Beiträge von BayAddict

    LEVERKUSEN: Der Trainer glaubt nicht, dass eine Systemänderung hilft

    Es ist beileibe keine Systemfrageentbrannt in Leverkusen. Doch die oft beschriebenen Probleme auf den defensiven Außenbahnen legitimieren ein Nachdenken darüber, ob man die Gewichte innerhalb des Teams nicht besser verschiebt.

    Leverkusens Spielanlage basiert auf extrem aktiven, bei Ballbesitz sehr hoch stehenden Außenverteidigern und ins Zentrum einrückenden Flügelstürmern. Das vorhandene Personal aber ist aktuell nicht immer in der Lage, diese anspruchsvolle Rolle durchgehend auszufüllen.

    Was kann Sami Hyypiä tun?
    Jupp Heynckes, einer seiner Vorgänger, nannte Spielertypen wie Gonzalo Castro, Simon Rolfes oder Lars Bender „polyvalent“, vielseitig verwendbar also. Vor allen Dingen aber: überall von Wert. Weil dies so ist, könnte Hyypiä umswitchen. Vom 4-3-3, das seit eineinhalb Jahren mit Erfolg gespielt wird, zum 4-2-3-1. Vor der Abwehrkette mit einer Doppel-Sechs (Bender, Rolfes) würde die offensive Dreierreihe mit Sam, Castro und Son agieren, davor Kießling wie gehabt als Keilstürmer. So könnten die Offensivattacken massiver durch das Zentrum geführt werden, das durch Castro auf der Zehnerposition gestärkt wäre. Eine Möglichkeit, die Hyypiä nicht sofort verwirft: „Ich habe mir wenig Gedanken darüber gemacht. Aber es ist eine Option.“ Im nächsten Satz aber wird die Skepsis hörbar: „Wenn Son und Sam auf die Außenbahnen fixiert sind, nimmt man ihnen Qualität.“ Für ihn dringlicher als eine Änderung des Systems ist das Nutzen der vorhandenen Möglichkeiten: „Wir müssen mehr aus unseren Möglichkeiten machen. Wir müssen da sein, wo sich die Räume öffnen. Das letzte Drittel muss besser besetzt sein.“

    Hyypiä sieht die aktuelle Problematik anders gelagert: „Die Spieler sind flexibel, das ist nicht das Problem. Was uns fehlt, ist die Spielfreude. Wir spielen unsere fußballerische Qualität nicht aus.“ Als mögliche Ursache machte er Defizite im Konzentrationsbereich aus: „Wenn die Konzentration stimmt, dann treffen wir auch die richtigen Entscheidungen.“ Immerhin: Bayer jammert auf hohem Niveau. Mit 28 Punkten steht die Werkself auf Platz drei, sammelt man aus den noch sieben Spielen elf Punkte, wäre der Halbzeit-Rekord von 2001 (39) eingestellt. Hyypiäs Rat ans Team: „Am besten, wir fangen in Berlin damit an!“
    FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 21.11.13

    Probleme hinten links

    Plötzlich lief es wieder bei Sebastian Boenisch. Plötzlich drosch Leverkusens Linksverteidiger die Bälle nicht mehr planlos durch die Gegend, plötzlich gewann er Zweikämpfe, ging ins Dribbling, gewann es sogar, bereitete per Zuckerpass das 5:3 durch Gonzalo Castro vor. Es waren die letzten 20 Minuten der Partie, die einen Sebastian Boenisch wie in der vergangenen Saison zeigten. Ein Fortschritt, keine Frage. Bitter nötig allerdings.

    Es ist längst kein Geheimnis, dass Bayer Leverkusen auf der linken Defensivseite nachladen will. Sowohl in Europa als auch in Südamerika wird eberhaft nach einer Alternative gefahndet, die Mittel stehen bereit. Hinter Boenisch klafft eine Lücke im Kader. Der Grieche Kostas Stafylidis (19, momentan verletzt) konnte die hochgesteckten Erwartungen bislang nicht erfüllen. Emre Can (19) ist ebenso eine Notlösung wie Gonzalo Castro (26) eine wäre. Ansonsten gibt der Kader nichts her, und das ist zu wenig für einen Champions-League-Teilnehmer. Die längst fällige Verschnaufpause für Boenisch musste so entfallen – sicherlich ein Grund für den Leistungsabfall infolge von Kraft- und Konzentrationsverlust. Vielleicht hilft ja die Länderspielpause. Den Platz in der polnischen Nationalmannschaft ist er los. Was für Boenisch zumindest den Vorteil hat, dass er nun Kraft tanken kann.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 11.11.13

    Seine Bilanz ist respektabel. Dennoch ist SAMI HYYPIÄ auf der Suche nach der rechten Mischung aus Mut und Ruhe.

    Auch in dieser Woche werden zwei Abgesandte des finnischen Fußball-Verbandes nach Leverkusen kommen, um Sami Hyypiäs Arbeit auf deren Tauglichkeit zur Erlangung der Trainer-Lizenz zu überprüfen. Warum die zuständigen Herren nicht einfach einen Blick auf die Bundesliga-Tabelle werfen, bleibt ihr Geheimnis. Denn wenn nicht Hyppiä, wer dann soll seine Fähigkeit nachgewiesen haben, Trainer einer Promannschaft zu sein? Im Saison-Schnitt stehen 2,33 Punkte für ihn zu Buche, insgesamt 28 nach 12 Spielen – das ist eine tolle Bilanz und die drittbeste der jüngeren Bundesliga-Geschichte der Werkself. Zwar stand man sowohl 2008/2009 als auch 2009/2010 nach 12 Spieltagen an der Tabellenspitze. Doch dafür langten seinerzeit 25 beziehungsweise 26 Zähler. 2001/2002 wies man mehr Punkte nach einem Dutzend Spiele auf, damals sammelte der spätere Vizemeister und Champions-League-Finalist sogar 30 Zähler für Rang zwei. Zwei Jahre später wurden 29 Punkte im gleichen Zeitraum gewonnen.

    Zahlenmäßig bewegt sich Leverkusen also am oberen Limit, Beleg für eine mehr als gelungene Saison. Trotzdem herrscht nicht eitel Sonnenschein unterm Bayer-Kreuz, und Spiele wie jenes gegen Hamburg dürfen als Beleg dafür herhalten, dass Sami Hyypiä und seinem Team noch einiges an Arbeit bleibt.

    Der Aufwand ist groß, den sie betreiben für ihre Punkte. Selbst wenn sie, wie in Braunschweig, keinen holen, liegt dies nicht an Einsatz und Leidenschaft. Was Bayer abgeht, ist die Souveränität, die Fähigkeit, mal über einen langen Zeitraum Ball und Gegner laufen zu lassen. Gegen den Hamburger SV verspielte man so einen komfortablen Vorsprung und verwandelte nach 20 Minuten ein ganz normales Spiel in eine Zitterpartie.

    „Wir müssen unser Spiel dahin entwickeln, dass wir etwas mehr Ballbesitz haben“, sagt Sami Hyypiä. Arbeiten für den Plan B quasi. Doch ausgerechnet der ehemalige Abwehrspieler, diese Verkörperung von ruhigem und souveränem Spiel, betont: „Die Zielstrebigkeit darf nie verloren gehen. Ich fordere von den Spielern, dass sie Fußball spielen, Fußball mit Mut.“

    Deshalb sieht der Coach auch über den Patzer von Simon Rolfes vor dem ersten Hamburger Tor hinweg: „Natürlich kann er ihn 50 Meter weit weg schießen.“ Aber dies sei eben nicht die Art Fußball, die ihm vorschwebt. Deshalb auch kein Vorwurf an den Kapitän: „Ich will nicht, dass die Spieler Angst haben, Fehler zu machen.“

    Jetzt ist erst mal Pause, ein bisschen Stressabbau, viel Detailarbeit. Das eine – die Ruhe – reinbringen, ohne das andere – den Schwung – zu verlieren. Eine schwierige Aufgabe für Hyypiä, der die richtige Mischung finden muss. Wer weiß, vielleicht helfen ihm ja die zwei Herren vom finnischen Verband.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 11.11.13

    LEVERKUSEN: Der Koreaner offenbart Mängel, Völler verteidigt ihn

    Er hat es, und das sieht man dem Jungen an, nicht leicht in diesen Tagen. Heung-Ming Son (21) lernt gerade jene Facetten des Geschäfts kennen, die nicht gefallen, aber eben dazugehören.

    Ball annehmen, gehen und draufschießen – möglichst hart und platziert. Das ist der „Sonny“, den Leverkusens Fans von Beginn an in ihr Herzen schlossen, der aber unter dem Strich bislang enttäuschte: ein Tor, ein Assist in der Liga, eine mäßige 3,86 als kicker-Durchschnittsnote. In der Champions League sieht es ähnlich mau aus: 4,50 beträgt der Notenschnitt, kein Treffer ist vermerkt, dafür zwei Vorlagen. Probleme bereitet auch sein taktisches Verhalten. Die Ausbildung, die er bisher genoss, ist offensichtlich kein Pfund, mit dem man in der Bundesliga wuchern kann, geschweige denn in der Königsklasse. Immer wieder gerät Bayers Spiel über seine Seite in Schieflage, wo Son zwar emsig, aber wenig durchdacht agiert. Er offenbart Probleme in der Rückwärtsbewegung, die Abstimmung mit Verteidiger Sebastian Boenisch und dem Mittelfeldspieler (Rolfes oder Castro) ist oft mangelhaft. Zunehmende Unsicherheit bedingt mehr und mehr Ballverluste. „Er wirkt leicht verunsichert“, hat Sportchef Rudi Völler erkannt, er wirbt aber um Verständnis: „Er ist noch sehr jung, das vergessen viele. Und er kennt dieses Niveau noch nicht. Aber er ist fleißig und lernwillig. Das wird sich auszahlen.“ Am liebsten gleich gegen Hamburg, Sons Ex-Klub.
    FRANK LUßEM

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 07.11.13

    Leno steht erneut im Mittelpunkt

    Die Analyse der eigenen Leistung viel ebenso messerscharf aus wie die der gesamten Mannschaft. Bernd Leno wusste, „dass ich ganz gut gehalten habe“ und dass „die Mannschaft es nicht gerade einfach“ hatte. Aber: „Mit ein bisschen Glück hätten wir auch gewinnen können.“

    Es wäre sein Sieg gewesen, so wie der Punktgewinn in erster Linie sein Verdienst war. Woraus sich Bernd Leno wenig macht. Fragen nach seiner Leistung pariert er so souverän und fast selbstverständlich wie die wuchtigen Schüsse vorher im Spiel. Er sei dazu da, diese Leistung zu bringen, dies sei sein Anteil am Erfolg. Der Rest ist Understatement: „Vom Labern ist noch keiner Nationalspieler geworden“, beschied er auch nach der Glanzleistung von Donezk die Frager, die ihm regelmäßig und folgerichtig mit dem Thema Nationalmannschaft kommen.

    Es ist ja beileibe nicht so, dass dieser erst 21-jährige Torhüter ohne Fehler durch sein Profileben geht. Vor ziemlich genau zwei Jahren, am 1. November 2011, patzte er im Champions-League-Gruppenspiel beim FC Valencia schwer, servierte nach zehn Sekunden dem Gegner die Führung. Im März 2012 kassierte er sieben Tore in Barcelona, ging mit dem Team unter. Die Auftaktpartie der diesjährigen Königsklassensaison sah in Manchester einen unsicheren Leno. Und der sagt: „Aus diesen Spielen ziehe ich genauso viel für mich wie aus den guten Spielen.“ In Leverkusen rühmen sie sein Fehlermanagement. Andres Palop, sein Stellvertreter, der mit 40 Jahren fast sein Vater sein könnte, lobt Leno, wo er nur kann als Keeper, der keinen Fehler zweimal macht und trotz seiner Jugend eine erstaunliche Reife aufweist. Der Kollege hört das gerne, hat aber aktuell ganz andere Probleme: „Mir wäre es lieber, wenn ich mal wieder einen ruhigeren Tag hätte und dafür die Mannschaft locker gewinnt.“
    F.L.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 07.11.13

    Die nackten Zahlen stimmen eigentlich für BAYER LEVERKUSEN. Und trotzdem läuft es momentan nicht so leicht wie erhot.

    Die Bilanz kann sich sehen lassen. Vor der Partie gegen den Hamburger SV am kommenden Samstag liegt Bayer Leverkusen sechs Zähler vor Borussia Mönchengladbach auf Rang drei, der Abstand zu den Top-Teams aus München und Dortmund gestaltet sich erträglich. Im DFB-Pokal wartet der SC Freiburg auf die Werkself, eine unangenehme, aber durchaus lösbare Aufgabe. Der internationale Wettbewerb lädt, Stand heute, zum Verweilen ein, es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Bayer nicht mindestens Platz drei in seiner Gruppe erreicht. „Wir haben hier in Donezk die Grundlage für mehr gelegt“, sagt Bernd Leno, und Sportchef Rudi Völler kündigt für das nächste Gruppenspiel an: „Wir haben die Voraussetzung geschaffen, das Achtelnale zu erreichen. Wir werden Manchester United einen heißen Tanz liefern.“

    Alles in Ordnung also? Nein, nicht ganz. Denn Bayers Profis tun sich schwer. „Uns ist so ein bisschen die Leichtigkeit abhandengekommen“, analysiert Völler, der erkannt hat: „Wir können momentan die Gegner nicht so an die Wand spielen wie zu Beginn der Saison.“

    Es ist beileibe keine Krise, dazu sind die Ergebnisse zu gut. Mit Ausnahme der Pleite von Braunschweig ist Bayer „sensationell“ (Völler) unterwegs. Und dennoch: Zufriedene Gesichter sehen anders aus. „Wir spielen nicht entspannt“, moniert Trainer Sami Hyypiä. Der so ruhige und besonnene Finne lebte in Donezk seinen Frust an der Seitenlinie aus, die so unnötigen wie zahlreichen Fehlpässe im Spielaufbau quälten ihn, der doch immer wieder predigt: „Hundert Prozent Einsatz, hundert Prozent Konzentration.“

    Genau diese aber fehlt. Und das macht Bayer die Ordnung so schwer. Wo vor ein paar Wochen der Ball traumwandlerisch sicher durch die eigenen Reihen lief, macht sich Verunsicherung breit. Neuzugang Heung-Min Son ist die Fähigkeit für den richtigen Augenblick verloren gegangen. Muss er passen, will er schießen, soll er schießen, versucht er zu spielen. Auch Sidney Sam, gerade noch gnadenlos gut und treffsicher, hat aktuell das Momentum nicht auf seiner Seite. Auch der Nationalspieler wählt häufig die falsche Lösung. Ebenso Gonzalo Castro, der alle Fähigkeiten eines Spielgestalters besitzt, diese zur Zeit aber gut verbirgt. Stefan Kießling sichert Bälle und kämpft wie gewohnt – ohne Zulieferdienste hängt er vor dem Tor allerdings in der Luft.

    Das Spiel in die Spitze, für das Bayer vor ein paar Wochen noch gerühmt wurde, ist zum Zufallsprodukt verkommen. „Etwas mehr Spielkontrolle“, rät Kapitän Simon Rolfes an, nicht immer sei das schnelle Umschalten gefragt, „wir müssen wieder ein bisschen effizienter spielen. Der letzte Pass kommt oft zu schnell und wird immer wieder versucht, statt etwas geduldiger zu sein. Wir müssen die Abschlüsse besser vorbereiten.“Schon am Samstag gegen den HSV will Bayer ein Zeichen setzen. Damit alles in Ordnung bleibt. Nur ein bisschen leichter eben.
    F. Lußem

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 07.11.13

    LEVERKUSEN: Trainer bemängelt fehlenden Willen – Totalrotation im Sturm als falsches Signal

    Rudi Völler war bedient: „Das war ein schwarzes Wochenende. Alle, die mit uns um den dritten Platz fighten, sind näher gerückt“, analysierte der Sportdirektor, „das sind Wochenenden, wie wir sie zuletzt nicht mehr gewohnt waren.“ Völler attestierte der Mannschaft „einfach ein schlechtes Spiel“, betonte aber: „Nicht nur von denen, die reingekommen sind.“ Eine Diskussion, die sich nur um die Rotation von Sami Hyypiä dreht, war ihm zu einfach.

    Dennoch waren die Wechsel das Thema. Angesichts der wichtigen Champions-League-Partie am Dienstag gegen Donezk rotieren zu lassen, war nachvollziehbar. Da der Trainer allerdings den kompletten ersten Sturm kaltstellte, musste er sich gehörigen Anteil an der Pleite zuschreiben lassen. „Ich stehe zu meiner Entscheidung, jetzt nach dem Spiel wissen wir mehr“, erklärte Hyypiä zu seinen missglückten Rochaden. Dabei hatte er gute Argumente für den einen oder anderen Wechsel. Stefan Kießling habe „nur einmal mit der Mannschaft trainiert“, führte der Coach an, der in der Summe überzog. Anders als am 6. Spieltag in Mainz (4:1). Dort hatte Hyypiä das richtige Maß gefunden, mit vier Spielern rotiert – über alle Mannschaftsteile verteilt. Damals konnten Robbie Kruse an der Seite Kießlings und Sidney Sam als Matchwinner glänzen. Diesmal fehlte ihm die Unterstützung der Stars und Bayer die Ideen. „Braunschweig hat im Zentrum gut verteidigt, über außen sind wir nicht durchgekommen. Wir haben uns in Einzelaktionen nicht so gut durchgesetzt“, analysierte Simon Rolfes. Gerade Dribbler Sam fehlte. Hyypiä kritisierte die Spieler hart: „Braunschweig hat mehr Willen gezeigt, mehr Meter zu machen und in den Zweikämpfen stärker zu sein. Wenn man nicht alles gibt, wird es schwierig.“ Mängel, die sich die Profis vorhalten lassen müssen. Aber auch Mängel, denen Hyypiä Vorschub geleistet hat. Unterbewusst könnte die Totalrotation im Sturm als falsches Signal gewirkt haben.

    Ein solches setzten einige Akteure, die eine Verschwörungstheorie sponnen. Kapitän Rolfes schlug auch in diese Kerbe: „Es ist schon auffällig. Letzte Woche haben wir ein reguläres Tor aberkannt bekommen. Heute waren es viele kleine Entscheidungen. Unsere Leistung müssen wir kritisieren, aber man hat trotzdem das Gefühl, dass viele kleine Entscheidungen gegen uns ausfallen.“ Bayers Profis täten gut daran, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Auch wenn sie zuvor in der Liga optimal punkteten, versprühten sie dabei weder den spielerischen Glanz der ersten Wochen, noch wirkte die Elf ausbalanciert. Dahin müssen sie zurückfinden. Sonst werden solche Wochenenden doch wieder zur Gewohnheit.
    S. von Nocks


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 04.11.13

    Dieser Mann ist bei Bayer Leverkusen für die „Werkssicherheit“ zuständig. Eine Rolle, in der STEFAN REINARTZ (24) in der öffentlichen Wahrnehmung fast nicht vorkommt.

    Schon sein erster Satz sorgt für ein Schmunzeln. „Reinartz = Messi“, hört man Stefan Reinartz sagen. Dabei geht es freilich nicht um den Weltstar, sondern um das Messie-Syndrom. „Normalerweise bin ich halbwegs ordentlich, aber mein Spind widerlegt alles.“ Der Schrank des Leverkusener Mittelfeldspielers ist in der Tat „besser“ ausgestattet als der seiner Mitspieler – mit Kollektionen aus den Vorjahren. „Da hängt noch eine Winterjacke von 2009, eingepackt in der Folie. Und die von 2010, von 2011 – so fünf Stück. Dafür habe ich keinen Platz zu Hause.“

    Dabei gilt Stefan Reinartz als die personizierte Ordnung bei Bayer – zumindest auf dem Spielfeld. Dort sieht ihn Sami Hyypiä als seinen Sicherheitsdienst: „Er ist ruhig am Ball, Aufbauspiel und Spielverlagerung sind gut. Und wenn wir attackieren, ist er die Absicherung. Stefan ist der Spieler, der die Balance bringt.“ Eine Rolle, die der gelernte Innenverteidiger mit unübersehbarer Unauälligkeit ausfüllt. „Das ist das Los der Position. Unscheinbar, aber für die Struktur unheimlich wichtig“, weiß Simon Rolfes, der zuletzt den an einer Achillessehnenreizung leidenden Reinartz als Sechser vertrat, „auf der Position rückt man in den Blickpunkt, wenn man konstant Top-Leistungen abruft – mit ein paar spektakulären Momenten.“

    Doch Letztere gehen dem laufstarken Reinartz, der taktisch geschickt gut antizipiert, völlig ab. Der Sechser ist ein Star ohne Gesicht. „Ein Grund, warum man mich nicht auf der Straße erkennt, ist, dass ich keine Sportschau-Szenen habe. Relativ wenig Assists und Tore. Das kann man verbessern, aber es liegt auch daran, dass ich der nach den Innenverteidigern defensivste Spieler in unserem System bin. Und dass ich Tore verschulde, passiert auch relativ selten“, analysiert Reinartz. Umso bemerkenswerter, dass er mit einem kicker-Notenschnitt von 2,78 derzeit zu den besten Feldspielern der Liga gehört.

    Trotzdem interessieren sich die Medien kaum für ihn. Obwohl er bereits 2010 für Deutschland debütierte. Die beiden Boulevardzeitungen vor Ort baten bislang je einmal zu einem Interviewtermin – seit er Profi ist. Dabei ist er alles andere als langweilig. „Er ist ein Vertreter des ganz trockenen Humors“, erklärt Mediendirektor Meinolf Sprink. „Es darf auch provokant sein und über die Grenze gehen“, erklärt Reinartz, der einen Einblick in sein Privatleben („Damit bin ich gut gefahren“) verwehrt. Der Stefan Reinartz, der weiter Kontakt zu seinen ehemaligen Mitspielern bei der SSVg Heiligenhaus im Kreis Mettmann pflegt, deren Spiele er verfolgt. Bayers Eigengewächs ist ein unaufgeregter Typ, der bei aufgeweckten Zeitgenossen gut ankommt. „Stefan ist clever, macht sich viele Gedanken. Man kann mit ihm auch über Themen diskutieren, die über den Tellerrand hinausgehen“, versichert Rolfes.

    Wie clever, zeigte das Duo nach Stefan Kießlings Phantom-Tor in Sinsheim. Dort erklärte Reinartz in der Mixed Zone wie selbstverständlich, dass es kein Wiederholungsspiel geben werde. „Jede Wette“, bot er den Journalisten an, da die FIFA nach Helmers Phantom-Tor 1994 in der folgenden Saison den DFB dazu gezwungen habe, das Ergebnis eines Wiederholungsspiels aus der 2. Liga zurückzunehmen. Rolfes hatte dies fix in der Kabine recherchiert. „Wir haben uns gedacht, dass es entscheidend sein wird, wie die Presse mit der Situation umgeht. Ich glaube, das wusste keiner. Das waren alles Fakten. Wir wollten es in eine Richtung lenken, die sehr sachlich ist, um Schlimmeres zu vermeiden.“

    Ein Klub, der solche Profis hat, braucht keine PR-Abteilung. Oder eben doch, wenn er Bayer 04 heißt. Die öffentliche Wahrnehmung ist unangemessen gering. Selbst der beste Start der Vereinsgeschichte sorgt nicht für den entsprechenden medialen Widerhall. Obwohl Leverkusen mit den Giganten aus München und Dortmund Schritt hält. Dass die Werkself vor zwei Wochen gegen Donezk vor einem Endspiel stand, das mit Bravour gegen den UEFA-Cup-Sieger von 2009 gewonnen wurde (4:0), ging angesichts der drei anderen deutschen Champions-League-Teilnehmer fast unter. „Das war schon eine Hausnummer“, ordnet Reinartz das Ergebnis ein, der vor dem Rückspiel warnt: „Im Hinspiel hat Donezk nicht alles abgerufen. Ich nehme an, dass sie zu Hause ganz anders auftreten werden.“ In der Ukraine muss der Grundstein für das Erreichen der K.-o.-Runde gelegt werden.

    „Wir werden in der Champions League irgendwann an Grenzen stoßen“, weiß Reinartz, „die Frage ist, wann?“ Da die Bundesliga derzeit so auseinandergerissen ist, seien die eigenen Möglichkeiten schwer einzuschätzen. Die Königsklasse soll seine Frage beantworten: „Wo stehen wir eigentlich?“

    In Sachen Nationalelf ist ihm das klar. Reinartz, bei der USA-Reise im Frühsommer noch dabei, stuft seine WM-Chancen als „sehr gering“ ein. „Ich würde da nicht abfallen, aber es ist auch keine himmelschreiende Ungerechtigkeit“, beurteilt er die Nicht-Beachtung, von der er nicht als Einziger bei Bayer betroffen ist. „Bayer Leverkusen hat die besten Nicht-Nationalspieler. Das ist ein Fakt. Wenn nach dem letzten Spieltag alle zur WM fahren, haben wir für kurze Zeit die beste Klub-Mannschaft der Welt“, meint Reinartz, der aber auch weiß: „Es ist super, wenn du Spieler auf Top-Niveau hast, die während der Länderspielpausen die Füße hochlegen können. Auch wenn es doof ist, so wenige Nationalspieler zu haben, ist es doch ein Wettbewerbsvorteil.“

    Doch Reinartz, der nicht Teil der Facebook-Generation ist („Den ganzen Social-Media-Trend habe ich verschlafen. Da war ich wohl gerade Kreide holen …“), leidet wenig unter der Tarnkappe, unter der er sich bewegt. „Die Rolle des Nicht-Wahrgenommenen sehe ich manchmal kritisch, aber ich finde sie zu 90 Prozent sehr gut.“ Wie nach Kießlings Phantom-Tor. Obwohl er dies aus idealer Position beobachtet hatte, wurde er nicht darauf festgenagelt, dass er den Irrtum hätte aufklären können. „Da sieht man, es hat auch Vorteile, wenn man nicht so wahrgenommen wird und nicht nur Nachteile, wenn Journalisten einen nicht kennen.“
    STEPHAN VON NOCKS


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 04.11.13

    KOMMENTAR von RAINER FRANZKE
    kicker-Chefredaktion

    Andreas Biebricher, CDU-Abgeordneter im Landtag von Rheinland-Pfalz, hat nach dem Phantomtor von Stefan Kießling eine ungeheure Aussage via Facebook getätigt: „Aber jetzt soll sich der charakterlose Typ beide Beine brechen“.

    Was unterscheidet diesen Brandstifter aus Koblenz nach dieser Aussage eigentlich noch von den Pyromanen in und um die Stadien, die am Samstag in Gelsenkirchen Schrecken verbreitet haben?

    Parteikollege Hans-Peter Friedrich, der Bundesinnenminister, hatte im Herbst 2012 mit harten Sanktionen gedroht, wenn der Fußball das Gewaltproblem nicht in den Griff bekommt. Ist es nicht auch eine Aufforderung zu Gewalt, wenn sich ein Sportler „beide Beine brechen soll“?

    Mit Bedauern und einem Entschuldigungsschreiben an Kießling kann dieser skandalöse Vorgang eines Volksvertreters, der im Landtag in Mainz unter anderen in den Ausschüssen für Weiterbildung, Kultur und Justiz wirkt, nicht zu den Akten gelegt werden. Als Volksvertreter hat Biebricher seine Legitimation verloren.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 28.10.13

    Trotz Ausfällen und englischer Wochen punktet BAYER 04 in beeindruckender Beständigkeit. Gegen Augsburg ist dabei der zweite Anzug entscheidend.

    Es war kein Glanzstück. Und trotzdem – oder gerade deswegen – sorgte der 2:1-Erfolg gegen den FC Augsburg für Zufriedenheit im Leverkusener Lager. Setzte die Elf von Sami Hyypiä doch einen Meilenstein Richtung direkter Champions-League-Qualifikation. „Bei der Spieltagskonstellation war das ein wichtiger Schritt. Das hat den Abstand wunderbar nach hinten vergrößert“, bewertet Kapitän Simon Rolfes den Dreier angesichts der Schalker Niederlage.

    Dass Bayer 04 elf Zähler vor Königsblau rangiert, ist bemerkenswert. „Dass wir so klar diesen Platz innehaben, war nicht zu erwarten“, stellt Sportdirektor Rudi Völler zufrieden fest, mahnt aber davor nachzulassen: „Schalke und Wolfsburg werden unsere Konkurrenten sein, dazu noch Überraschungsmannschaften wie Gladbach oder Hertha. Wir dürfen uns nicht auf der Situation ausruhen.“ Viel Zeit dafür blieb zuletzt ohnehin nicht. So musste das Team gegen Augsburg an die Grenzen gehen. Dass Bayer 04 eine Willensleistung vollbrachte, sieht Völler als Qualitätsmerkmal: „Die Mannschaft musste beißen und fighten. Das hat sie toll gemacht. Das spricht für uns.“ Hyypiä ergänzt: „Die Mannschaft hat sehr viel mentale Kraft und Charakter gezeigt.“

    Und das mit einer Elf, der mit den verletzten Lars Bender und Stefan Reinartz zwei Stammspieler im Dreier-Mittelfeld fehlten. „Wir sind in der Breite besser aufgestellt als zuvor“, weiß Völler. Den besten Beleg dafür lieferte der Siegtreffer, den der eingewechselte Robbie Kruse vorbereitete und den Emre Can als sein erstes Bundesligator für Bayer 04 verbuchen durfte. Hyypiä kann reagieren. Trotz der Ausfälle. Die Verpflichtung von U-21-Nationalspieler Can „war genau diesem Umstand geschuldet“, erklärt Völler. So sind Kraftakte wie der gegen Augsburg möglich. Dabei wäre Can in der Endphase beinahe nicht mehr auf dem Platz gestanden, wie Hyypiä verrät: „Alle haben sehr viel investiert in der zweiten Halbzeit, Emre auch. Wir hätten ihn fast ausgewechselt, weil wir dachten, dass er kaputt ist. Aber er hat gesagt: Es geht noch.“ Und wie.

    Rolfes lobt den Spirit: „Emre wollte das Tor unbedingt machen. Die Mentalität hat für uns den Siegtreffer erzielt.“ Diese und ihr spielerisches Potenzial hat die Werkself als dritte Kraft in der Liga etabliert, wie der erneut starke und treffsichere Rolfes betont: „Klar. Letztes Jahr waren wir knapp hinter Dortmund und klar vor Schalke. Nicht viele haben gesehen, dass wir zehn Punkte vor Schalke lagen, die jetzt was weiß ich wo angreifen wollten. Jetzt sind es wieder elf Punkte auf Schalke. Das ist keine Eintagsfliege, sondern konstant hohes Niveau, dass wir abliefern. Wenn wir oben dran bleiben, ist das wunderbar.“

    Das konnte gegen Augsburg auch ein zu Unrecht nicht anerkannter Treffer von Stefan Kießling nicht verhindern, der bei der Sportgerichtsverhandlung am heutigen Montag zu seinem Phantom-Tor beim 2:1 in Hoffenheim ebenso als Zeuge auftreten wird wie die beiden Hoffenheimer Platzwarte und die vier Schiedsrichter. Dass Bayer auf dem Rechtsweg Boden auf Bayern und den BVB verliert, glaubt Rolfes aber nicht: „Ich bin da recht optimistisch.“


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 28.10.13

    LEVERKUSEN: Der Nationalspieler steht vor seinem Comeback

    Das Champions-League-Spiel gegen Donezk verfolgte er noch von der Tribüne aus. Am Samstag, hofft Lars Bender, der nach einem Faserriss noch individuelles Training absolviert, wieder auf dem Platz zu stehen. „Ich bin guter Dinge“, erklärt der 24-Jährige, auch wenn die Zeit knapp wird.

    Für den spielstarken Kämpfer ist es bereits die zweite erzwungene Pause in dieser Saison. Zuvor legte ihn ein Schlag aufs Sprunggelenk lahm. Seine Spielweise ändern will er trotz bevorstehender WM nicht und beteuert: „Ich werde nicht vorsichtiger in die Zweikämpfe gehen.“ Lars gibt es wie Zwillingsbruder Sven (BVB) nur ganz oder gar nicht. Auch deswegen ist er so wertvoll.

    Dass Bender („Fit bin ich immer“) spielt, wenn er gesund ist, gilt als klar. Womit sich der Konkurrenzkampf um die drei Plätze im Mittelfeld extrem verschärft. Neben dem Nationalspieler haben auch Simon Rolfes, Stefan Reinartz und Gonzalo Castro den Anspruch, dort zur Startelf zu gehören. „Das ist nur von Vorteil“, erklärt Bender, „so kann man Ausfälle kompensieren.“ Doch wohin mit soviel Potenzial, wenn keiner fehlt? Castro könnte außen verteidigen. Sami Hyypiä erklärt zwar: „Gonzo spielt nicht am liebsten Außenverteidiger. Ich sehe ihn auch mehr als Mittelfeldspieler, obwohl er lange Zeit einen sehr guten Job als Außenverteidiger gemacht hat“. Doch der Trainer hält sich eine Hintertür offen: „Wenn ich sehe, dass wir Probleme haben auf einer Position, würde ich überlegen, ob Gonzo auf dieser spielen könnte.“

    Für Castro möglicherweise der einzige Weg, sich seinen WM-Traum zu erfüllen. Während er im Mittelfeld keine Chance in der DFB-Auswahl besitzt, dürften diese rechts hinten als Back-up oder links besser stehen. Dass der Schritt zurück ins DFB-Team so funktionieren kann, hat übrigens Marcell Jansen vorgemacht: Nach seiner selbst gewünschten Rückversetzung beim HSV auf die Verteidigerposition hat er sich wieder fest in Löws Kader gespielt.
    STEPHAN VON NOCKS

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 24.10.13

    LEVERKUSEN: Koreaner Son kehrt ins Team zurück – Bender steht vor dem Comeback

    Für Stefan Reinartz ist es ein „Schlüsselspiel“. Warum? „Weil jedes Heimspiel in der Champions League für uns ein Schlüsselspiel ist“, sagt Bayers Mittelfeldspieler. Umso mehr Bedeutung kommt der Begegnung am Mittwoch gegen Schachtar Donezk zu, weil das ukrainische Spitzenteam von den Leverkusenern als „Hauptgegner“ im Kampf um Platz zwei ausgemacht wurde: „Ich denke, wir werden punktemäßig nicht weit getrennt voneinander einlaufen“, so Reinartz.

    Doch kann Bayer das bessere Ende für sich buchen? Die Mannschaft geht mit Problemen in die Partie. „Wir haben zuletzt nicht so gespielt, wie wir uns das vorstellen“, gibt Reinartz zu, „das sieht die Mannschaft auch.“ Gegen Donezk, das ist allen bewusst in Leverkusen, werden Leistungen wie gegen San Sebastian oder Hoffenheim normalerweise nicht reichen, „das ist eine starke Mannschaft, mit vielen Südamerikanern, vorne und hinten spielen sie kompromisslos“, sagt Sami Hyypiä, der sich ab heute mit dem Gegner beschäftigen wird. Seine Co-Trainer Jan-Moritz Lichte und Daniel Niedzkowski haben alles vorbereitet, ab heute bekommt auch die Mannschaft ihre „Dosis Donezk“ injiziert. Nach den Auftritten der vergangenen Wochen macht sich Hyypiä zunehmend Gedanken um die Zusammenstellung des Teams. So könnte Emre Can gegen die Ukrainer erneut eine Chance von Beginn an bekommen, diesmal als Linksverteidiger. Auf dieser Position schwächelt Sebastian Boenisch aktuell dermaßen, dass er getrost als Sicherheitsrisiko angesehen werden kann. Weder defensiv noch offensiv genügt der polnische Nationalspieler (zuletzt nicht nominiert) zurzeit internationalen Ansprüchen – ganz Leverkusen rätselt über diesen Leistungseinbruch, mit dem so nicht zu rechnen war.

    Der zweite gelernte Linksverteidiger, Kostas Stafylidis, gilt noch nicht als vollwertige Alternative, immerhin sagte Sami Hyypiä über den 19-Jährigen zuletzt: „Er arbeitet sich im Training heran.“ Pech: Stafylidis verletzte sich am Freitag in der Regionalligapartie von Bayer II gegen RW Oberhausen und fällt mit Verdacht auf Muskelfaserriss zunächst aus.

    Besser sieht es im Mittelfeld aus, wo Lars Bender nach auskuriertem Faserriss eventuell wieder zur Verfügung steht. Auf jeden Fall wieder von Beginn an dabei: Heung-Min Son, der am Freitag wegen der großen Reise-Belastungen (Länderspiele in Korea) nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war.
    FRANK LUßEM

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 21.10.13

    LEVERKUSEN: Phantomtor-Diskussionen überdecken die schwache Leistung

    Phantomtor hin oder her – all die klugen und weniger klugen Beiträge zu diesem Thema überdeckten eine für Bayer Leverkusen viel wichtigere Diskussion. Nämlich die über das aktuelle Auftreten der Mannschaft, die momentane Leistungsfähigkeit eines Teams, das mit großem Vorsprung auf Platz drei der Bundesliga-Tabelle rangiert.

    Unter einer Ergebniskrise leidet Bayer nicht – so viel ist sicher. Zuverlässig werden Punkte gesammelt, dies aber zuletzt mehr als glücklich. Sami Hyypiä sieht dies und gibt die Parole für die kommenden Wochen aus: „Wir müssen uns konzentrieren und besser spielen.“ Der Finne bemängelt: „Wir haben in Hoffenheim vor der Pause sehr schlecht gespielt, wir haben uns viele Ballverluste geleistet, hatten keine Intensität im Spiel, waren langsam mit und ohne Ball und immer einen Meter zu spät dran.“

    Harte Worte, deren Hall auch nicht dadurch gemindert wird, dass Hyypiä „nach der Pause eine Besserung“ sah. Alle Beobachter waren sich einig: Unter dem Strich reicht das nicht für die eigenen Ansprüche. Aktuell leidet das Spiel der Werkself unter fehlender Balance. Von außen gewinnt man den Eindruck, da sei eine Truppe unterwegs, der es darum geht, jeden Angriff so schnell wie möglich abzuschließen. Dazu kommt: Bayer steht mitunter sehr hoch und lässt gegen schnelle Gegner nach hinten – vor allen Dingen über die Außenpositionen – zu viel zu. Weder Roberto Hilbert noch Sebastian Boenisch fanden bisher die richtige Mischung zwischen Bleiben und Gehen. Während Boenisch haarsträubende Fehler in der Zuordnung und im Zweikampf unterlaufen, leistet sich Hilbert auf dem Weg nach vorne zu häufig Fehlpässe. Weil die Spieler auf den defensiven Halbpositionen immer häufiger Löcher stopfen müssen, fehlen sie im Aufbauspiel – insgesamt geht so auf Dauer die Ordnung verloren, das Positionsspiel gerät durcheinander. Anders als andere Spitzenteams verzeichnet Bayer so gut wie nie mehr Ballbesitz als der Gegner, was positiv mit schnellem Umschaltspiel zu erklären ist, negativ aber auch mit viel zu schnellen Ballverlusten.

    Möglicherweise schafft demnächst einer hinten etwas mehr Ordnung, von dem man immerhin weiß, dass er es kann. Bei Bayer wird diskutiert, Gonzalo Castro wieder als Außenverteidiger einzusetzen. Auch das Unding, nach Lars Benders Gesundung einen aus dem starken Quartett mit Bender, Castro, Reinartz und Rolfes auf die Bank zu setzen, hätte man so sinnvoll gelöst. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Castro auf beiden defensiven Außenpositionen stärker ist als die anderen Kandidaten.
    F.L.

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 21.10.13

    LEVERKUSEN: Mittelfeldspieler in Topform und torgefährlich wie nie

    Die Statistik lügt nicht: Vier Scorerpunkte verzeichnet Simon Rolfes (31) in der Liga. So viele wie noch nie nach sechs Saisoneinsätzen. Dazu zwei Tore in der Champions League. Eine beachtliche Quote für den defensiven Mittelfeldspieler.

    Leverkusen erlebt statistisch den besten Rolfes aller Zeiten , der an den ersten vier Spieltagen gerade zweimal eingewechselt wurde. „Ich saß nicht zufrieden auf der Bank“, erklärt Rolfes, der nicht Alarm schlug. Typisch für den Kapitän. „Er ist sehr intelligent, nicht nur fußballerisch, und mental sehr wichtig für die Mannschaft. Er ist ein Vorbild wie er trainiert und sich verhält“, lobt Sami Hyypiä, der Rolfes’ neue Torgefährlichkeit erklärt: „Wir spielen flexibler. Normal stehen die Außenverteidiger sehr hoch, jetzt stehen die Mittelfeldspieler höher und die Außenverteidiger sichern ab.“ Das ergibt mehr Räume. Erkennt Rolfes sie, „geht er mit Vollgas nach vorne. Das ist seine Qualität“.

    Die macht ihn zum Dauerbrenner. Seit dem 5. Spieltag hat er keine Minute verpasst. Sein kicker-Notenschnitt in den englischen Wochen: 2,64. Rolfes: „Wenn ich nicht fit wäre, hätte ich nicht sieben Spiele in 22 Tagen auf diesem Niveau bestreiten können. Das müssen 20-Jährige erst mal hinkriegen.“ Am Freitag soll das nächste folgen – und die Tabellenführung. „Es wäre nicht verkehrt, am Samstagmorgen auf Platz 1 zu stehen. Aber es ist wichtiger, dass wir dranbleiben. Das wird uns am Ende viel mehr Respekt einbringen.“ Den verdient Rolfes, der selbst die Nationalelf nicht abgehakt hat: „Im Fußball ist nichts unmöglich. Wer weiß, was alles passiert bis zur WM? Ich denke nicht darüber nach, aber die WM ist immer ein Traum.“ Dass er zum 40er-Kreis der DFB-Auswahl gehöre, findet Rolfes „nicht so schlecht“.

    Anders ordnet Eren Derdiyok seinen Status ein. Ende August verpflichtet, spielt er kaum eine Rolle. „Anfangs war er nicht 100-prozentig fit“, so Hyypiä. Zudem ist der in Hoffenheim Ausgemusterte kein Typ Rolfes. „Eren hat Qualität, die er nicht immer auf den Platz bringen kann. Wir müssen ihm helfen – körperlich und mental.“ Hyypiä eindeutig: „Am Ende hängt es am Spieler: Bin ich bereit, alles zu machen, um meine Leistung zu bringen? Eren hat ein paar Chancen gehabt. Da muss man sich zeigen. Sonst bekommt man vielleicht weniger Chancen. Das liegt nicht an mir.“ Ob der Stürmer, der gegen München aus dem Kader fiel, gegen seinen Ex-Klub dabei ist, lässt Hyypiä offen. Dass das Spiel für den 25-Jährigen ein besonderes ist, nicht: „Eren braucht keine Extramotivation.“ Zumindest diesmal.
    S. V. NOCKS


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.10.13

    LEVERKUSEN: Doppelbelastung für den Trainer

    Bereits lange vor Beginn der Saison, im Trainingslager in Zell am See im Juli, beschlich Rudi Völler ein gutes Gefühl. Die Stimmung passte, die Neuen schienen sich gut zu integrieren, Sami Hyypiä und sein Trainerteam hatten alles im Griff.

    Der Eindruck, den der Sportdirektor seinerzeit gewann, hat sich mittlerweile verfestigt: „Immer unter dem Aspekt, dass Platz drei angesichts der Situation in der Liga für uns nicht selbstverständlich ist, haben wir es bis jetzt richtig gut hin gekriegt“, so Bayers Sportdirektor, der einräumt: „Ich habe geglaubt, dass die Mannschaft das kann, aber nicht zwingend damit gerechnet. Abgesehen von ein paar Hängern und dem Spiel gegen die Bayern präsentieren wir uns richtig gut.“

    Erleichtert sind sie in Leverkusen auch ob der Tatsache, dass Sami Hyypiä die Mehrfach-Belastung offenbar ohne erkennbare Verschleißerscheinungen bewältigt. Der Finne, Novize auf dieser Position, gab nach dem Spiel gegen San Sebastian zu, dass ihn solche Aufreger „mental ermüden“, doch die Fähigkeit zur Ablenkung scheint groß. Wobei: Sie werden erleichtert sein in Leverkusen, wenn er in wenigen Wochen seine Prüfungen zur Erlangung der Trainer-Lizenz beim finnischen Verband absolvieren wird. Übrigens ist Hyypiä in Finnland „Trainer des Jahres 2012“ – ohne einer zu sein!

    Die Ausbildungsanforderungen verhinderten auf jeden Fall den Kurzurlaub in der Länderspielpause, stattdessen war Hyypiä bis zum Samstag mit der englischen Nationalelf unterwegs, hospitierte beim routinierten Kollegen Roy Hodgson. Völler: „Wir sind alle froh, wenn diese Zusatzbelastung weg fällt.“ Stress gibt es in der Tat genug: Am Freitag in Hoffenheim geht es für Bayer um die Tabellenführung für eine Nacht – immerhin!
    FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 14.10.13

    LEVERKUSEN: „Ich will zurück in die Startelf“, stellt der Allrounder klar

    Testspiele mit dem Klub während einer Länderspielpause schätzen die nicht für ihre Nationalmannschaft berufenen Profis ungefähr so wie Fußpilz. Und es gibt fast keinen etablierten Spieler, der nicht exakt für diese Spiele in der Provinz hofft, dass ihn doch endlich mal die Rotation treffen möge.

    Aber es gibt auch die, für die diese Spiele quasi abgeschlossen werden. Weil sie verletzt waren, sich wieder herankämpfen müssen – jedes Testspiel zählt da mehr als eine Trainingseinheit. Deshalb wird Gonzalo Castro (26) an diesem Donnerstag in Rüsselsheim frohen Mutes das Spiel von Bayer Leverkusen gegen Fortuna Düsseldorf bestreiten. Denn für den zuletzt wegen eines Muskelfaserrisses außer Gefecht gesetzten Allrounder soll es ein Härtetest werden, im wahrsten Sinne des Wortes.

    „Ich will zurück in die Startelf“, sagt Castro, der vergangene Woche sowohl gegen Real San Sebastian als auch gegen den FC Bayern jeweils 90 Minuten auf der Ersatzbank saß. „Ich will jetzt den Rückstand aufholen und danach wieder angreifen“, lautet sein Plan für die Zeit bis zum nächsten Spiel. Er will sich seinem Trainer anbieten, zumal in den Partien zuletzt einige Kollegen an und teilweise weit über die Leistungsgrenzen gehen mussten. Lars Bender etwa zog sich gegen die Bayern einen doppelten Muskelfaserriss zu, die Dauer der Pause ist ungewiss. Seine Position könnte Castro ohne jeglichen Substanzverlust sofort übernehmen. Dass Bayer im Freitagsspiel bei Hoffenheim die Chance winkt, für eine Nacht die Tabellenführung zu übernehmen, ist dem Leverkusener durchaus recht: „Es wäre die Bestätigung eines guten Starts“, sagt Castro, „nicht mehr und nicht weniger.“ Allerdings schöpft er wenig Zuversicht aus der Tatsache, dass die Werkself bislang noch keines von zehn Liga-Duellen mit Hoffenheim verlor: „Je länger eine Serie dauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie reißt“, sagt er. Selbstbewusst kommt freilich der Zusatz: „Für uns wird es nur dann gefährlich, wenn wir Hoffenheim unterschätzen.“ Wo der Gegner zu packen ist? Castro: „20:20 Tore zeugen einerseits von einer tollen Offensive mit Firminho und Volland. Andererseits zeigt diese Bilanz, dass sie hinten Defizite haben. Und genau die müssen wir ausnutzen.“
    FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 10.10.13

    Es ist immer etwas Besonderes, gegen den Ex-Klub zu spielen. Wenn man vom FC Bayern kommt, dann umso mehr. Das galt am Samstag auch für Emre Can (19), der sich dieses Wiedersehen allerdings völlig anders vorgestellt hatte. Kurz gesagt: Es gibt Tage, da bleibt man besser im Bett. Can, links offensiv aufgeboten, erwischte einen rabenschwarzen Tag, ließ viel zu früh die Flügel hängen. Dass Sami Hyypiä ihn erst nach 68 Minuten vom Feld holte, war unverständlich. Denn nicht nur offensiv fand Can zunehmend keine Wege, auch defensiv wurde er mehr und mehr zum Sicherheitsrisiko. Ein lehrreicher Tag für den jungen Mann, der spätestens seit Samstag weiß: Man kann nicht nur bei den Bayern lernen, sondern auch von ihnen. Eine ganze Menge.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 07.10.13

    Die Versuche, Bernd Leno behutsam aufs Nationalmannschaftspferd zu hieven, schlugen fehl: „Ich mag es nicht, in der Öffentlichkeit gepusht zu werden. Entscheiden soll die Leistung.“ Die war am Samstag außerordentlich. Ob aus 20 oder aus zwei Metern – Leno parierte alles bis auf das Gegentor von Kroos, hielt Bayer im Spiel dank einer „Weltklasseleistung“, wie Kapitän Rolfes konstatierte. Komplimente prasselten auf das Ausnahmetalent nieder, das die Bayern fast im Alleingang stoppte. Für ihn kein Grund, Forderungen zu stellen oder zu grübeln, warum die Namen der jungen Konkurrenten Zieler und ter Stegen so häufig genannt werden, seiner jedoch nur selten erwähnt wird, wenn es um die Besetzung der Position hinter Manuel Neuer geht. Er will weiter Leistung zeigen.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 07.10.13