährdeten 6:1 Pokalsieg in Lippstadt verschaffte sich Can einen ersten Eindruck von den neuen Kollegen. Sidney Sam (25), der zwei Treffer erzielte und zwei weitere blitzsauber vorbereitete, könnte ihm dabei am meisten imponiert haben. Für die neue Saison hat sich Sam vorgenommen, "vorne mehr Verantwortung zu übernehmen". Lippstadt sei bei der Realisierung seiner ehrgeizigen Ziele nur ein "erster Schritt" gewesen; "viele Vorarbeiten und viele Tore" sollen folgen, gerne auch mit direkt verwandelten Strafstößen wie beim 2:1 am Samstag. "Das", sagt Sam, "übe ich jeden Tag im Training."

    Mit dem für zehn Millionen Euro vom HSV gekauften Heung-Min Son besaß Sam einen Flügelpartner, der sich glänzend einführte. Was Völler an dem Südkoreaner begeistert, der im Juni noch in der WM-Qualifikation beschäftigt war, deshalb später in die Vorbereitung einstieg und am Samstag nicht in der Startelf stand: "Ich habe selten einen Spieler gesehen, der mit beiden Füßen so eine Schusstechnik hat wie er."
    THOMAS HENNECKE

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 05.08.13

    Das Werben um Spieler wie Kevin de Bruyne (21, bleibt beim FC Chelsea) oder Christian Eriksen (21, Ajax) zeigt zweierlei: Erstens ist Bayer Leverkusen gewillt, noch einmal richtig zu investieren, eine Größenordnung von rund zehn Millionen Euro ist nicht utopisch. Zweitens aber hat man offenbar vor, das System zu modifizieren. Denn weder der eine noch der andere Spieler hätte in ein 4-3-3 mit drei defensiv orientierten Mittelfeldspielern und zwei Außenstürmern gepasst, wie es in der vergangenen Saison gespielt wurde.

    Bayer will sich breiter aufstellen, in jeder Beziehung. Personell und was die (offensiven) Möglichkeiten auf dem Rasen angeht. Aktuell ist kein heißer Kandidat im Gespräch, doch Sportchef Rudi Völler (53) betont fast täglich, dass noch investiert wird. Dabei soll nichts überstürzt werden. Bayer setzt darauf, dass einerseits der aktuelle Kader stark ist. Andererseits dürften die Preise für den potenziellen Neueinkauf realistischer werden, je näher man dem Ende der Transferperiode (31. August) kommt. Sicher ist: Bereits dann wird es in vielen Großklubs Spieler geben, die ihre Felle davonschwimmen sehen und sich liebend gerne einen deutschen Champions-League-Teilnehmer anschließen werden.
    flu

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 22.07.13

    In seinen zwei Jahren in Leverkusen hat sich mit BERND LENO (21) gut entwickelt. Für die neue Saison hat er ein besonderes Ziel.

    kicker: Von vielen Stürmern wissen wir, dass sie sich vor der Saison eine bestimmte Anzahl von Toren zum Ziel setzen. Ist dies bei Torhütern auch so, nur andersrum?

    Bernd Leno: Auf jeden Fall. Ich habe im ersten Jahr 44 Gegentore kassiert, im zweiten waren es dann 39 und jetzt ist es mein Ziel, das noch zu unterbieten.

    kicker:
    Konkret?

    Leno: Ein Tor pro Spiel im Schnitt, also 34 Gegentore, das wäre eine Superleistung.

    kicker: Ist die geringere Anzahl an Gegentreff ern Ausdruck einer Entwicklung oder Zufall?

    Leno: Das beschreibt eine Entwicklung von mir und der gesamten Mannschaft. Wir haben in der vergangenen Saison besser verteidigt, nicht mehr so vogelwild gespielt. Von den 39 Gegentoren waren noch sieben Elfmeter. Das war insgesamt okay und wir hatten nicht aus Zufall die zweitbeste Abwehr.

    kicker: Sie spielen jetzt Ihr drittes Profijahr. Hat der Job sich in dieser Zeit verändert? Sind die Ansprüche höher geworden?

    Leno: Vor allen Dingen die Ansprüche, die man an sich selbst stellt. Ich will mich weiterentwickeln, mein Spiel immer offensiver gestalten, mir mehr zutrauen, mehr Risiko eingehen. Diesen Anspruch musst du haben, wenn du dich weiterentwickeln willst. Und das will ich!

    kicker: Gibt es Angst vor dem Risiko?

    Leno: Nein, die gibt es nicht. Aber man muss es kalkulieren. Es darf nichts anbrennen. Harakiri kann sich kein Torwart erlauben.

    kicker: Mit dem 28-jährigen David Thiel haben Sie den jüngsten Torwarttrainer der Liga, mit dem 39-jährigen Andres Palop den ältesten Kollegen. Wie bewegt man sich zwischen diesen Polen?

    Leno: Das sind Zahlen. Andres ist mit Kopf und Körper jünger als 39. Das merkt man immer, wenn wir beide im Spanisch-Deutsch-Kauderwelsch flachsen. Da haben wir alle richtig Spaß zusammen.

    kicker:
    Wie gut ist Ihr Spanisch? Sie wollten mal Nachfolger von Iker Casillas werden …

    Leno:
    Das ist mehr so ein Alibi-Spanisch. Un, dos, tres, Amigo! Ich werde jetzt ein bisschen von ihm lernen und bringe Andres im Gegenzug dafür Deutsch bei.

    kicker: Hat Sie die Verpflichtung von Andres Palop überrascht? So einen erwartet man ja nicht unbedingt in der Bundesliga.

    Leno: Wenn ich ehrlich bin, schon. Er ist ja schon ein bisschen älter als der Schnitt. Aber er ist total in Ordnung. Was bei Michael Rensing genauso war. Der war immer fair, das wird bei Andres genauso sein. Ich kann von ihnen lernen, sie pushen mich im Training. Das tut meiner Entwicklung gut.

    kicker: Haben Sie die U-21-EM und das schlimme Hollandspiel abgehakt?

    Leno: Für mich ist das abgehakt. Es war ein schwarzer Tag. Ich sah bei allen drei Toren blöd aus. Auch wenn ich ein paar positive Aktionen hatte. Ich habe die Fehler analysiert und weiß, dass es solche Tage eben gibt.

    kicker: Ihnen wird nachgesagt, Sie hätten ein starkes Fehlermanagement. Wie sieht das aus?

    Leno: Ich versuche, das Positive rauszuziehen. Wenn ich bei einer Ecke auf der Linie kleben bleibe oder einen Ball nach vorne klatschen lassen, dann versuche ich, das bei der nächsten Situation anders, besser zu machen. Also rauszukommen, die Ecke abzufangen, den Ball zur Seite abzulenken. Ich lasse mich von einem Fehler nicht runterziehen, ich will lernen. Bisher ist mir das ganz gut gelungen. Aber das schützt nicht vor schwarzen Tagen. Die hat jeder.

    kicker: Ihr ehemaliger Trainer Marco Langner hat mal über Sie gesagt: „Der pinkelt Eiswürfel!“ Ein Kompliment?

    Leno: Klar! Er hat damit gemeint, dass er mich total cool einschätzt, dass ich hinten drinstehe wie ein Eisblock. Das ist ein Kompliment.

    kicker: Welche Erwartungen haben Sie an die Champions League?

    Leno: Ach, das ist ein Traum, ein Highlight, das will ich genießen. So lange wie möglich. Es ist etwas ganz Großes gegen die Top-Teams zu spielen. Chelsea, Barcelona – das ist Weltklasse und eine super Belohnung für eine Top-Saison für uns und den Verein. Wir freuen uns alle auf die Hymne und darauf, uns mit den Großen messen zu können.

    kicker: Unvergessen ist das 1:7 in Barcelona. Hat Bayer etwas gutzumachen?

    Leno: Das war heftig. Aber etwas gut zu machen? Nein! Es gab andere Teams, die da untergegangen sind.

    kicker: Könnte das erneut passieren? Oder ist das Team gewachsen?

    Leno: Ja, auf jeden Fall. Wir haben eine bessere Mannschaft heute und ich denke, wir können dieses Jahr eine bessere Rolle in der Champions-League spielen.

    kicker: Was ist in der Bundesliga möglich? Werden die Bayern wieder marschieren?

    Leno: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass sie das Rennen machen werden. Wir schauen auf uns und dürfen uns nicht davon beeinflussen lassen, was geschrieben oder nicht geschrieben wird. Wir wollen wieder eine Top-Saison spielen. Vielleicht muss, damit wir mehr Beachtung bekommen, auch mal was Großes am Ende herausspringen. Zum Beispiel ein Top-Team schlagen und in der Champions-League weit kommen.

    kicker: Bayer hat die beiden letzten Champions-League-Sieger in der Saison des Triumphes bezwungen, sowohl Chelsea als auch die Bayern. Fehlt dem Team die Konstanz, um oben mitzuhalten? Oder wisst ihr gar nicht, wie gut ihr seid?

    Leno: Wir wissen schon, was wir können. Aber wir konnten es bisher nicht konstant abrufen. Das glich immer mehr einer Berg- und Talfahrt. Gegen Chelsea gewinnen und dann in der Liga nachlegen – das ist die Kunst.

    kicker: Wie gehen Sie mit dem Thema Nationalmannschaft um? Ist die Hierarchie durch Manuel Neuer und René Adler auf Ihrer Position auf Jahre zementiert?

    Leno: Schwer zu sagen. Im Fußball geht es schnell. Das hat sich ja bei René Adler gezeigt. Manuel Neuer und er haben den Platz jetzt gefestigt. Langfristig ist die Nationalmannschaft das Ziel. Ich mache mir da keine Sorgen. Ich bin 21 und habe Zeit. Nein, ich habe keine Angst, dass ich die Nationalmannschaft nicht schaffe.
    INTERVIEW: FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 22.07.13

    AUS LEVERKUSENS TRAININGSLAGER IN ZELL AM SEE BERICHTET FRANK LUßEM

    Er geht in seine erste Spielzeit als Cheftrainer: Leverkusens SAMI HYYPIÄ (39) zieht hier eine aktuelle Bilanz der Saisonvorbereitung.

    Setzt der Bayer-Bus sich in Zell am See nach den Trainingseinheiten in Richtung Hotel in Bewegung, bleibt ein Platz im Luxus-Gefährt meistens leer. Trainer Sami Hyypiä legt die knapp acht Kilometer lieber laufend zurück – Therapie für den Ex-Profi, der während der Einheiten meist beobachtend am Rand steht, wie auch seine Co-Trainer Jan-Moritz Lichte (33) und Daniel Niedzkowski (36) nur wenig eingreifen muss. Perfekte Bedingungen trafen die Leverkusener in Zell am See im Salzburger Land an, dementsprechend harmonisch verläuft das am Freitag endende Trainingslager im österreichischen Ferienparadies. Für den kicker nahm sich Sami Hyypiä ein wenig Zeit und sprach über ...

    ... die Wahl des Trainingslagers: Das Wichtigste ist doch, dass die Plätze in Ordnung sind. Und hier? Sie sind perfekt. Wie alles andere auch.

    ... die Intensität: Kompliment an die Spieler, die hier sehr konzentriert gearbeitet haben. Sie waren körperlich und mental absolut auf der Höhe, haben sich auch durch die Hitze nicht beeinflussen lassen.

    ... die Schwerpunkte: Fußball ist ein Ballspiel. Wir haben sehr viel versucht, mit dem Ball zu arbeiten. Ich bin früher als Profi viel mehr gelaufen. Aber wenn man auf dem Platz die gleiche Intensität erreicht, dann ist es sinnvoller, so zu arbeiten. Da überspielen die Jungs auch die Müdigkeit viel besser, weil der Ball dabei ist und es leichter wirkt.

    ... die Integration der Neuen: Wir haben Spieler aus verschiedenen Ländern, da kann es anfangs manchmal ein Problem geben mit der Verständigung. Aber wir behelfen uns mit englisch, die Kommandos werden auf deutsch eingeübt. Diese Kommunikation auf dem Platz muss stimmen. Das ist sehr wichtig. Aber ich bin sicher, dass es schnell gehen wird, weil wir gute Jungs in der Truppe haben. Die helfen den neuen Spielern, da mache ich mir keine Sorgen. Mir ist egal, wie sich die Spieler außerhalb des Rasens unterhalten. Auf dem Platz wird deutsch gesprochen, das muss und wird klappen.

    ... die taktische Flexibilität: Wir haben viele intelligente Spieler. Da sind Systemwechsel überhaupt kein Problem. Grundsätzlich spielen wir wie in der vergangenen Saison, wenn wir aber während eines Spieles wechseln müssen, dann ist das kein Hindernis für die Mannschaft, egal ob ein anderes System gespielt wird oder ein paar Spieler auf andere Positionen rücken.

    ... Neuzugänge: Besprochen wurde es so, dass noch ein Neuer kommt. Aber meine Arbeit ist es, mit den Jungs zu arbeiten, die hier sind, alles aus ihnen rauszuholen. Wenn wir noch einen guten Spieler bekommen, werde ich mich nicht dagegen wehren. Das ist ganz natürlich, oder?


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 18.07.13

    Er ist Leverkusens Top-Star: STEFAN KIESSLING (29) über den Kader, die Ziele und die Chance, die Bayern zu attackieren.

    kicker: Herr Kießling, die Vorbereitung ist in vollem Gange. Haben Sie eigentlich einen Überblick, wie viele Sommertrainingslager Sie hinter sich haben?

    Stefan Kießling: Acht Jahre Leverkusen, drei Jahre Nürnberg, bei beiden Klubs ab und zu zweimal im Sommer unterwegs, irgendwas zwischen 12 und 15 Trainingslagern werden es gewesen sein.

    kicker: Was hat sich geändert in den elf Jahren?

    Kießling: Wenn ich mich an die Anfänge in Nürnberg erinnere, da sind wir noch richtig viel gelaufen. Das hat sich geändert. Die Einheiten, auch die Ausdauerübungen, finden auf dem Rasen statt, da werden Elemente kombiniert. Das war früher nicht der Fall.

    kicker:
    Das Training der Offensivspieler ist geprägt von Positionswechseln. Auch Sie stehen nicht stur in der Mitte, rochieren häufig mit Son, mit Castro, mit Kruse. Ist das ein Ansatz, den Bayer verfolgt?

    Kießling: Ja, das ist wichtig. Egal, wer vorne spielt, die Läufe in die Tiefe werden ein wesentlicher Bestandteil sein. Da muss ständig rochiert werden, da weiche auch ich mal auf den den Flügel aus. Das ist nicht ganz einfach und sehr laufintensiv.

    kicker: Viel laufen dürfte kein Problem sein für Sie?

    Kießling: Nein, das ist ja bekannt. Aber die Abstimmung ist wichtig. Es bringt nur etwas, wenn jeder sinnvoll läuft, wenn man dem anderen helfen kann.

    kicker: Die Konkurrenz aus München scheint gerade das System umzustellen. Hoffen Sie, dass in Leverkusen alles beim Alten bleibt?

    Kießling: Klar, wir sind in der vergangenen Saison gut damit gefahren. Das 4-3-3 ist super für uns. Wir wollen es verfeinern und die neuen Spieler integrieren. Wenn wir das umsetzen, dann stehen wir defensiv kompakt und sind schnell in der Offensive, was gut ist für das Umschaltspiel.

    kicker: Bayer hat für jede Position einen starken Back-up. Nur für die von Stefan Kießling nicht. Wird Arkadiusz Milik seinen Rückstand aufholen?

    Kießling: Ich mache mir keine Sorgen um ihn. Er hatte kein leichtes Halbjahr zuletzt. Aber er macht seine Sache gut. Sein Problem ist auch, dass ich immer spielen möchte.

    kicker: In der vergangenen Saison haben Sie in der Europa League pausiert …

    Kießling: Das geht in der Champions League nicht.

    kicker: Und die Belastung?

    Kießling: In der vergangenen Saison haben wir das Training am Ende dosiert, in den letzten fünf Wochen zum Beispiel nie Donnerstags trainiert. Dafür war ich am Spieltag voll da. Und das hat gut funktioniert.

    kicker: Ein Hinweis an die Trainer?

    Kießling: Sie können sicher einschätzen, was uns Spielern guttut.

    kicker: In Leverkusen haben Sie sich in den Status einer Legende geschossen. Aber Bayer, so monierte zuletzt auch Simon Rolfes, zählt nicht viel in der bundesdeutschen Öffentlichkeit. Sehen Sie das ähnlich?

    Kießling: Fakt ist, dass wir hinter Bayern und Dortmund eine Supersaison gespielt haben. Und was passiert? Von Hamburg oder Schalke wird gesprochen, von uns nicht. Aber wir sind Dritter geworden. Wir haben als einzige deutsche Mannschaft die Bayern geschlagen. Aber von uns wird nur groß berichtet, wenn es negativ wird.

    kicker: Ein Titel würde helfen, oder?

    Kießling: Davon spreche ich ja schon länger.

    kicker: Sie haben mit der kicker-Torjägerkanone etwas Greifbares geholt. Klappt das noch mal?

    Kießling: Wir haben so viele Interviews gemacht. Aber Sie werden in keinem einzigen eine Zahl finden, die ich prognostiziert habe. Es wird nicht leicht. Ich kann mit Selbstvertrauen und breiter Brust in die Saison gehen. Die 25 Tore waren fantastisch. Aber jetzt steheich wieder bei null und muss mir jedes Tor hart erarbeiten. Das ist eben Bundesliga.

    kicker:
    Simon Rolfes meinte, Platz drei sei nicht das Maximum. Kann es höher hinausgehen?

    Kießling: Es kann jedes Jahr höher hinausgehen. Platz zwei wäre ja schon ein Schritt nach oben. Die Bayern haben eine überragende Saison hinter sich und sich nicht verschlechtert. Man muss sehen, wie es dort funktioniert.

    kicker: Rechnen Sie mit Schwierigkeiten beim Meister?

    Kießling: Es kann Probleme geben. Und dann wäre es eben schön, wenn wir da wären. Aber dazu brauchst du 30 perfekte Spiele.
    INTERVIEW: FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 15.07.13

    LEVERKUSEN: Sam will Stammplatz und zur WM

    Am Mittwoch geht es richtig los. „Dann kommt die letzte Gruppe, und wir können mehr taktisch arbeiten“, freut sich Trainer Sami Hyypiä, dass Zugänge wie Robbie Kruse, Heung-Min Son, Giulio Donati und Konstantinos Stafylidis zum Kader stoßen.

    Beim Test in Bochum (2:0) lief es noch nicht reibungslos. „Bei Ballbesitz war es okay. Defensiv hatten wir einige Probleme“, so Hyypiä. Offensiv blitzte ansatzweise die Qualität der Vorsaison auf. Daran hatte Sidney Sam seinen Anteil. Vor dem ersten Treffer löste er sich erst geschickt aus der Umklammerung zweier Gegner, um kurz danach mit einem durchgesteckten Pass Gonzalo Castro perfekt zu bedienen. „Sidney ist in guter Form. Wir brauchen solche Spieler, die schnell sind und gut im Eins-gegen-eins. Er ist auf einem guten Weg“, lobt Hyypiä.

    Hinter Sam liegen zwei leidvolle Jahre. Vorbei. Musste der 25-Jährige immer wieder nach Verletzungen gegenüber der Konkurrenz aufholen, geht er diesmal mit einem Vorsprung ins Rennen. „Es ist wichtig, dass ich von Anfang an dabei bin. Ich bin in einer Top-Verfassung. Ich bin gesund. Das ist das Wichtigste. Ich werde, wenn ich fit bleibe, eine gute Saison spielen“, kündigt der Angreifer an, der über ein rundes Gesamtpaket verfügt: Technik, Schnelligkeit, Spielverständnis, Dribbling, Schusstechnik – diese Kombination können seine neuen Konkurrenten, Son und Kruse, so nicht bieten. Es spricht einiges dafür, dass der Nachfolger von André Schürrle (Chelsea) aus dem alten Kader kommt. Sam selbstbewusst: „Wenn ich fit bin, spiele ich auch. Das ist mein Anspruch.“ Erst recht, nachdem er bei der USA-Reise für Deutschland debütierte. „Dadurch habe ich noch mehr Selbstvertrauen. Das bringe ich voll ein. Es ist ganz klar, dass ich spielen werde.“

    Nach nur 26 Startelfeinsätzen in den vergangenen zwei Spielzeiten soll die Liga dauerhaft den wahren Sam erleben. Der hat einiges zu bieten, wie Hyypiä betont: „Sidney hat viel Potenzial. Nach der Saison bin ich zufrieden, wenn er all dieses Potenzial auch gezeigt hat. Das hängt an ihm.“ Und an seiner Gesundheit. Spielt die mit, ist vieles möglich. Sam möchte bei Bayer 04 ein Fixpunkt werden, damit sich 2014 sein Traum erfüllt. „Ich will natürlich bei der WM dabei sein. Ich werde alles dafür tun. Ich habe von Jogi Löw viel Lob bekommen. Ich gehe davon aus, dass ich demnächst wieder dabei bin, wenn ich meine Leistung bringe.“ Sidney Sam hat Großes vor.
    S. VON NOCKS


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 08.07.13

    SIMON ROLFES (31) sagt, warum er nicht mit spanischen Verhältnissen in der Liga rechnet, was eine starke Achse ausmacht und wer Leverkusens härtester Konkurrent ist.

    kicker: Im ersten Test gelang Ihnen bei Schwarz-Weiß Essen das erste Tor der Saison. Randnotiz oder gutes Omen?

    Simon Rolfes: Natürlich war das Spiel nicht mehr als eine bessere Trainingseinheit. Aber nachdem ich in der vergangenen Saison das erste Pflichtspieltor erzielte und es dann so gut lief, nehme ich das jetzt einfach mal als gutes Omen.

    kicker: Vor einem Jahr wurden Sie vor der Saison von einigen Experten infrage gestellt. Spüren Sie diese Zweifel heute auch?

    Rolfes: Ich spüre gar nichts. Und wenn, wäre es mir so egal, wie es mir damals egal war. Ich kenne meine Qualitäten und ich weiß, wie wichtig ich für das Team bin. Ich habe kein Problem damit, kritisch gesehen zu werden. Aber nicht die Diskussionen entscheiden, sondern die Leistung.

    kicker: Bleiben Sie Kapitän?

    Rolfes: Davon gehe ich aus.

    kicker: Sie forderten zuletzt mehr Respekt für Bayer ein. Was genau meinten Sie?

    Rolfes: Mir fehlte da so ein wenig die mediale Wahrnehmung unserer konstant guten Saison.

    kicker: Wundert Sie das wirklich angesichts der Leistungen der Bayern und des BVB?

    Rolfes: Die haben sich ihre Aufmerksamkeit verdient. Aber wir haben ja fast gar nicht stattgefunden. Wenn man, wie wir am Saisonende, fünf Spiele in Serie gewinnt und sich klar durchsetzt, dann ist das eine reife Leistung. Am Ende lagen wir einen Punkt hinter Borussia Dortmund. Wir waren denen auf den Fersen!

    kicker: Vielleicht auch, weil die Dortmunder international extrem gefordert waren?

    Rolfes:
    Das werden die mit ihrer Finanzkraft häufiger sein. Sie werden ja in der Champions League nicht mehr so früh ausscheiden wie in den Jahren, als sie Meister wurden.

    kicker: Also muss Platz drei hinter München und Dortmund nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten?

    Rolfes: Nein, dieser dritte Platz ist toll. Aber er ist sicher nicht das Maximum für uns.

    kicker: Schmerzt der große Rückstand auf die Bayern? War er ein Hinweis auf die zukünftige Kräfteverteilung in der Liga?

    Rolfes: Nein, wir haben ja nicht schlecht gepunktet. 65 Punkte sind für einen Dritten total okay. Es lag in diesem Fall nicht an unserer fehlenden Qualität. Es lag daran, dass die Bayern mit einer fantastischen Mannschaft fantastisch gepunktet haben.

    kicker: Rechnen Sie in der kommenden Saison mit mehr Spannung an der Spitze?

    Rolfes: Wir wollen es gerne spannender gestalten. Aber da müssen auch die anderen Klubs mitspielen und den Bayern die Punkte abnehmen.

    kicker: Sie befürchten also keine spanischen Verhältnisse in der Liga?

    Rolfes: Noch nicht. Weil viele Klubs die geringen Mittel clever einsetzen und deshalb wettbewerbsfähig bleiben. Wir brauchen in Deutschland dieses Überraschungsmoment.

    kicker: Um Platz drei herum rüsten die Klubs mächtig auf. Wird dies die härteste Saison für Bayer?

    Rolfes: Ich bin sicher, dass sich insgesamt das Niveau erhöht und der Konkurrenzkampf noch härter wird. Aber nicht nur für uns. Es wird im Mittelfeld wohl noch enger als in der vergangenen Saison, als zwischen Platz 6 und Platz 13 nur ein paar Punkte Differenz lagen.

    kicker: Wen sehen Sie als härtesten Konkurrenten um Platz 3?

    Rolfes: Schalke. Die haben einen guten Kader mit einigen Top-Spielern, eine gute Struktur und sie wirken gefestigt. Wolfsburg ist gut besetzt, aber noch nicht so stabil.

    kicker:
    Sehen Sie wieder ein Überraschungsteam wie zuletzt Freiburg oder Frankfurt in der Spitze?

    Rolfes:
    Die beiden haben das gut gemacht. Aber so etwas kann nur gelingen, wenn stärkere Teams schwächeln. Erst dann profitieren die Außenseiter. Eigentlich darf das nicht sein.

    kicker: Ihr Trainer-Team ist reichlich unerfahren, mit Michael Schade kommt ein Geschäftsführer, der ebenfalls noch nicht im Profibereich gearbeitet hat. Kann sich das negativ auswirken?

    Rolfes: Nein, das denke ich nicht. Unser Vorteil ist unser stabiles Gebilde. Für jede Mannschaft ist eine feste Achse sehr wichtig und Garant für dauerhaften Erfolg. Und die haben wir mit Bernd Leno, den beiden Innenverteidigern, dem Dreierblock im Mittelfeld und Stefan Kießling ganz vorne. An dieser Achse kann sich alles ausrichten. Was die Trainer angeht, waren sie in der vergangenen Saison noch unerfahrener. Und trotzdem haben wir Platz drei geholt und uns von keiner Diskussion um Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski beeinflussen lassen.
    INTERVIEW: FRANK LUßEM

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 04.07.13

    Leverkusen: Abwehrchef der Nationalelf von Bosnien-Herzegowina unterschrieb für zwei Jahre

    Als der kicker in der vergangenen Woche die Gegentor-Bilanz der 22 besten Nationalteams der Welt (laut FiFa-Weltrangliste) veröffentlichte, richtete sich das Hauptaugenmerk der meisten Leser naturgemäß auf die stark verbesserungswürdige Statistik des deutschen Teams. Satte 1,55 Tore kassierte die Elf von Bundestrainer Joachim Löw in der Saison 2012/2013 pro Spiel im Schnitt, in elf Partien schlug es insgesamt 17-mal hinter dem deutschen Torhüter ein – Platz 20, ein Schock!

    In Leverkusen interessierte diese Tabelle ebenfalls. Doch die Macher des Liga-Dritten konzentrierten sich nicht auf die Zahlen der Landsleute. Ganz oben blieben die Augen hängen, an Platz eins. Bosnien-Herzegowina erschien da mit 0,33 Gegentoren im Schnitt, insgesamt nur drei in neun Spielen.

    Auch diese Tabelle sagte Sportchef Rudi Völler, Manager Michael Reschke und Chef-Scout Jonas Boldt, dass sie auf dem richtigen Weg waren mit dem Werben um Emir Spahic. Der 32-Jährige ist Chef der Abwehr von Bosnien-Herzegowina, „und“, so sein Freund und Landsmann Edin Dzeko am Sonntag zum kicker, „eine unglaubliche Verstärkung für Bayer Leverkusen.“

    Tatsächlich brach in den einschlägigen Foren ein Jubelsturm los, als die Verpflichtung des in Dubrovnik geborenen Bosniers publik wurde. „Er ist ein Top-spieler, ich habe ihm immer gesagt, dass er irgendwann in die Bundesliga muss“, freut sich Dzeko über die Liaison zwischen Spahic und Bayer, die zwei Jahre andauern soll. Übrigens ist Dzeko nicht, wie vielfach veröffentlicht, der Cousin von Spahic: „Wir sind sehr eng befreundet, aber nicht verwandt.“

    Das passt, weil Spahic auch auf dem Platz keine Verwandten kennt. „Er ist präsent, aggressiv, schnell und sprungstark“, sagt Michael Reschke, der geschätzte 400 000 Euro an den FC Sevilla für Spahic überweisen muss. Mit Philipp Wollscheid, Ömer Toprak und Spahic verfügt Bayer nun über drei gestandene Innenverteidiger. Bedenkt man, dass in Meisterschaft, Pokal und Champions League mindestens 45 Pflichtspiele von hoher Intensität (plus rund zehn Länderspiele für Toprak und Spahic) anstehen, kann sich jeder ausrechnen, dass jedem Innenverteidiger genügend Einsätze garantiert sind, pro Mann statistisch sicher über 30.

    Während das Interesse an Toby Aldeweireld (24, Ajax Amsterdam) nunmehr vollends erloschen ist, bleibt Bayer auf dem Markt aktiv. Reschke: „Jedem bei uns ist klar, dass wir noch weitere gute Spieler brauchen.“ Dahingehende Äußerungen von Sami Hyypiä und Simon Rolfes sieht er deshalb nicht als Forderung, „das war eine Zustandsbeschreibung!“ Gesucht werden noch ein rechter Außenverteidiger sowie ein Kreativspieler für die Offensive.
    F. LUßEM/T. HIETE


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 01.07.13

    LEVERKUSEN: Der Torjäger trifft sein Idol und freut sich über das Lob des Chefs

    Wenn Bayer Leverkusen an diesem Montag um 15 Uhr das Training wieder aufnimmt, wird Stefan Kießling ganz besonders im Mittelpunkt stehen und umringt sein von Autogrammjägern und Hobbyfotografen. Am Sonntag war auch er vor allen Dingen Fan. Dirk Nowitzki, sein fränkischer Landsmann, hatte ihn nominiert für seine „All Stars“, die in einem Benefizspiel auf eine Auswahl von Manuel Neuer trafen. „Es war ein besonderer Moment, von ihm eingeladen zu werden“, sagt Basketball- und Nowitzki-Fan Kießling, der seinem Idol noch nie vorher live begegnet war: „Ein tolles Erlebnis!“

    Zu diesem geriet auch die vergangene Saison, mit der direkten Qualifikation für die Champions League und dem Gewinn der kicker-Torjägerkanone. Hegt er Bedenken, dass nun die Erwartungshaltung noch ein Stück höher geschraubt wird? Eine Frage, mit der Kießling wenig anfangen kann: „Man wird immer daran gemessen, was man erreicht hat. Das gilt für mich und die Mannschaft. Ob ich 12, 25 oder 43 Tore schieße, ist mir dabei aber relativ egal. Wichtig ist, dass ich nach jedem Spiel von mir sagen kann, dass ich alles gegeben habe. Ansonsten sehe ich das locker.“

    Was bei anderen Profis hohl und aufgesetzt klingen mag, nimmt man dem Blondschopf ohne Einschränkungen ab. Nicht umsonst sagt Sportchef Rudi Völler im Interview: „Stefan ist das Herz von Bayer!“ Eine Aussage, die Kießling unter die Haut geht: „Solche Sätze sind nicht selbstverständlich. Das macht mich stolz und gibt mir noch mehr Kraft.“

    Dass er die brauchen wird, ist ihm klar: „Die Vorbereitung wird hart.“ Die Rückkehr von Trainer Sascha Lewandowski in die Nachwuchsabteilung bedauert der Stürmer, sagt aber: „Diese Wechsel sind im Profifußball normal. Sascha hat viel Einfluss genommen, viel gesprochen. Aber ich denke, dass sich nicht viel ändern wird. Sami Hyypiä und Jan-Moritz Lichte waren ja auch in der vergangenen Saison da, also ist in dem Bereich Kontinuität gewährleistet.“
    FRANK LUßEM

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 24.06.13

    Fortsetzung v. Teil 1 ...

    kicker: In diesen Tagen beherrscht Pep Guardiola endgültig die Schlagzeilen. Ist überhaupt erfüllbar, was da an Erwartung auf diesen Mann zukommt?

    Völler: Pep hat Meilensteine gesetzt. So viel ist klar.

    kicker: Deutschland ist anders ...

    Völler: Richtig. Aber er hat sich für Bayern München entschieden, obwohl er zu jedem Top-Verein der Welt hätte gehen können. Das zeugt von Weisheit. Erweiß, dass die sportlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen hier stimmen – für viele Jahre. Die Bayern sind ein Top-Verein in Europa, unabhängig vom Triple. Da stimmt alles, vom Kader bis zu den Strukturen. Einer meiner Lieblingssprüche lautet: Wer fünf Jahre bei den Bayern ist, kann nicht verhindern, dass er dreimal Meister wird. Aber die Champions League zu gewinnen, das ist nicht selbstverständlich. Das ist eine Aufgabe.

    kicker: Diesen Titel konnte noch kein Klub verteidigen! Ist das der Ansporn nach dem Triple?

    Völler: Das ist sogar eine Herkulesaufgabe. Bei aller Qualität, dafür muss vieles funktionieren, sehr vieles. Es ist schwer, aber möglich.

    kicker: Mit Guardiola, Mario Götze, vielleicht Robert Lewandowski – sind die Bayern endgültig unschlagbar?

    Völler: Vor zwei Jahren, das vergessen viele, standen wir nach 34 Spieltagen vor den Bayern. Und damals hatten die auch eine tolle Mannschaft. Es kann immer wieder eine Schwächephase geben. Obwohl ich zugebe: Momentan kann man sich das angesichts der Qualität nicht vorstellen. Die Bayern hatten noch nie solch eine Klasse in der zweiten Reihe. Wenn Jupp Heynckes fünf Jungs draußen ließ, dann kamen fünf andere und es änderte sich nichts an der Klasse. Diese Qualität ist sensationell hoch.

    kicker: Hatten Sie jetzt Kontakt zu Jupp Heynckes?

    Völler: Nein, es war ja klar, dass er Stress hatte. Wir haben es ihm alle gegönnt. Es hat uns gefreut für ihn.

    kicker: Eigentlich haben Sie ihn nach dem Bayern-Intermezzo 2009 in die Liga zurück geholt. Konnte man mit dieser Entwicklung rechnen?

    Völler: Er war ja wieder auf dem Weg in den Vorruhestand. Aber als wir ihn damals in Schwalmtal besuchten, merkten wir schnell, mit welcher Liebe, Passion und Akribie Jupp immer noch für den Fußball lebt. Und das hat sich ja bestätigt. Er war eine Superlösung für uns. Und die Zeit bei Bayer hat ihm die zweite Luft gegeben. Wir waren mit ihm Vierter und Zweiter, da kann man ja als Trainer auch noch mal zu den Bayern wechseln. Es gibt schlechtere Entscheidungen.

    kicker: Themenwechsel: War die U-21-EM ein Schuss vor den Bug für den deutschen Fußball?

    Völler:Spaniens U 21 ist klasse. Aber wenn man sich mal die fünf Spieler, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht für Deutschland spielten oder spielen konnten, in unsere Mannschaft hineindenkt, dann sieht die Sache ja anders aus. Das Spiel Spanien gegen Deutschland mit Kroos, Gündogan, Schürrle, Götze und Draxler hätte ich gerne gesehen. Jetzt alles infrage zu stellen, dafür habe ich nur ein müdes Lächeln übrig. Es ist immer die Frage, wie man einen Kader gestaltet. Da gibt es keine absolute Wahrheit. Ich war selbst Teamchef, deshalb weiß ich, dass es eine schwierige Entscheidung ist. Und ich kann Jogi Löw verstehen, dass er einen Schürrle lieber auf die USA-Reise mitnimmt.

    kicker: Also war diese EM kein Fingerzeig auf die Kräfteverhältnisse bei der WM 2014 in Brasilien?

    Völler: Nein. Und man muss kein großer Experte sein, um zu wissen, dass wir mit Spanien und Brasilien zu den Top-Favoriten gehören. Eines dieser drei Teams wird Weltmeister, Argentinien besitzt vielleicht Außenseiterchancen. Ich halte Spanien und Deutschland für stärker als Brasilien, aber der Heimvorteil ist ein Pfund für die Brasilianer. Aber dabei zu sein, wenn es um den Titel geht – diesen Anspruch müssen wir haben. Am Ende hängt es von Kleinigkeiten ab.

    kicker: Zum Beispiel davon, wann Deutschland auf Italien trifft?

    Völler: Nein, ich freue mich darauf, wenn wir die im Achtel- oder Viertelfinale rausschmeißen.
    INTERVIEW: FRANK LUßEM

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 24.06.13