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    LEVERKUSEN: Brasilianer kommt, Portugiese im Visier? – Rätseln über die Gründe der Krise

    Der Einführung der Drei-Punkte-Wertung zur Saison 1995/1996 folgte ein Jahr später die Ausweitung der Champions League. Fortan durften auch die Klubs aus den stärksten Ligen in der Königsklasse antreten, die nicht Meister waren. Durchschnittlich 73,6 Punkte musste in diesen Jahren der Bundesligist einfahren, der als Titelträger in die Champions League einziehen wollte. Dem Zweiten reichten im Schnitt 66,5 Zähler, dem Dritten 62,2, dem Vierten, der damals wie heute in die Qualifikationsrunde musste, langten indes 58 gewonnene Punkte.

    Aktuell verbucht Bayer Leverkusen als Tabellendritter 43Punkte. Mindestens 15 benötigt man also noch aus den restlichen elf Spielen, um vielleicht Vierter zu werden, knapp 20 aber fehlen auf einen eventuellen Platz drei, der die direkte Qualifikation bedeutet. 15 Punkte erhält man beispielsweise für fünf Siege. Und da beginnt dann das große Grübeln: Wie will Bayer Leverkusen noch fünf Siege holen? „Die Sorge ist sehr groß, dass wir unsere angepeilten Ziele verspielen“, sagte Rudi Völler am Samstag. Und dieser Satz drückte als einziger inmitten all der Durchhalteparolen nach der 0:1-Pleite gegen Mainz das aus, was momentan die Gemütslage bestimmt in Leverkusen: Es ist die nackte Angst vor dem GAU, vor dem Totalschaden, vor dem Versagen.

    Sie formulierten Ansprüche und Ziele vor der Rückrunde. Das war, als die Niederlagen gegen Frankfurt und Bremen (jeweils 0:1) noch als Betriebsunfall gelten durften. Heute weiß man, dass irgendwann in dieser Zeit etwas passiert sein muss in diesem Team. Hinter diesem „etwas“ fahndet man nun, ohne ihm bisher auf die Spur gekommen zu sein. Sami Hyypiä analysiert richtig, wenn er sagt, dass Bayer „im Jahr 2014 häufig besser Fußball spielt als 2013.“ Ebenso richtig liegt der Finne damit, „dass wir ausgerechnet unser schlechtestes Spiel, das gegen Stuttgart, gewonnen haben.“ Weil dies so ist, bleibt es schwierig, Gründe für den Leverkusener Niedergang zu finden.

    Rudi Völler fand einen möglichen Ansatz mit dem Hinweis, dass es vor allen Dingen die erfahrenen Spieler sind, die in das Formloch rutschten. Er nannte keine Namen, aber deutlich wurde und wird dies bei Akteuren wie Emir Spahic, Lars Bender, Simon Rolfes, Stefan Reinartz, Sidney Sam, Stefan Kießling – sie spielen schwach und finden keinen gemeinsamen Weg aus der Krise. Was möglicherweise darauf schließen lässt, dass dieser Kader längst in Grüppchen zerfallen ist.

    Während Hyypiä versucht, die Gegenwart zu bewältigen, arbeiten Völler und Manager Michael Reschke an der Zukunft. Am vergangenen Mittwoch verpflichtete man Linksverteidiger Wendell Nascimento Borges (20, Gremio Porto Alegre) für rund 5,6 Millionen Euro bis 2019. Und in Portugal verdichten sich die Hinweise, dass Bayer an einer Verpflichtung von Rafa Silva (20, SC Braga) interessiert ist. Silva, ein Zehner, hat aber noch Vertrag bis 2018, kostet dem Vernehmen nach rund 5 Millionen Euro.
    F. L.

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 03.03.14

    Sagen Sie mal . . .
    Sami Hyypiä 40, BAYER LEVERKUSEN

    Sie waren als Spieler immer ein Arbeiter, ein „Mister 100 Prozent“. Macht das die momentan schwierige Situation einfacher, weil Sie Schwerarbeit gewohnt sind?
    Nein, wenn du als Spieler schlecht warst, dann hast du das mit dir selbst ausgemacht. Das ist jetzt anders. Man muss dafür sorgen, dass alle 100 Prozent bringen. Spieler, Trainer, Physios, alle.

    Ist es die längste Misserfolgsphase Ihrer Karriere?
    Ja. Aber darum geht es nicht. Wir wissen alle, dass die Bilanz nicht stimmt. Wenn wir die Punkte, die wir haben, anders geholt hätten, wäre es einfacher zu akzeptieren. So wie Wolfsburg zum Beispiel. Aber mit diesem extrem negativen Lauf wie im Moment ist unsere Bilanz natürlich schlimm und schwer zu verstehen.

    Sechs Punkte aus zuletzt acht Spielen – wären die Kommentare unfreundlicher, wenn Bayer so gestartet wäre?
    Ich glaube ja. Aber sie sind jetzt auch nicht überfreundlich. Manchmal habe ich das Gefühl, wir spielen gegen den Abstieg.

    Wir haben mit Blick auf den Kader und das Programm die Qualitätsfrage gestellt. Können Sie dem folgen?
    Bayern hat 22 sehr, sehr gute Spieler. Diesen Kader haben wir nicht. Das macht die Situation natürlich schwieriger. Aber wir machen im Trainerteam alles, um diese Periode zu beenden.

    Am Samstag standen mit Julian Brandt und Levin Öztunali zwei 17-Jährige in Ihrem Team. Kann man mit Teenies die gesteckten hohen Ziele erreichen?

    Die Jungs haben sich diese Minuten verdient. Und manchmal ist man gezwungen, etwas anderes zu machen. Und für die Jungs ist es eine tolle Erfahrung.

    Sidney Sam kämpft um seine WM-Teilnahme und steckt tief im Leistungsloch. Können Sie ihm helfen?
    Das ist unsere Pflicht. Er hat viele wichtige Tore für uns geschossen und eingeleitet. Da müssen wir ihn wieder hinbringen.

    Machen Sie etwas anders als zu Beginn der Saison?

    Wissen Sie, ich überprüfe mich jeden Tag, jede Woche. Und ich lege Wert darauf, immer ich selbst zu sein. Auch wenn die Zeiten hart sind. Man darf seine Persönlichkeiten nicht wechseln. Mentalität zeigt sich, wenn es schlecht läuft. Wir müssen sehen, was wir besser machen können. Das müssen wir jetzt tun, das haben wir aber auch in der Hinrunde gemacht.

    Bleibt am Ende Ihre Forderung nach Leidenschaft, Konzentration und Wille?

    Ja. Ich kann theoretisch jemanden von der Straße holen, der nicht kicken kann. Aber laufen, kämpfen, rennen – das kann jeder. Das sind die einfachsten Sachen, die müssen als Basis da sein.

    Welche Fehler haben Sie gemacht?

    Ich bin nicht allwissend. Niemand ist das. Ich will mich entwickeln. Gerade in solchen Phasen wie jetzt lernt man sehr viel. Natürlich habe ich Fehler gemacht. Aber die mache ich auch, wenn ich den Job schon 20 Jahre lang mache.

    Haben Sie Angst um Ihren Job gehabt in diesen Wochen?
    Ich habe nie Angst. So etwas passiert. Da muss man durch und darf keine Angst haben.
    INTERVIEW: FRANK LUßEM

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 03.03.14

    Außenverteidiger überzeugt gegen Schalke

    Es ist nicht nur die beeindruckende Zahl von 109 Ballkontakten, die von seiner Präsenz zeugt. Roberto Hilbert gelang etwas, womit man schon nicht mehr gerechnet hatte: Er interpretierte die Rolle als rechter Außenverteidiger so, dass nicht jeder Bayer-Fan wehmütig an Daniel Carvajal zurückdachte.

    Der Spanier kickt längst für Real Madrid und wird demnächst auch auf den FC Schalke treffen. Wenn er spielen sollte, seine Sache so gut macht wie Hilbert am Samstag und die Kollegen besser treffen, wird Schalke wenig Chancen haben gegen die „Königlichen“. Aufmerksam in der Defensive, geschickt im Einrücken (am 1:2 traf ihn keine Schuld), stark im Zweikampf und gedankenschnell im Umschaltspiel präsentierte sich Hilbert. Bayer spielte auch deshalb besser als zuletzt, weil die Außenverteidiger (auch Boenisch bot eine ordentliche Leistung) funktionierten. Sami Hyypiäs Lob: „Er hat hart gearbeitet. Schön, dass er sich belohnt hat.“
    F.L.

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.02.14

    LEVERKUSEN: Trainer lobt die Einstellung und mahnt Konzentration an

    Nach der schlechtesten Leistung einer Leverkusener Mannschaft seit Menschengedenken am vergangenen Mittwoch gelang am Samstag durchaus sportliche Wiedergutmachung – aber erneut kein Sieg. „Die Phase ist schwierig“, bekannte Sami Hyypiä am Sonntag, „aber sie ist gut für meine Entwicklung.“

    Rechnet man eine Tabelle der vergangenen sechs Spieltage aus, liegt Bayer 04 auf einem trostlosen 14. Platz, vor Bremen, Gladbach, Stuttgart und Hamburg. Schlimmer: In diesem Zeitraum verspielte die „Werkself“ zwölf Punkte auf die Bayern, zehn auf Schalke, fünf auf Dortmund. Ehemals neun Punkte Distanz auf Platz vier am 10. Spieltag schmolzen zusammen auf drei Zähler, kein wirklich beruhigendes Polster vor dem Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg am kommenden Samstag.

    Sami Hyypiä strahlt in dieser Phase die Ruhe aus, die ihn als Aktiven zum Weltklasse-Fußballer reifen ließ. Tiefe Einblicke gewährt der Finne nicht, doch im Gespräch spürt man leichtes Unverständnis über die Aussagen der Kritiker, beispielsweise beim Abwehrverhalten vor dem 1:2: „Wir verteidigen die gesamte Saison über auf diese Weise und haben nicht viele Tore nach Standardsituationen kassiert“, sagt Hyypiä und verweist auf die Gesamtbilanz: „Wir haben hinter den Bayern die zweitwenigsten Tore kassiert.“

    Korrekt! Zu tief habe die Abwehr gestanden bei Farfans Freistoß, monierte Sky-Experte Christoph Metzelder, die Leverkusener verweisen darauf, dass sie bei Freistößen immer so stehen. Zum einen nehme man den Stürmern die Möglichkeit einzulaufen. Zum anderen könne man selbst Druck auf den Ball ausüben. Doch diese Version der Vorwärtsverteidigung haute nicht hin: Santana und Matip blockten Wollscheid und Toprak. Plötzlich stand Hilbert gegen Huntelaar, der per Kopf traf. „Vielleicht werden wir uns etwas anderes einfallen lassen müssen“, lacht Hyypiä und verweist darauf, „dass wir auch die Gegner analysieren.“ So sei dies auf dieser Ebene, aber als entscheidend sieht der Finne ohnehin andere Dinge an, die weniger mit der Wissenschaft, sondern mehr mit den Basics zu tun haben: „Einstellung und Wille haben gestimmt gegen Schalke. Wenn wir ein bisschen konzentrierter vor dem Tor agieren, schießen wir fünf Tore.“

    Auch durch die Bilanz (fünf Niederlagen aus den letzten sieben Pflichtspielen) lässt sich Hyypiä nicht davon abbringen, dass Niederlage nicht gleich Niederlage sein kann: „Was am vergangenen Mittwoch gegen Kaiserslautern passierte, das tat weh und war peinlich. Aber wenn wir bis Mai so spielen wie am Samstag, dann werden wir mehr Spiele gewinnen als verlieren.“ Was für Platz zwei gut wäre.F. LußemQuelle: kicker-Printausgabe vom 17.02.14

    Er ist das Aushängeschild des französischen Klubfußballs: der FC PARIS ST.-GERMAIN. Wir zeigen seine verschiedenen Facetten in zehn kleinen Geschichten.

    ETAT-REKORDE
    Die neuen Besitzer aus Katar haben den Etat-Rekord in Frankreichs Ligue 1 mit 430 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Auch die neu eingeführte Reichensteuer, die den Klub zu Abgaben an den Fiskus von rund 200 Millionen Euro zwingt, schreckt den Hauptanteilseigner, die Qatar Sports Investment (QSI), nicht. Im Gegenteil: Erklärtes Ziel ist es, PSG zum reichsten Klub in Europa zu machen. Schon in der kommenden Saison soll der Etat auf 500 Millionen Euro steigen.

    RÜSTUNGSWETTLAUF

    Die Spielergehälter wurden im vergangenen Sommer weiter erhöht. Netto-Spitzenverdiener sind Zlatan Ibrahimovic (15 Mio. Euro) und Thiago Silva (12 Mio. Euro). Die Gehaltserhöhungen sind Teil eines perfiden Plans. QSI will damit die europäische Konkurrenz in einen Rüstungswettlauf zwingen, an dessen Ende der finanzielle Kollaps der reichen Rivalen steht, um dann Spieler wie Leo Messi oder Cristiano Ronaldo mittels Rekordangeboten nach Paris zu locken.

    MODEZAR ALS GEBURTSHELFER
    Schon die Geburt des Klubs stand unter der Schirmherrschaft eines Unternehmers. 1970 entstand PSG durch die Fusion von Stade St.-Germain mit dem FC Paris und ist damit der jüngste Klub aller Achtelfinalisten. Treibende Kraft bei der Gründung und erster Präsident war Modezar Daniel Hechter. Die Hauptstadt sollte endlich einen konkurrenzfähigen Fußballklub erhalten, denn seit 1936 hatte es keinen Meister aus Paris gegeben. Erst seit 1974 spielt PSG erstklassig und ist seitdem nie abgestiegen.

    WAPPENSTREIT
    Zwar ist PSG ein junger Klub, aber Symbole sind auch hier heilig. Freilich nicht für die neuen Besitzer. Denen war das Vereinswappen zu provinziell. Die Lilie und die Wiege – sie stehen für den Geburtsort von König Ludwig XIV., St.-Germainen-Laye, sollten rausfliegen, der Name Paris zum Zwecke der besseren Vermarktung ganz groß in den Vordergrund gestellt und die Farbe in Hellblau geändert werden. Die Fans liefen Sturm und erzielten einen Teilerfolg: Die Lilie und die dunkelblaue Farbe blieben erhalten.

    DIE BUNDESLIGA IM VISIER
    Unter Trainer Carlo Ancelotti hatte sich PSG vor allem in der Serie A bedient. Doch unter seinem französischen Nachfolger Laurent Blanc rückt nun die Bundesliga ins Visier des Klubs. Denn der sucht vor allem noch torgefährliche Offensiv-Allrounder. Weit oben auf der Wunschliste sollen der Schalker Julian Draxler und Thomas Müller vom FC Bayern München stehen.

    WEAH FÜR KLINSMANN
    Schon 1992 waren die Pariser stark an einem deutschen Nationalspieler interessiert: Jürgen Klinsmann. Der Transfer schien schon perfekt, doch in letzter Minute entschied sich der Klub für George Weah. Der Liberianer kam groß raus und wurde 1995 sogar Weltfußballer. Klinsmann ging stattdessen zum AS Monaco. Somit bleibt Christian Wörns (1998/99) der bislang einzige deutsche PSG-Legionär.

    EIN TEAM OHNE FRANZOSEN
    Am 1. Dezember 2013 sorgte PSG für ein Novum in der Geschichte der Ligue 1. Erstmals trat ein Team ohne einen einzigen Franzosen in der Startelf an. Der frühere Serienmeister Olympique Lyon wurde 4:0 besiegt – ein Symbol für eine neue Ära.

    AMATEURHAFT
    Einige ausländische Spieler überraschte die mangelnde mentale und strukturelle Professionalität bei PSG. So wunderte sich der Niederländer Gregory van der Wiel: „Wenn du in meiner Heimat nur eine Minute zu spät zum Training kommst, gibt es eine Geldstrafe. Ich war mal zwei Minuten zu spät und hatte Riesenstress. Hier sehe ich einige mit zehn Minuten Verspätung, und sie lachen noch darüber.“ Auch Zlatan Ibrahimovic staunte anfangs: „Alles war amateurhaft, so waren zum Beispiel unsere Trikots vor dem Training noch nicht fertig. Aber es ist besser geworden.“

    KLEINE LEUTE
    Auf Ecken und Flanken sollte Bayer Leverkusen gegen PSG als Erfolgsrezept setzen. Denn der Gegner stellt nach dem FC Barcelona den zweitkleinsten Kader aller Achtelfinalisten – gemessen an der Körpergröße. Im Schnitt sind die Spieler nur 1,81 Meter groß – da ist der 1,95 Meter lange Ibrahimovic eine große Ausnahme.

    HEIMSTARK
    In fünf Heimspielen gegen Bundesligisten blieben die Pariser unbesiegt. Nur Dortmund entging im November 2010 beim 0:0 in der Europa League einer Niederlage. Außerdem kassierte PSG in diesen fünf Partien nur ein Gegentor – durch den Bayern-Profi Markus Babbel, der in der Champions League im November 1997 beim 1:3 traf. Zweimal mussten die Bayern im gleichen Wettbewerb punkt- und torlos heimfahren, einmal traf es Wolfsburg im UEFA-Cup. Übrigens nie in einer K.-o.-Phase, alle Duelle waren Gruppenspiele.
    ELIE BARTH

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.02.14

    Er musste viel durchmachen. Nun aber ist er fit wie nie. Leverkusens Abwehrspieler ÖMER TOPRAK (24) will das auch gegen Paris beweisen.

    Herr Toprak, Ihre Kollegen Gonzalo Castro und Lars Bender erklärten im kicker, Paris St.-Germain sei stärker als Manchester United. Glauben Sie das auch?
    Auf jeden Fall! Das ist eine superstarke Mannschaft, die ganz sicher nicht nur aus Zlatan Ibrahimovic besteht. Sie sind schon im vergangenen Jahr nur ganz knapp an Barcelona gescheitert.

    Angesichts der Leverkusener Pleiten gegen Manchester United kann einem da angst und bange werden . . .
    Angst gibt es nicht. Wir gehen am Dienstag raus und geben alles. Und dann schauen wir, wozu das reichen wird.

    Unser Sonderheft zum Achtelfinale der Champions League heißt „Der Traum“. Welche Träume haben Sie?

    Wenn wir anfangen zu träumen, dann verlieren wir die Orientierung. Es ist einfach zu viel zu tun. Wir hatten Mönchengladbach, Kaiserslautern, Schalke; jetzt kommt Paris, dann müssen wir nach Wolfsburg. Wenn wir träumen, geht die Konzentration flöten. Und das können wir uns nicht erlauben.

    In sechs Gruppenspielen kassierte Bayer zehn Gegentore, neun in zwei Spielen gegen Manchester, nur eines in den restlichen vier Partien. Wo liegt die Wahrheit über Leverkusens Defensive?
    Es ist ganz einfach: Gegen Manchester waren wir schlecht, vor allen Dingen im Heimspiel. Aber wenn wir alle 90 Minuten gemeinsam alles bringen, sind wir stark. Dann wird es schwer, gegen uns Tore zu schießen. Aber nur dann.

    Haben Sie eine persönliche Erfahrung mit Stürmer Zlatan Ibrahimovic?
    Es ist mein erstes Spiel gegen ihn.

    Was erwarten Sie?
    Dass er sich in Top-Form präsentiert. Wir wissen, dass man ihn nicht 90 Minuten ausschalten kann. Aber wir werden alles versuchen, es ihm an diesem Abend so schwer wie möglich zu machen.

    Hand aufs Herz: Gibt es eine Chance auf das Viertelfinale?
    Machen wir uns nichts vor: Paris ist Favorit. Das ist ein absolutes Top-Team und sicher nicht am Ende der Entwicklung. Wenn wir etwas reißen wollen, brauchen wir zwei ganz starke Tage, Paris muss zwei schwache erwischen. Es wird ganz wichtig sein, kompakt zu stehen. Wir werden eine Menge arbeiten müssen. Konzentration, Leidenschaft, alle elf Mann müssen bereit sein, nach hinten zu arbeiten – das muss weiter unser Ziel sein. Und wir können das!

    Woher nehmen Sie die Zuversicht? Im Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern blamierte sich Ihr Team kräftig, gegen Schalke gab es erneut eine Heimniederlage.
    Eine Leistung wie gegen Kaiserslautern ist nicht zu erklären. Da müssen wir uns alle an die Brust klopfen, jeder muss sich fragen, wie so etwas passieren kann. Ich habe auch keine Erklärung und war eigentlich davon überzeugt, dass wir nicht so schlecht spielen können. Leider musste ich mich von Gegenteil überzeugen lassen. Aber ich bin sicher, dass wir auch aus dieser Pleite lernen. Gegen Schalke haben wir trotz der Niederlage ein ordentliches Spiel gezeigt, das war nicht zu vergleichen mit dem Pokalspiel. Wir haben unglücklich verloren.

    Was stimmt Sie weiterhin positiv?
    Wir haben eine Entwicklung durchgemacht. Bernd Leno, Lars Bender, Simon Rolfes, Gonzalo Castro, Stefan Reinartz, Sidney Sam, Stefan Kießling und ich spielen jetzt seit mittlerweile drei Jahren zusammen. Wir haben eine Menge gelernt, jeder für sich, aber auch für die Gruppe. Deshalb sind wir in der Liga konstanter und stabiler als früher.

    Erklärt die gemeinsame Vergangenheit auch den Teamgeist, den Sportchef Rudi Völler nach dem Sieg in Mönchengladbach so herausgestellt hat?
    Ja, ohne Zweifel. Der ist gewachsen und auch nicht so schnell zu erschüttern. Und der ist auch ein Grund dafür, dass wir nach den drei Niederlagen zurückgekommen sind. Ich bin überzeugt davon, dass der Teamgeist eine Menge ausmacht.

    Ihr Nebenmann Emir Spahic kickt erst seit ein paar Monaten in Leverkusen. Welche Rolle spielt er?
    Emir bringt eine ganze Menge Erfahrung mit. Er hat in vielen Klubs gespielt, in richtig guten Ligen. Er ist Kapitän von Bosnien-Herzegowina, ein absoluter Leader. Emir tut uns gut.

    Ihnen persönlich auch?
    Ja, ganz sicher. Er tut auch mir gut. Meine Stabilität hat ganz bestimmt mit ihm zu tun. Er ist einer, bei dem ich mir schon ein paar Sachen abgeschaut habe, bei der Zweikampfführung zum Beispiel oder auch im Stellungsspiel. Hoffentlich wird er bald wieder fit.

    Sehen die Zuschauer aktuell den besten Ömer Toprak aller Zeiten?
    Mag sein. Das sollen andere beurteilen.

    Ist der schlimme Kart-Unfall verarbeitet?
    Die Verletzungen waren schlimm, es kamen dann noch Folgeverletzungen dazu. Es wurden immer wieder Vergleiche angestellt: Wie hat er früher gespielt, wie spielt er jetzt. Das war nicht immer einfach. Aber ich bin heute fitter denn je, körperlich und mental.

    Was mussten Sie dafür tun?
    Holger Broich, unser Konditionstrainer, hat mir im Sommer einen individuellen Trainingsplan ausgearbeitet. Den habe ich mit den Physios abgearbeitet, und das hat mir gutgetan. Ich regeneriere besser und schneller, das ist ganz wichtig bei unserem Programm.

    Die deutsche Nationalelf hat Bedarf auf der Innenverteidigerposition. Haben Sie schon bereut, sich für die Türkei entschieden zu haben?

    Nein, ich habe die Entscheidung für die Türkei ja nach vielen Gesprächen und aus voller Überzeugung gefällt.

    Aber Sie waren zuvor U-Nationalspieler für den DFB . . .
    Ich habe drei Spiele gemacht. Es klingt immer so, als hätte ich Dutzende U-Länderspiele gemacht. Es waren drei. Und mit dem letzten bin ich U-19-Europameister geworden. Ist doch eine tolle Bilanz, oder?

    Sind Sie ein Star in der Türkei?
    Klar sind die Nationalspieler da sehr populär. Aber die Jungs, die in der Süperlig spielen, die erfahren eine sehr viel größere Verehrung. Da geht es bei mir viel ruhiger zu.

    Türkische Medien bringen Sie regelmäßig mit Istanbuler Großklubs in Verbindung. Wo sehen Sie Ihre Zukunft?
    Ich habe bis 2018 bei Bayer Leverkusen verlängert und fühle mich sehr wohl, mir macht das riesigen Spaß hier.

    Wo sehen Sie sich in vier Jahren?
    Ich bin kein Typ, der gerne in die Zukunft schaut.

    Machen Sie bitte eine Ausnahme und tippen Bayers Gegner im Viertelfinale der Champions League?
    Wenn wir das erreichen, ist mir völlig egal, gegen wen wir spielen. Mit der Champions League ist mein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Einmal da stehen und die Hymne hören – da wollte ich hin. Jetzt stehe ich zum zweiten Mal im Achtelfinale. Mal sehen, wo es noch hingeht!
    INTERVIEW: FRANK LUßEM

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.02.14

    Neuzugang Guardado muss noch warten

    In einer wahren Nacht- und Nebelaktion verpflichtete Bayer Leverkusen kurz vor Ende der Transferperiode den Mexikaner Andres Guardado vom FC Valencia. In den beiden Spielen, die seitdem absolviert wurden, saß er zunächst auf der Tribüne, dann auf der Bank. Ob er demnächst als feste Größe hinten links eingeplant wird, steht in den Sternen. Denn Emre Can, die Notlösung auf der Position des linken Außenverteidigers, deutete in Mönchengladbach erneut sein großes Potenzial an. Stark in der Defensive, sehr präsent und konzentriert im Aufbau – das war Can am Freitag. Wohl wissend, dass im Mittelfeld mit Simon Rolfes, Stefan Reinartz, Gonzalo Castro und Lars Bender ein paar größere Kaliber vor ihm stehen, setzte er das Ausrufezeichen eben da, wo ihn der Trainer am dringendsten benötigte. Und besaß seinen Anteil am 14. Leverkusener Sieg im 20. Saisonspiel – neuer Rekord für Bayer, auf das mit Schalke der nächste direkte Konkurrent wartet. Und auf Can die nächste Chance?

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 10.02.14

    LEVERKUSEN: Die Wandlung vom „Schwiegermutter-Traum“ zum „Bad Boy“

    Wenn man, wie Rudi Völler, im Fußball so ungefähr alles erlebt hat, achtet man ganz besonders auf die Feinheiten, auf die „weichen Faktoren“, die ebenso für Siege und Punkte verantwortlich sein können wie Pässe und Tore. Völler also machte nach der Partie in Mönchengladbach bei seinem Team eine solche Eigenschaft aus, eine, die ihm selbst Zeit seiner Karriere immer eminent wichtig und letztlich entscheidend für den Erfolg war: „Diese Mannschaft strahlt Geist aus.“

    Dieser Spirit, davon ist der Sportdirektor überzeugt, habe großen Anteil daran, „dass aus dieser Serie mit drei Niederlagen keine Krise wurde. Das konnte uns dann doch nichts anhaben“.

    Die mentale Stärke, die Bayer in der Tat mitunter ausstrahlt, verblüfft. Wo die Profis der „Werkself“ früher gerne den „Schwiegermutter-Traum“ verkörperten, scheuen sie sich heute nicht mehr, den „Bad Boy“ zu mimen. Bereits in der vergangenen Woche erweiterten Emre Can, Ömer Toprak und Eren Derdiyok die Palette der pantomimischen Einlagen nach einem Tor um eine neue Variante: Mit vor der Brust verschränkten Armen und bösen Blicken posierte das Trio nach dem 2:1 gegen Stuttgart, wollte – frei nach Art der Türsteher – ausdrücken: „Du kommst hier nicht rein!“

    Eine Pose, die zu ignorieren wäre im Wust des selbstdarstellerischen Torjubels unserer Tage. Doch sie passt tatsächlich wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Nach Pleiten gegen kämpfende Kellerkinder aus Braunschweig, Frankfurt und Bremen, nach der Auftaktniederlage in Freiburg – als Bayer zeitweise nett und gefällig, aber eben erfolglos spielte – bekamen die nächsten Gegner zu spüren, dass man in Leverkusen offensichtlich nicht mehr gewillt ist, sich untauglich zu wehren gegen aggressive Gegner. Gesunde Aggressivität wird mittlerweile gepflegt, dank derer man in den vergangenen 180 Minuten gerade mal eine Handvoll gegnerischer Chancen zuließ. Frei nach dem Motto: „In unseren Strafraum kommst du nicht rein!“

    Als Symbolfigur für die neue defensive Stärke mag Ömer Toprak herhalten. Der türkische Nationalspieler mauserte sich längst zu einem der stärksten Innenverteidiger der Liga, eroberte sich den Status des Führungsspielers dank konstant guter Leistung. Schnell, so kopfballwie zweikampfstark, aufmerksam – Toprak ist der Leuchtturm, an dem sich der Rest orientiert.

    Bayers neuer Geist – er sicherte Platz zwei. Trotzdem: „Es ist noch Luft nach oben“, sagt Rudi Völler auch. Zur defensiven Stabilität soll sich wieder Kreativität gesellen – möglichst häufiger als zuletzt.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 10.02.14

    Nach seiner Rückkehr zu Bayer 04 enttäuschte EREN DERDIYOK (25). Jetzt präsentiert sich der Stürmer wie verwandelt – und verrät warum.


    In der Hinrunde gab es für Sie viel Kritik, jetzt auf einmal werden Sie gelobt. Was hat sich geändert, Herr Derdiyok?
    Einiges. Die letzten sechs Monate waren unbefriedigend – für mich, für den Verein, für die Mannschaft. Ich habe eine schwere Phase hinter mir. Erst in Hoffenheim, als ich die Operation am Leistenkanal hatte, dann habe ich mich im Sommer fit gemacht und es kam diese Entscheidung.

    Als Sie wie andere Profis vom Mannschaftstraining ausgeschlossen wurden.
    Es ist schwer, wenn man nichts verbrochen hat und bestraft wird. Da hatte ich eine Leidenszeit. Danach kam ich nach Leverkusen und hatte keine Vorbereitung. Dadurch bin ich auf gut Deutsch auf die Fresse gefallen und bin jetzt wieder aufgestanden. Weil ich mir sehr viel vorgenommen habe, keine Last mehr spüre.

    Was hat den Wandel ausgelöst, dass Sie Trainer Sami Hyypiä jetzt konstant mehr anbieten?

    Man begreift gewisse Sachen. Man nimmt gewisse Sachen anders auf. Man hadert nicht mit sich oder der Situation, sondern versucht, immer weiterzumachen. Ich glaube, im Film Rocky gibt es das Zitat: „Die Frage ist nicht, wie stark man zuschlagen, sondern wie viel man einstecken kann“. In der Situation habe ich viel mit einem Mentaltrainer gearbeitet. Das hat mir sehr geholfen. Seit 2014, seit dem Trainingslager sieht man einen ganz anderen Eren.

    War die Entscheidung für einen Mentaltrainer der entscheidende Punkt?

    Absolut. Ich kann das nur empfehlen. Das sind Kleinigkeiten, die ein Mensch allein vielleicht nicht hinkriegt. Die Erfahrung und Kenntnisse eines Mentaltrainers können einem Wege aufzeigen.

    Was hat Sie dazu veranlasst, diese Hilfe zu suchen?

    Ich habe die ganze Zeit versucht, an mir zu arbeiten, mit der Situation klarzukommen. Aber manchmal findet man keinen Weg mehr. Ich habe mich korrekt verhalten. Aber warum, habe ich mich gefragt, komme ich nicht dazu, mein Potenzial auszuschöpfen? Da habe ich mich zur Zusammenarbeit mit einem Mentaltrainer entschlossen. Das war der Schlüssel zum Erfolg.

    Wie sieht dieser Erfolg für Sie aus?
    Ich will, ehrlich gesagt, dazu kommen, dass ich sagen kann: Das, was mir passiert ist, war das Beste, was mir passieren konnte. Weil es mir die Augen geöffnet hat.

    Also war der Wechsel zur TSG und Ihr Absturz sogar förderlich?
    Wenn ich hier geblieben wäre, wäre ich vielleicht ewig der hochtalentierte Spieler geblieben, der ab und zu sein Potenzial ausschöpft. Es ist vielleicht noch zu früh, aber ich glaube, dass ich vieles absolut begriffen habe: Dass ich konstant an mein Limit gehen muss. Dass ich mein Potenzial immer ausschöpfe, kann ich nicht versprechen, dass ich das Maximum gebe, aber schon.

    Warum sind Sie Ende August 2013 nach Leverkusen zurückgekehrt, das Sie erst ein Jahr zuvor verlassen hatten?
    Nach Leverkusen zurückzukehren hatte ich mir eigentlich nicht vorstellen können. Doch ich habe irgendwo Vertrauen gespürt: Der Junge kann es. Wir helfen ihm, weil er es begriffen hat. Und das ist auch so: Wenn man so eine Situation, wie ich sie hatte, erlebt, dann begreift man, wie glücklich man eigentlich sein sollte, hier sein zu dürfen.

    Dennoch lief es für Sie auch bei Bayer in der Hinrunde nicht.
    Natürlich hatte ich auch hier eine schlechte Zeit, habe lange nicht gespielt, bin nicht an meine Leistung herangekommen. Das hat mich auch belastet. Dazu kam, dass ich nicht mehr für die Schweizer Nationalelf nominiert wurde. Da habe ich gemerkt: Ich muss etwas machen! Ich muss gewisse Sachen ändern. Ich muss an mir arbeiten.

    Sind Sie durch diese Erfahrung gereift?
    Absolut. Sonst würde ich heute immer noch so herumlaufen.

    Wie viel Einsatzzeit benötigen Sie, um mit zur WM zu fahren?
    Der Trainer kann nur Spieler mitnehmen, die 100 Prozent Leistung bringen können. Dafür muss man nicht 90 Minuten spielen. Wenn ich jeden Monat einmal von Beginn an spiele und sonst eingewechselt werde, glaube ich, reicht das auch. Aber der Trainer kann niemanden mitnehmen, der 90 Minuten auf der Bank sitzt, auch wenn er gute Qualitäten hat. So läuft das nicht.

    Jetzt lobt Hyypiä Sie. Können Sie es ausschließen, dass Sie wieder in eine Situation geraten, dass Sie außen vor sind?

    Ausschließen kann man nichts. Aber ich denke schon, dass mir das nicht noch mal passiert.

    Sie gelten als großes Talent. Der Durchbruch gelang Ihnen bislang nicht. Ist das der Punkt, um Ihre Karriere noch in die richtige Richtung zu lenken?
    Absolut. Ich bin hochmotiviert. Ich bin sehr optimistisch, dass da etwas Gutes passiert.
    INTERVIEW: S. V. NOCKS


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 06.02.14

    LEVERKUSEN: Trainer Sami Hyypiä freut sich über einen Lerneffekt bei seinem Team

    Für jeden Trainer dürfte es das höchste der Gefühle sein, wenn seine Arbeit erfolgreich auf dem Platz umgesetzt wird. Dieses Gefühl konnte Sami Hyypiä am Samstag mit nach Hause nehmen. „Wir haben in der Woche besprochen, dass wir in Freiburg und auch vor der Winterpause in Bremen zu viel wollten, zu großes Risiko gegangen sind und deshalb verloren haben. Das haben wir gegen Stuttgart besser gemacht. Und wir sind für die Geduld belohnt worden.“

    Schön war es nicht, was Bayer ablieferte. Doch trotz des zeitigen Rückstandes geriet das Team um Kapitän Simon Rolfes nicht in Panik, zeigte eine bemerkenswert stabile Mentalität angesichts der drei Pleiten hintereinander vor diesem Spiel. Auch das durchaus kritikwürdige Aufbauspiel aus der Abwehr (Spahic mit verblüffender Streuung bei seinen langen Pässen, Hilbert ohne brauchbare Flanken, bei Can wechselte sich Kaltschnäuzigkeit mit grobem Leichtsinn ab) konnte nicht verhindern, dass Bayer jederzeit Chef im Ring war. Hyypiä durfte zufrieden bilanzieren: „Wir haben nicht viel zugelassen, sind gegen einen tief stehenden Gegner nicht in Kontersituationen geraten.“

    Es war ein dringend nötiger Sieg. Denn nach den drei Pleiten zuletzt war Bayer drauf und dran, eine hervorragende Ausgangsposition zu verspielen. Sechs Zähler Vorsprung besaß man auf Dortmund nach dem 15. Spieltag, aktuell sind es noch vier. Schalke hatte man zu diesem Zeitpunkt bereits 13 Zähler distanziert, sechs sind noch übrig geblieben. Die Partie in Mönchengladbach am kommenden Freitag gerät zur Standortbestimmung. Denn den Vorsprung auf die Borussia konnte man dank des Erfolges am Samstag sogar wieder vergrößern – mit einem Sieg dort und dann zehn Zählern Distanz hätte man sich einen lästigen Widersacher zunächst vom Hals geschafft.

    Die Probleme auf der defensiven linken Außenbahn soll demnächst Andres Guardado (27) lösen. Der Mexikaner (99 Länderspiele, zwei WM-Teilnahmen) kam vom FC Valencia, das Leihgeschäft beinhaltet eine Kaufoption ab Sommer. Gegen Stuttgart saß der schmächtige Linksfuß auf der Tribüne, von ihm erhofft man sich demnächst Akzente in der Vorwärtsbewegung. „Es war nicht nötig, ihn jetzt schon zu bringen“, so Hyypiä, „er hatte nur einmal mit dem Team trainiert, wir hatten keine Panik. Emre Can macht die Sache ja gut.“ Der wird sich nun wieder in den Kampf um die Plätze im Mittelfeld einmischen. Mit genügend Einsätzen kann er rechnen: Nach Mönchengladbach warten Kaiserslautern, Schalke, Paris St.-Germain und Wolfsburg. DerFebruar hat’s in sich.
    F. Lußem


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 03.02.14

    Nach langwieriger Verletzung steht Bayers STEFAN REINARTZ (25) vor seinem Comeback. Aber nicht auf seiner Lieblingsposition.

    Mit dem Ort seines Comebacks verbindet er keine gute Erinnerung. Und auch die Position, auf der Stefan Reinartz am Samstag spielen wird, war für ihn zuletzt negativ besetzt. Dennoch blickt der Mittelfeldspieler, der in Freiburg wegen der Sperren von Philipp Wollscheid und Emir Spahic im Abwehrzentrum aushelfen muss, der Partie positiv entgegen.

    „Ich spiele lieber als Sechser, weil es mehr Spaß macht. Aber ich bin weiterhin davon überzeugt, dass ich beide Positionen gut spielen kann“, erklärt Reinartz prinzipiell. Aktuell ist ihm seine Position ohnehin fast egal, auch wenn seine letzte präsente Erinnerung als Innenverteidiger eine unangenehme ist: 2011 in der Champions League gegen Valencia wurde er zur Halbzeit ausgewechselt, nachdem er zuvor von den eigenen Fans mit Unmutsäußerungen bedacht worden war. Für Reinartz ein „Tiefpunkt“.

    Der ihn aber längst nicht mehr umtreibt. Jetzt blickt er bescheiden gen Freiburg: „Ich war drei Monate lang fast gar nicht dabei, meine Ansprüche sind gesunken. Wenn ich schmerzfrei bin, bin ich erst mal zufrieden.“ Zudem fehlen Trainer Sami Hyypiä gelernte Alternativen. Am Samstag muss Reinartz verteidigen, der seine ihn seit Mitte Oktober nervende Leidensgeschichte abschließen möchte: Die linke Ferse schmerzte heftig. Fünf Wochen setzte Reinartz aus, ehe er Ende November sein Comeback gab. Doch nach seinem dritten Einsatz beim 2:1-Pokalerfolg in Freiburg musste er zur Halbzeit endgültig abwinken. „Da ging es gar nicht mehr.“ Bis zur Winterpause.

    Freiburg war das Ende und soll jetzt der Anfang werden. In der Hoffnung, dass die gereizte Sehne ihn nicht wieder lahmlegt. Reinartz will wieder zum Dauerbrenner werden – im Mittelfeld. Dass sich dort jetzt ein Trio festspielt, befürchtet er nicht: „Darüber mache ich mir keine Gedanken.“

    Reinartz bleibt gelassen wie beim Blick auf die Mitbewerber auf die Champions-League-Plätze. „Die Konkurrenz wetzt die Messer, aber ich habe nichts anderes erwartet“, erklärt er, der in den Winterzugängen anderer Klubs nicht nur einen Vorteil für diese sieht: „ Aus guten Namen muss erst mal eine funktionierende Mannschaft werden. Wir sind gut beraten, auf uns selbst zu schauen.“

    Ruft Leverkusen sein Potenzial ab, hat Reinartz keine Bedenken, dass die Werkself als Zweitplatzierter ihr Ziel auch erreicht. Den Blick auf den Tabellenführer Bayern München richtet er aber nicht: „Die Meisterschaft ist unrealistisch, aber im DFB-Pokal sind die Bayern ein Konkurrent, den man angreifen kann.“
    STEPHAN VON NOCKS


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 23.01.14

    LEVERKUSEN: Nach der schweren Verletzung von Kruse wird offensiv nicht nachgekauft

    Auch am Sonntag hatten die Spieler von Bayer Leverkusen den Schock noch nicht restlos verdaut. Die schwere Verletzung des im Team ungemein beliebten Australiers Robbie Kruse hatte ihnen die Laune verhagelt. Er wird Mitte der Woche am linken Knie (Riss des vorderen Kreuzbandes) operiert, verpasst nicht nur die Rückrunde, sondern auch die Weltmeisterschaft in Brasilien, für die „Australiens Fußballer des Jahres 2013“ gesetzt war. „Für uns als Verein ist das schlimm, für ihn ist das unfassbar tragisch“, sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler.

    Seine Rolle als Offensiv-Alternative Nummer eins wird wohl nicht fremdbesetzt. Völler zum Thema Neueinkäufe: „Stand jetzt ist nichts geplant. Wir schauen jetzt in Ruhe, ob wir noch etwas machen.“ Die Verpflichtungen von Julian Brandt (17) und Seung-Woo Ryu (20) sollten ausreichen, um Stammkraft Heung-Min Son (21) im Bedarfsfall zu ersetzen. Nicht zufällig kombinierten sich beide gestern beim Düsseldorfer „Wintercup“ im Spiel gegen Dinamo Zagreb durch den Strafraum zum 1:0, das Brandt für den Südkoreaner auflegte. Levin Öztunali, auch erst 17, hatte den Angriff eingeleitet.

    Anfängliche Gedanken, Ryu an einen ambitionierten Zweitligisten auszuleihen, wurden mittlerweile verworfen. „Das ist“, so Rudi Völler gestern, „definitiv vom Tisch.“ Zur Freude von Trainer Sami Hyypiä: „Wir haben einen solchen Typen wie ihn nicht im Kader. Er bringt spezielle Fähigkeiten ein.“ Was Hyypiä meint, präsentierte Ryu gestern: Tempodribblings, Doppelpässe, Zielstrebigkeit. Es fehlt ein wenig an Übersicht und Robustheit, doch als Alternative ist Ryu auf jeden Fall brauchbar.

    Nicht nur er, Öztunali und Brandt gehen gestärkt aus der Winterpause hervor. Auch Kostas Stafylidis (20) kann sich zum Auftakt Hoffnungen auf einen Einsatz als Linksverteidiger machen, ist auf jeden Fall viel näher am Kader als in der Hinrunde.

    Ganz verstärkt gilt dies schließlich auch für Eren Derdiyok. Der Stürmer bekam zwar gestern beim „Wintercup“ frei, hatte aber vorher mit sechs Toren in drei Testspielen eindrucksvolle Eigenwerbung betrieben. Nun will er auch in der Bundesliga Taten folgen lassen.
    FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 20.01.14

    Den jubelnden STEFAN KIESSLING (29) gab es zum Ende der Hinrunde selten. Das soll sich ändern. Der Bayer-Star im Interview.

    Herr Kießling, Sie wirkten während der Woche in Lagos auf viele Beobachter leicht reizbar, genervt. Was war los?
    Ach, der Eindruck mag entstehen, hat aber nichts zu bedeuten. Das hat seinen Grund darin, dass man sich als Fußballer ärgert, wenn durch die Belastung im Spiel oder im Training etwas nicht so klappt, wie man sich das vorstellt.

    Freuen Sie sich auf den Rückrundenbeginn?
    Absolut! Mir kann es nicht früh genug wieder losgehen. Es wird Zeit.

    War die kurze Pause eher gut für den Kopf oder für den Körper?

    Beides. So kurz die Zeit ohne Fußball war, ich habe sie konsequent genutzt. Wir sind am ersten Tag in den Urlaub gefahren und am letzten zurückgekommen. Und zwischendurch habe ich komplett entspannt, gar nicht an Fußball gedacht.

    Nicht mal am 2. Weihnachtstag Premier League geschaut?
    Nee, gar nichts! Ich habe komplett ohne Fußball geurlaubt, abgesehen von ein paar Fans, die sich Autogramme geholt haben. Aber das ist normal, das gehört dazu.

    Inwieweit haben die Niederlagen zum Ende der Hinrunde die Urlaubsstimmung vermiest?
    Gar nicht. Ich habe abgeschaltet. Natürlich war das bitter. Weil wir uns nicht belohnen konnten für unsere Arbeit. Wir sind zu oft am Limit gewesen, am Ende fehlte die Kraft. Fehlende Kraft bedingt häufig fehlende Kreativität.

    Hatte der eingangs erwähnte Frust nicht auch damit zu tun, dass Sie nicht so in Szene gesetzt wurden wie gewohnt?
    Als Stürmer willst du den Ball haben, du willst Aktionen zeigen. Wenn das nicht klappt, bist du frustriert. Aber wir haben in dieser Woche im Trainingslager daran gearbeitet, dass wir uns wieder mehr Chancen erspielen.

    Wieso tat sich ein fußballerisch talentiertes Team wie Bayer gegen Ende der Hinrunde plötzlich so schwer?

    Da sind wir wieder beim Kraftverlust, der dafür sorgt, dass du im Spielaufbau eben die scheinbar leichtere Variante wählst. Dann schlägst du den Ball weit nach vorne, statt den spielerischen Weg zu versuchen. Aber das ist nicht unser Spiel und deshalb haben wir konsequent daran gearbeitet.

    Die Niederlagen gegen Frankfurt und in Bremen verhinderten, dass Bayer sich absetzen konnte. Mit Dortmund, Mönchengladbach, Wolfsburg und Schalke formieren sich gleich vier Teams im Kampf um die Plätze. Wie groß ist die Gefahr, plötzlich auf Platz fünf zu stehen?
    Die Gefahr ist immer da. Und wir sind dazu da, das zu verhindern. Es wird eine spannende Rückrunde und ich bin davon überzeugt, dass wir bis zum Ende vorne dabei bleiben werden.

    Das Transferfenster ist weiterhin offen. Braucht Leverkusen Verstärkungen?
    Nein, dieser Kader hat seine Qualität während der Vorrunde unter Beweis gestellt. Der Kader ist breiter geworden, das tut gut, wir können häufiger wechseln.

    Die Alternative zu Ihnen heißt Eren Derdiyok, der in der vergangenen Woche aufblühte. Sehen Sie ihn als Konkurrent oder als Kumpel?

    Ich freue mich für ihn. Er hatte eine schwierige Zeit in Hoffenheim, das vergangene halbe Jahr hier war auch nicht einfach. Wir alle können davon profitieren, wenn er seine Leistung abruft. Denn was er kann, weiß jeder. Eren kann uns helfen.

    Die „falsche Neun“ scheint Stürmertypen wie Ihnen den Rang abzulaufen. Sterben die Zentrumsstürmer aus?
    Nein, auf keinen Fall. Nur weil jetzt ein paar Leute was ausprobiert haben und es ein paarmal geklappt hat? Den richtigen Neuner wird es immer geben. Das ist sicher.

    Sie werden am 25. Januar 30. Denkt man da ab und zu schon an das Karriereende?

    Gute Frage. Aber nein, ich denke nicht so weit nach vorne. Ich stehe jeden Tag auf und will mein Bestes geben. Aber man merkt mit zunehmendem Alter, dass es härter wird.

    Sie haben noch keinen Titel geholt. Ist unter diesem Aspekt das Pokalviertelfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern das wichtigste Spiel der kommenden Wochen?

    Nein, da ist jedes Spiel superwichtig. Ob Freiburg, Stuttgart, Wolfsburg, Schalke, natürlich Paris St. Germain, gegen die wir uns nicht so anstellen wollen wie zuletzt im Achtelfinale der Champions League (1:7 in Barcelona, d. Red.). Fakt ist, dass der DFB-Pokal unser großes Ziel ist. Es ist die beste Chance, mit wenigen Spielen einen großen Titel zu holen.

    Wenn Sie einen Wunsch zum 30. Geburtstag frei hätten, was wäre das? DFB-Pokal oder Champions-League-Viertelfinale?
    Der DFB-Pokal, definitiv.

    DFB-Pokal oder Platz zwei?
    Es bleibt dabei. Wir wollen diesen Pokal holen. Unbedingt.
    INTERVIEW: FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 13.01.14

    Ein Talent mit präzisen Zukunftsplänen

    Den Wirbel, den sein Wechsel vom VfL Wolfsburg nach Leverkusen entfachte, hat Julian Brandt anscheinend locker weggesteckt. Der 17-jährige Nachwuchsspieler bewegt sich selbstbewusst im neuen Umfeld, ruhig und überlegt präsentiert er sich in der Unterhaltung. Er spricht über seine Erwartungen („Ein paar Minuten Bundesliga zu spielen, wäre toll“), seine Stärken („Schnelligkeit und Zug zum Tor von der Außenposition“), seine Schwächen („Kopfball und Defensive“) und erzählt, dass er Marco Reus toll findet. Levin Öztunali ist ein Kumpel seit gemeinsamen Zeiten in der U 15 des DFB und wird ihm helfen, die erste Zeit der Eingewöhnung erträglich zu gestalten. Bayer erhofft sich eine steile Karriere vom Blondschopf, der mit jeder Antwort vermittelt, einen genauen Zukunftsplan zu haben. Die erste Etappe wird er in Leverkusen (Vertrag bis 2019) absolvieren. Seine Leistung entscheidet darüber, wie lange sie dauern wird.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 09.01.14

    Der Koreaner soll verliehen werden

    Ihn als „große Unbekannte“ oder „unbekannte Größe“ zu bezeichnen, verbietet sich angesichts seiner gerade mal 171 Zentimeter Körpergröße eigentlich. Doch Tatsache ist: Niemand konnte einschätzen, zu was Seung-Woo Ryu in der Lage ist. In Lagos bietet der Koreaner, an dem im Sommer auch der BVB interessiert war, tagtäglich Kostproben seines Könnens. Beim 6:3-Testspielsieg gegen den SC Heerenveen traf er, im Training mischt der offensive Flügelspieler munter mit. „Wir hatten ihn seit der U-20-WM in der Türkei im vergangenen Juli im Fokus“, sagt Manager Michael Reschke, der Ryu für 100 000 Euro Leihgebühr vom FC Jeju United loseiste. Die endgültige Ablöse im Dezember 2014 läge bei einer Million Euro. Bayer denkt – trotz des guten Eindrucks – aktuell an eine Ausleihe an einen ambitionierten Zweitligisten, weil man auf der Flügelposition mit Heung-Min Son und Julian Brandt gut besetzt ist, dem Neuzugang aber Spielpraxis vermitteln will.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 09.01.14

    In der Rückrunde will LARS BENDER (24) voranmarschieren und bei Bayer Leverkusen eine Führungsrolle übernehmen.

    AUS LEVERKUSENS TRAININGSLAGER IN LAGOS BERICHTET FRANK LUßEM


    Bayer Leverkusen hat eine Vorrunde hinter sich mit vielen Punkten, aber Leistungen, die nicht immer zufriedenstellten. Stimmen Sie diesem Urteil zu, Herr Bender?

    Definitiv. So selbstkritisch sind wir, dass wir sehen, dass es ein paar Punkte gibt, die noch nicht stimmen. Die Rückrunde wird viel schwieriger und wir müssen in einigen Bereichen noch eine Schippe drauflegen.

    Wen sehen Sie als Hauptkonkurrenten?

    Mönchengladbach darf man auf keinen Fall unterschätzen, die spielen eine überragende Runde. Wenn in Dortmund alle an Bord sind, spielen die normalerweise um den Titel. Wolfsburg hat sich positiv entwickelt und Schalke darf man nie abschreiben.

    Welche Rolle spielt Lars Bender 2014 in diesem Team?

    Ich muss vorneweg gehen. Es gibt kein Versteckspiel. Ich muss eine Führungsrolle einnehmen, Verantwortung übernehmen.

    Hier im Trainingslager herrscht eine Menge Harmonie. Mag man bei Bayer kein Reizklima?

    Es zündelt schon hin und wieder. Vielleicht kriegt man das draußen nicht so mit. Wir sind keine Truppe, in der man sich gegenseitig auf’s Maul haut. Aber da fallen schon mal ein paar Sprüche. Hauptsache, es bleibt konstruktiv und keiner ist nachtragend. Das muss vermehrt kommen. Und das muss jeder abkönnen.

    Ihre Aufgaben im 4-3-3-System liegen vornehmlich in der Defensive. Ist Ihr Spiel dadurch unauffälliger geworden?

    Ja, die Position bringt das mit sich. Weil ich einfach weniger Gelegenheit habe, den Vorwärtsgang einzuschalten.

    Stört Sie das?

    Nein, das System ist ja gut. Dafür spricht ja, was wir in den vergangenen eineinhalb Jahren an Punkten geholt haben. Aber es ist schwierig, dann noch vorne reinzukommen. Ich würde es mir wünschen. Aber erstens sind die Wege mitunter sehr lang, zweitens müssen die Außenverteidiger, die bei uns ja extrem hoch stehen, abgesichert sein. Da kannst du nicht blind nach vorne laufen, weil du dann dem Gegner riesige Räume aufmachst. Dann schlägt es nämlich hinten ein.

    Warum tut sich Bayer spielerisch gegen tief stehende Gegner schwer?

    Da fehlen uns sicherlich die Mittel. Das haben wir ja auch in den beiden letzten Spielen gegen Frankfurt und in Bremen gemerkt. Da müssen wir Lösungen finden. Es bringt uns ja nichts, wenn wir mehr Ballbesitz haben, aber keine Chancen kreieren. Immer seitlich um die Box herumspielen, 60 Flanken reinschlagen und nichts kommt dabei heraus – das kann es ja nicht sein, da müssen wir mehr und bessere Lösungswege finden. Aber wir arbeiten hier im Trainingslager daran.

    Inwieweit sind Sie da gefordert?

    Ganz extrem, keine Frage. Da muss ich genauso voranmarschieren.

    Juckt es Sie nicht, einfach mal die Position aufzugeben und Ihre Dynamik vorne einzubringen?

    Das muss von mir ausgehen. Da bin ich als Führungsspieler gefordert. Aber es kann nur passieren, wenn alles aufeinander abgestimmt ist. Aber auch das sind Dinge, die wir uns hier erarbeiten. Da müssen wir dranbleiben.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 09.01.14

    Nach zwei Sperren werden Innenverteidiger gesucht

    Als Philipp Wollscheid im letzten Spiel der Hinrunde in der 90. Minute der Partie gegen Werder Bremen die Gelbe Karte sah, da wusste Sami Hyypiä, dass er sich für den Rückrundenauftakt einige Gedanken würde machen müssen. Mit Wollscheid ist nämlich bereits der zweite Innenverteidiger gesperrt, Emir Spahic muss wegen einer Roten Karte in Freiburg pausieren.

    Was also tun? Möglichkeiten gibt der Kader her. Malcolm Cacutalua, 19-jähriger U-20-Nationalspieler, bekommt in Lagos die Möglichkeit, sich zu zeigen. Auch Emre Can (19) kennt den Job, spielte für die Zweitvertretung der Bayern Innenverteidiger. Und schließlich ist da noch Stefan Reinartz (25), die wahrscheinlichste und erfahrenste Lösung. Er wurde wegen einer Entzündung an der Achillessehne lange Wochen schmerzlich vermisst, stieg nun aber wieder ins Mannschaftstraining ein. Auch er spielte lange Zeit Innenverteidiger und meint: „Mir sagt das zu, auch wenn ich im Mittelfeld stärker bin.“ Wer weiß, vielleicht wird er da ja auch bald wieder gebraucht: Gonzalo Castro hat aktuell vier Gelbe Karten auf dem Konto. Sperre droht …
    F.L.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 06.01.14 :LEV19

    LEVERKUSEN: Der Trainer-Vertrag soll bald verlängert werden

    AUS LEVERKUSENS TRAININGSLAGER IN LAGOS BERICHTET FRANK LUßEM

    Wie bei einem Boxer pendelt der Oberkörper hin und her, vor und zurück. Die Augen suchen ständig eine Lücke. Die Übung, die Sami Hyypiä seinen Profis an diesem Sonntagmorgen in Portugal verordnet hat, verlangt auch ihm als Schiedsrichter alles ab.

    Vier Teams spielen auf engstem Raum mit drei Ballkontakten, Länge und Breite des Platzes werden genutzt. Zwei große Tore und vier kleine sind das Ziel. Der Platz ist gerade mal 40 Meter lang und breit. Ständiges Ausweichen, kreuzen, sich orientieren und aus dem Weg gehen, dies alles in höchstem Tempo, fordern volle Konzentration. Vom Spieler, aber auch vom Beobachter, von den Trainern allemal, die das wuselige Geschehen ja noch be- und auswerten müssen. Eine intensive Übung zum Abschluss der ersten Einheit in Lagos, das Bayer zum dritten Mal in Folge gewohnt freundlich empfing: blauer Himmel, Temperaturen um die 18 Grad.

    Frühlingsgefühle kommen zwar nicht auf, doch man muss kein sonderlich aufmerksamer Beobachter sein, um festzustellen, dass ein Rädchen ins andere greift bei Bayer. Die positiv verlaufene Hinrunde trug natürlich zur Harmonie bei, doch man gewinnt den Eindruck, dass die Verantwortlichen über die Punktzahl hinaus überzeugt sind von der Arbeit ihres Trainers und seiner Assistenten. „Es ist super gelaufen bisher, sicherlich besser als gedacht“, bewertet Sportchef Rudi Völler die Zeit mit dem blonden Finnen auf der Kommandobrücke. Kein Wunder also, dass man in Leverkusen darüber nachdenkt, sich in absehbarer Zeit mit Hyypiä zusammenzusetzen, um über eine Ausweitung des bestehenden Vertrages zu sprechen.

    Bis 2015 besitzt dessen Arbeitspapier Gültigkeit, doch niemand macht einen Hehl daraus, dass man gerne über dieses Datum hinaus mit diesem Trainerteam (neben Hyypiä dessen Assistenten Jan-Moritz Lichte und Daniel Niedzkowski) arbeiten will. Völler: „Wir werden in absehbarer Zeit mit ihm reden.“

    Hyypiä quittiert dieses Ansinnen positiv: „Der Verein ist ein Risiko eingegangen, als er mich zum Trainer machte. Ich freue mich, dass es gut gelaufen ist. Wenn man mit mir sprechen will, dann bin ich offen.“ Allerdings gilt das nicht für die Zeit in Lagos: „Ich habe gelernt, dass es für jeden Trainer sinnvoll ist, sich total auf seine Arbeit zu konzentrieren“, sagt er, der aktuell noch an der Abschlussarbeit zur Erlangung der Trainerlizenz schreibt: „Im März müsste alles fertig sein.“ Gespräche also ja, aber erst nach der Vorbereitung. Denn die verlangt ihm ja bekanntlich alles ab.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 06.01.14