Beiträge von BayAddict

    Zufrieden, aber nachdenklich angesichts der Zukunft präsentiert sich Sportchef RUDI VÖLLER.

    Die anvisierte Punktlandung gelang. Am letzten Spieltag Platz vier gesichert und damit im Zielbereich angekommen – Bayer Leverkusen beendete mit dem 2:1 gegen Bremen die Saison „mit einem blauen Auge“, wie Torhüter Bernd Leno es ausdrückte, „ohne die Enttäuschung Platz fünf“, wie Sportchef Rudi Völler es formulierte.

    Platz vier also und die Chance, sich für die Gruppenphase der Champions League zu qualifizieren. Dies gelang mit der durchaus stattlichen Punktzahl von 61 Zählern, nur einmal in den vergangenen zehn Jahren wies ein Tabellen-Vierter einen größeren Ertrag auf, 2008/09 holte die Berliner Hertha 63 Punkte, damals allerdings in einer völlig anderen Konstellation, da trennten den Meister Wolfsburg gerade mal zehn Punkte vom Sechsten aus Dortmund.

    Die Gewichte haben sich verschoben, Titel scheinen aktuell in weite Ferne gerückt, mehr (für die Bayern) oder weniger (für den BVB) reserviert. Einem Klub wie Bayer Leverkusen bleibt als Maximalziel nicht viel mehr als Platz drei, und auch in diesen Bereichen wird es immer enger: „Wenn Wolfsburg finanziell die Ärmel hochkrempelt, dann werden wir es schwer haben. Von Leipzig ganz zu schweigen“, so Rudi Völlers Einschätzung nach der Partie am Samstag.

    Die Bayer AG scheint nicht geneigt, Transfers von der Größenordnung zu tätigen, mit der die DAX-Kollegen aus Wolfsburg die Fußball-Abteilung alimentieren. Deutlich über 40 Millionen Euro für Könner wie Kevin de Bruyne oder Luiz Gustavo sind ein Ding der Unmöglichkeit bei Bayer. Als man im vergangenen Jahr den Bremer Sokratis an der Angel hatte, wurde so lange über diese Investition diskutiert, bis der Spieler sich für Borussia Dortmund entschied.

    Immerhin: Mit 6,8 Millionen Euro für Josip Drmic (er unterschreibt einen Fünfjahresvertrag) und 5,5 Millionen für den Brasilianer Wendell wurde Geld in die Hand genommen, doch schon eine Verpflichtung von Hakan Calhanoglu scheint utopisch angesichts seiner Vertragsverhältnisse und der Mitbewerber.

    Wer also „nur Platz vier“ sagt, der verkennt die Realitäten. Es wird schwieriger, es sei denn, die Bayer AG entscheidet sich dazu, noch einmal richtig ins Spiel einzugreifen. Tut sie dies nicht, ist es wahrscheinlich, dass es in Zukunft für Platz vier nicht mehr reichen wird.
    F. Lußem


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 12.05.14

    LEVERKUSEN: Schweizer Angreifer hofft auf WM-Nominierung

    Ottmar Hitzfeld lässt sich ein paar Tage mehr Zeit als sein Kollege Joachim Löw. Erst am Montag gibt der Nationaltrainer der Schweiz sein Aufgebot für die WM in Brasilien bekannt – allerdings nominiert der Routinier nicht 30, sondern nur die 23 Akteure, die er dann auch mitnimmt.

    Für Eren Derdiyok (25) sind das spannende Tage. Denn nachdem der Angreifer den Zug verpasst zu haben schien, ist er plötzlich wieder in der Diskussion. „Zu Recht“, sagt Sascha Lewandowski, sein Trainer in Leverkusen. Derdiyok habe stark trainiert in den vergangenen Wochen, in Frankfurt gut gespielt: „Das war gar keine Überraschung, sondern Fortsetzung dessen, was sich im Training angedeutet hatte.“

    Lewandowski hatte zuletzt immer wieder betont, dass er Derdiyok gerne mehr Spielanteile gegeben hätte, die jeweiligen Spielverläufe dies aber nicht zugelassen hätten. Nach Stefan Kießlings Muskelfaserriss rückte der Schweizer dann nach. Eine auch kämpferisch starke Leistung inklusive einer Torvorbereitung in Frankfurt machen nun Appetit auf mehr. Und auch Derdiyok sagt: „Ich hoffe auf meine Chance.“

    Es ist nicht alles so gelaufen in seiner Karriere, wie er sich das erhoffte. Gesegnet mit einem Übermaß an Talent und Athletik, schaffte er es nach seinem Wechsel von Leverkusen zur TSG Hoffenheim und zurück zu selten, die Kritiker zu überzeugen. Gleichwohl bleibt die Gewissheit, dass er eine Menge kann. Hitzfeld schätzt an Derdiyok Erfahrung und Vielseitigkeit. Er könnte in der Nationalelf nicht nur statt, sondern neben Josip Drmic (21) spielen. Dem Mann, der seinen Platz einnehmen wird. Drmic absolvierte vergangene Woche den Medizin-Check in Leverkusen, wird in Zukunft neben Stefan Kießling stürmen.
    FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 08.05.14

    Auch – aber nicht nur – für BAYER LEVERKUSEN geht es um mehr als drei Punkte. Platz vier und ganz viel Geld steht auf dem Spiel.

    Geschichte wiederholt sich nicht? „Doch“, sagte einst Karl Marx, „aber wenn, dann nur als Farce!“ Hat der deutsche Philosoph, dessen Geburtstag sich am vergangenen Montag zum 196. Mal jährte, recht, dann steht Bayer Leverkusen womöglich ein ungemütlicher Samstag bevor.

    Sechs Jahre ist es her, da befand sich der Bundesligist vor dem letzten Spieltag der Saison in einer ähnlichen Situation. Als Tabellen-Vierter empfing Bayer damals (wie heute) den SV Werder Bremen. Es ging um die Sicherung des internationalen Wettbewerbs, der Fernkonkurrent hieß damals (wie heute) VfL Wolfsburg. Bayer unterlag Bremen in der Bay-Arena mit 0:1, rutschte auf Platz sieben und verpasste scheppernd alle Saisonziele. Wolfsburg gewann in Dortmund und zog in den UEFA-Cup ein. Das Last-Minute-Debakel kostete übrigens Bayer-Trainer Michael Skibbe seinerzeit den Job. Wahrlich ein krachender Saisonabschluss.

    Rudi Völler kann über diese Parallelen heute nur schmunzeln. „Sieht gut aus“, sagt er, „ist aber nicht zu vergleichen. Werder musste damals gewinnen, um sicher Zweiter zu werden. Und Platz vier hatte längst nicht die Bedeutung von heute.“ Also: Geschichte wiederholt sich nicht. Die Farce entfällt. Rang vier dient heute als Startrampe für die Teilnahme an der Champions League. „Es ist unser Endspiel“, sagt Rudi Völler über die Partie gegen seinen Ex-Klub. Den erwartet man bei Bayer ordentlich motiviert, Robin Dutt, vor zwei Jahren in Leverkusen entlassen, darf man getrost unterstellen, gegen die „Werkself“ besonders gern zu gewinnen. Sein ekstatischer Jubel nach dem 1:0-Sieg Werders in der Hinrunde ist allen gut in Erinnerung, eine Wiederholung nicht wirklich erwünscht.

    Knapp 60 Kilometer nördlich bemüht sich zur gleichen Zeit der FC Schalke um Besitzstandswahrung. Sportchef Horst Heldt sagt vor der Partie gegen die abstiegsbedrohten Nürnberger: „Wenn uns im Winter Platz vier angeboten worden wäre, hätte ich direkt unterschrieben. Jetzt wollen wir natürlich mit aller Macht Platz drei. Schon im Mai Planungssicherheit zu haben, wäre ein gewaltiger Pluspunkt.“

    Diese Sicherheit müsste sich der Vierte im August erst noch erarbeiten. Für ihn gilt: Der Aufstieg in die Königsklasse via Play-off-Runde würde rund 10 bis 15 Millionen Euro garantierte Mehreinnahme gegenüber derTeilnahme an der Europa League bedeuten.

    Was für Schalke und Leverkusen als Pflicht angesehen wird, wäre für Borussia Mönchengladbach der Jackpot, „eine Sensation“, wie Nationalspieler Max Kruse formuliert. Zwar ist da mehr schwärmerische Hoffnung als fester Glaube, doch die Borussen können auch mit der Realität gut leben: „Wir haben schon etwas Großes geschafft, indem wir uns zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren für den Europapokal qualifiziert haben. Jetzt liegt es in unseren Händen, auch die Gruppenphase der Europa League direkt zu erreichen“, sagt Sportdirektor Max Eberl. Ein eigener Sieg gegen Wolfsburg und eine Niederlage von Leverkusen – damit rechnet niemand in Mönchengladbach. Aber was ist an einem 34. Spieltag schon berechenbar? Alles? Nichts? Oder kommt es anders, als alle Experten denken?

    Lassen wir zum Schluss noch einen Philosophen zu Wort kommen. Der spanische Denker George Santayana (1863 – 1952) sagte sinngemäß, Geschichte wiederhole sich durchaus. Und zwar schmerzhaft – für den, der nicht aus ihr gelernt habe. Ein deutlicher Hinweis für Bayer Leverkusen.
    FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 08.05.14

    Bayer und der Club sind sich einig: Der Torjäger geht für rund 6 Mio. Euro nach Leverkusen. Auch für Calhanoglu liegt das Geld bereit

    Von Axel Hesse

    Der Vorgang unterliegt höchster Sensibilität. Nürnbergs Manager Martin Bader (46) und Leverkusens Bosse um Sportdirektor Rudi Völler (54) haben vereinbart, sich nicht zu äußern über den Transfer von Stürmer Josip Drmic (21). Beim Club soll keine weitere Unruhe aufkommen, um nicht die letzte Hoffnung auf den Klassenerhalt zu gefährden ...

    Bereits im März hatte SPORT BILD das Bayer-Interesse am Nürnberger Torjäger und kurze Zeit später die konkreten Gespräche der Vereine enthüllt. Jetzt ist alles geklärt: Drmic wird nächste Saison für Leverkusen spielen! Der Schweizer Nationalspieler hat sich wie der 1. FC Nürnberg mit den Rheinländern geeinigt.

    So läuft der Deal: Drmic, der vor dem Spiel bei Schalke 04 mit den Franken auf Platz 17 einen Punkt hinter dem HSV auf Relegationsplatz 16 liegt, soll beim Tabellen-Vierten einen Vertrag über vier Jahre erhalten. Unterschreiben wird er erst nach dem letzten Pflichtspiel der Saison. Wegen der möglichen Relegations-Teilnahme (Rückspiel am 18. Mai) kann sich das noch hinziehen.

    Bayer zahlt eine Ablöse von rund sechs Millionen Euro. Bei einem Nürnberger Abstieg hätte der Torjäger, der diese Saison 16 Treffer erzielt hat, ansonsten für eine niedrige festgeschriebene Summe gehen können: Die liegt nach Informationen von SPORT BILD allerdings nicht bei knapp fünf Millionen, sondern unter vier Millionen Euro. Drmic war vor einem Jahr für 2,2 Millionen Euro vom FC Zürich gekommen.

    Nun haben alle Parteien vor dem Liga-Finale PlanungssicherPlanungssicherheit – auch wenn das niemand offiziell bestätigt. Für Leverkusen, das sich mit einem Sieg am Samstag gegen Bremen erneut für die Champions League qualifizieren kann, ist das ein ganz wichtiger Baustein. Bayer hat nun neben Stefan Kießling (30) einen zweiten Top-Stürmer.

    Das ist aber erst der Anfang. Geschäftsführer Michael Schade sagt offen: „Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir einige Verstärkungen haben möchten.“ Rund 35 Millionen Euro stehen durch Transfer-Überschüsse im vergangenen Sommer und eine Umstrukturierung der Zahlungen des Bayer-Werks an die Fußball-Tochter für Zugänge zur Verfügung.

    Fest verpflichtet ist bereits der linke Außenverteidiger Wendell (20) von Grêmio Porto Alegre für rund 5,5 Millionen Euro. Für das offensive Mittelfeld soll Hakan Calhanoglu (20) vom Hamburger SV kommen. Der türkische Spielmacher würde etwas über zehn Millionen Euro Ablöse kosten.

    Da Bayer mit seinem neuen Trainer Roger Schmidt (47) seine Konter-Spielweise über den Haufen wirft (Völler: „Wir wollen es etwas anders machen. Pressing, Gegenpressing, dominant spielen.“), werden weitere Zugänge für Offensive und Defensive benötigt. Ein Top-Innenverteidiger soll ebenso kommen wie ein Außenverteidiger für die rechte Seite.


    Quelle: SportBild-Printausgabe vom 07.05.14

    Der Interimstrainer schafft zwar die Wende, geht aber in den Jugendbereich zurück, weil er da glücklicher ist

    Von Florian Wichert

    SPORT BILD: Herr Lewandowski, viele Trainer würden ihren rechten Arm für einen Cheftrainer-Job in der Bundesliga geben. Warum gehen Sie nach der Saison auf Ihren Posten als Nachwuchschef zurück?

    SASCHA LEWANDOWSKI (42): Ich unterscheide mich halt von anderen Trainern, ich bin ein anderer Typ. Bundesliga-Trainer auf Dauer, das ist nicht mein Naturell, nicht meine Persönlichkeit. Mir fehlen ein, zwei Dinge, um diesen Job langfristig auszufüllen. Zudem stehe ich nicht so gerne in der Öffentlichkeit. Ich habe für mich eine klare Entscheidung getroffen im letzten Sommer. Dabei bleibt es.

    Leverkusen hat deshalb nicht mal versucht, Sie zu überreden.

    Es wird neben meiner Grundsatz-Entscheidung oft eines übersehen, wenn es heißt: „Mach mal den Cheftrainer.“

    Und zwar?
    Ich habe hier eine Aufgabe als Nachwuchs-Cheftrainer, die einen noch größeren Stellenwert in den nächsten Jahren bekommen wird. Das fängt jetzt erst an, richtig intensiv zu werden. Davon kann und will ich mich nicht verabschieden. Wenn ich jetzt Cheftrainer werde, hinterlasse ich eine riesige Lücke. Die füllst du wesentlich schwerer, als wenn du einen neuen Cheftrainer holst.

    Für sechs Wochen haben Sie sich trotzdem davon verabschiedet.

    Dass ich sechs Wochen eingesprungen bin, ist kein Widerspruch. Bei einem Verein, für den ich seit Jahren arbeite und noch jahrelang arbeiten werde, kann ich mich nicht hinstellen und sagen: „Hm, da hab ich Bedenken.“

    Hatten Sie Kontakt zu Ihrem Vorgänger Sami Hyypiä nach dessen Entlassung? Sie waren noch vergangene Saison gemeinsam verantwortlich.

    Nein. Ich habe an dem Samstag kurz überlegt, aber dann war für mich klar: Ich wollte ihn nicht nerven. Und nötig war es auch nicht, weil ich das Trainerteam fast komplett übernommen habe. Ich habe aber die Vorstellung, dass wir am Ende der Saison hoffentlich etwas zu feiern haben. Er hat die Mannschaft den Großteil der Saison gecoacht, deshalb würde ich ihn persönlich einladen, um mit ihm ein Bier zu trinken.

    Wie haben Sie nach dem Rückrunden- Absturz in drei Spielen sieben Punkte geholt?

    Unser Ziel war, offensiv mehr Flexibilität reinzubekommen und defensiv aktiver zu verteidigen.

    Das wird kaum gereicht haben.

    Du hast nur sechs Wochen. Wenn es vorher nicht lief, kann es ein Mittel sein, Dinge anders zu machen – ob das am Ende besser ist oder schlechter. Aber: Weiter so? Das war keine Alternative.

    Also?
    Die Hauptarbeit findet hier unten statt (zeigt auf den Trainingsplatz): Platz, Kabine, Videoraum. Da musst du dir Selbstvertrauen holen. Und Selbstvertrauen ist oft die Summe der Lösungsmöglichkeiten, die ich für verschiedene Situationen habe.

    Das müssen Sie erklären!

    Wenn ein Spieler beispielsweise am Ball ist und unter Druck gesetzt wird, braucht er für diese Situation Lösungsmöglichkeit B und C an die Hand, wo er den Ball hinspielen kann. Hat er mehr Möglichkeiten, ist er auch selbstbewusster. Daran arbeiten wir.


    Quelle: SportBild-Printausgabe vom 30.04.14

    LEVERKUSEN: Das Spiel am Samstag gab einen Vorgeschmack auf die fußballerische Zukunft

    Es gab nicht viel, was vor diesem 32. Spieltag dafür gesprochen hatte, dass Bayer Leverkusen den vierten Platz hält. Die Charakterfestigkeit der Freiburger in Wolfsburg und die couragierte eigene Leistung gegen Dortmund sorgten schließlich dafür, dass aus dem Punkt gegen den BVB doch noch so etwas wie ein „Big Point“ wurde. Denn: „Wir haben alles in der eigenen Hand. Wenn wir die restlichen Spiele gewinnen, kann uns keiner von Platz vier verdrängen“, rechnete Gonzalo Castro vor.

    Tatsächlich also besitzt die „Werkself“ die Möglichkeit, eine verkorkste Rückrunde noch zu retten. Platz vier wäre zudem ein tolles Einstandspräsent für den neuen Trainer Roger Schmidt (47), dessen Verpflichtung am Freitag publik wurde, der Meister-Trainer von Red Bull Salzburg erhält einen Zweijahresvertrag.

    Mit ihm will Bayer seinen fußballerischen Stil verändern. Sascha Lewandowskis Ausrichtung für sein Team gab am Samstag einen Vorgeschmack auf das, was unter Schmidt verfeinert werden soll: aggressiv, nach vorne verteidigend, hoch attackierend, notfalls bis zum gegnerischen Torhüter. Taktisch mutig und selbstbewusst – so soll das neue Bayer Leverkusen aussehen. Darüber soll auch der mentale Aspekt mehr in den Mittelpunkt rücken. Aus der zuletzt zu oft nur noch reagierenden Truppe soll eine agierende, freche und selbstbewusste Mannschaft werden.

    Die Fachleute in Leverkusen wissen, dass es dazu einer gehörigen Blutauffrischung bedarf. Das Management wird das nötige Geld an die Hand bekommen. Die Namen der Angreifer Josip Drmic (Völler: „Ein interessanter Spieler, aber nicht nur für uns.“) oder Luc Castaignos (21, Twente Enschede, 17 Saisontore) stehen ebenso dafür wie der von Hakan Calhanoglu (20) vom Hamburger SV.

    Bedarf besteht auf jeden Fall – das zeigte bei aller Emsigkeit auch der Samstag – im Spielaufbau aus der Defensive. Zu viele Bälle gingen in dieser Saison auf dem Weg nach vorne verloren. Weder Ömer Toprak noch Emir Spahic sind Passspieler wie etwa der Dortmunder Mats Hummels. Ein konsequentes Vertikalspiel findet nicht statt. Die Umständlichkeit erlaubt es dem Gegner zu häufig, sich früh zu sortieren, Lauf- und Passwege zuzustellen und die Räume zu verengen.

    Klar ist: Beim Neuaufbau nach dem scheppernden Zusammenbruch in der zu Ende gehenden Rückrunde steht jede Menge Arbeit an. Doch Namen wie Son, Can, Brandt oder Öztunali stehen für Dynamik, fußballerische Klasse. Dass sie heute noch den einen oder anderen Flüchtigkeitsfehler zu viel im Repertoire haben, sei verziehen. Bei Platz vier ohnehin.
    F. Lußem


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 28.04.14

    LEVERKUSEN: Trainer von RB Salzburg ein Kandidat – Option beim Stürmer wird nicht gezogen

    Trotz des jüngsten Sieges gegen Hertha steht Bayer 04 in Nürnberg unter Zugzwang. Da die Werkself noch gegen den derzeit in Topform aufspielenden BVB ran muss, darf sie sich kaum noch einen Ausrutscher erlauben, will sie Rang vier verteidigen.

    Egal, ob dies gelingt oder nicht: Sascha Lewandowski wird nur bis Saisonende als Fußballlehrer der Bayer-Profis fungieren. Wer diese in der kommenden Saison trainieren wird, ist offen. Bei der Suche nach dem neuen Mann ist Roger Schmidt (47) von Red Bull Salzburg in den Fokus der Leverkusener Verantwortlichen geraten. „Bayer Leverkusen mischt mit“, bestätigt Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen. Der ehemalige Paderborner Trainer, bei der Eintracht der Wunschkandidat, müsste aus seinem bis 2016 laufenden Vertrag herausgekauft werden. Dies ist per Ausstiegsklausel für über eine Million Euro möglich. In jedem Fall wird sich Bayer bei der Auswahl, wie angekündigt, genügend Zeit nehmen.

    Denn dieser Schuss muss genauso sitzen wie die nächsten auf dem Transfermarkt. Nachdem man sich in dieser Saison einige Fehlgriffe erlaubt hat, müssen die Neuen für die kommende Saison eine Qualitätssteigerung nahezu garantieren. Dafür ist der Klub bereit, tiefer in die Tasche zu greifen als noch vor einem Jahr, als ein Transferüberschuss erwirtschaftet wurde.

    Bei zwei Kandidaten müsste der Werksklub sich mächtig strecken. Sowohl der Nürnberger Torjäger Josip Drmic (21), bei dem nur im Abstiegsfall eine Ausstiegsklausel über fünf Millionen Euro greift, würde andernfalls ebenso einen zweistelligen Millionenbetrag kosten wie Sadio Mané (22), den die Bayer-Verantwortlichen wiederholt bei Spielen von Red Bull Salzburg begutachten konnten und der auf beiden Flügeln sowie als hängende Spitze eingesetzt werden kann. Eine Nummer kleiner wäre der Niederländer Luc Castaignos (21) vom FC Twente. Früh zu Inter Mailand gewechselt und schnell in seine Heimat zurückgekehrt, gehört der schnelle Mittelstürmer noch eher in die Kategorie Talent, das sich noch endgültig beweisen muss, wäre aber für drei bis fünf Millionen Euro zu haben. Unabhängig davon, welche Angreifer kommen, besitzt Eren Derdiyok (25) keine Zukunft in Leverkusen. Der Schweizer konnte dem Verein in dieser Saison keine Argumente liefern, die Kaufoption für den von 1899 Hoffenheim ausgeliehenen Nationalspieler zu ziehen, die bei stolzen 4,5 Millionen Euro läge.

    Deutlich bescheidener fällt die Strafe des DFB-Sportgerichts für Rudi Völler aus. Der Sportdirektor hatte nach dem 1:2 in Hamburg Schiedsrichter Bastian Dankert als „13.Mann des HSV“ bezeichnet und muss dafür nun 8 000 Euro zahlen.
    STEPHAN VON NOCKS


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.04.14

    Als Nachfolger von Sami Hyypiä soll der neue, alte Trainer mit LEVERKUSEN Platz vier zurückerobern. Das ist kein leichter Job.

    Am Samstag kehrte Sascha Lewandowski dahin zurück, wo er eigentlich nie wirklich weg war. Nicht weg sein konnte, weil sein Job an der Nahtstelle vom Nachwuchs- zum Profifußball ihn eben auch immer mal wieder zur Bay-Arena, zur Lizenzmannschaft führte.

    Schon am Tag der Trennung von Sami Hyypiä hatte er sich mit dem Spielerrat verabredet und Profis angetroffen, die ihn „sehr vernünftig und selbstkritisch“ bei der Analyse unterstützten. Der Trainer macht sich freilich nichts vor: „Entscheidend ist, was geliefert wird.“

    Er muss eine zutiefst verunsicherte Mannschaft auf Aktivität und Aggressivität polen. „Umgekehrt wäre es leichter“, sagt er, weiß aber, dass er Bayer Leverkusen nicht als einigelndes Opfer präsentieren kann, das sein Selbstbewusstsein aus dem Ermauern von torlosen Unentschieden zieht. Der Auftrag ist klar: Platz vier muss bis zum 34. Spieltag zurückerobert werden, die Basis soll er legen für den erneuten Einzug in die Champions League.

    Lewandowski ist keiner, der sich über Aufgaben, die ihm gestellt werden, unnötig viele Gedanken macht. Würde er daran zweifeln, die Prüfung zu bestehen, hätte er den Job nicht angenommen.

    Wie es seine Art ist, will er die Sache offensiv angehen. Eloquent und mit großer Selbstverständlichkeit kehrte er auf die große Bühne zurück, er lässt keinen Zweifel daran, dass er sich für einen fähigen Bundesliga-Trainer hält. Ebenso glaubhaft versichert der 42-Jährige, dass es ihm überhaupt keine Probleme bereitet, am Ende der Mission wieder in den Job als Nachwuchs-Cheftrainer zu wechseln.

    Lewandowski – Bayers „getreuer Eckehardt“? Der, der immer einspringt, wenn sich die Personalie ganz oben verschlissen hat? Damit kann er leben. „Weil ich eine sehr große Identifikation zu meinem Verein habe. Ich fühle mich hier gut aufgehoben.“ Weshalb er seinen Vertrag unlängst bis zum 30. Juni 2019 verlängerte. Dieses gegenseitige Vertrauen lässt negative Gedanken erst gar nicht aufkommen.

    Der Zwischen-Job („Es geht definitiv nur um diese fünf Wochen!“) birgt beiderseits Vorteile, weil Lewandowski weiß, mit wem er es zu tun hat. Er kennt einen Großteil der Profis, besitzt die Vollmacht, rigoros durchzugreifen. Und kann so nicht nur mit Platz vier entscheidende Weichen für die nähere Zukunft stellen. Die Spieler selbst wissen, dass sein Urteil in der Chef-Etage Gewicht hat. In Zeiten des angedrohten Umbruchs ist es also angeraten, zu laufen – schnell, viel und zielgerichtet.

    Seine Arbeit muss er facettenreich gestalten. „Positive Emotionalität“ will er fördern, auch aus diesem Grund holte Bayer mit dem hyperaktiven Peter Hyballa – ein anerkannter Fachmann, der als Trainer in Aachen und Österreich häufig seinem Temperament zum Opfer fiel – einen „Heißmacher“ an seine Seite. Mit ihm gemeinsam will er die Stimmung aufpeppen, Qualität und Intensität des Trainings sollen parallel dazu gesteigert und die taktische Flexibilität erhöht werden: „Wir brauchen immer einen Plan B und möglichst noch einen Plan C.“ Der fehlte zuletzt, ebenso Handlungsschnelligkeit und selbst beim Einmaleins mit „stoppen, passen, schießen“ offenbarten die Profis elementare Probleme. „Wenn wir uns mit dem Wie beschäftigen und gut arbeiten, dann erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit auf gute Ergebnisse“, sagt Lewandowski.

    Wie konnte es so weit kommen? Wie können wir es ändern? Zwei „Wie“-Fragen, die Bayers Profis ergründen und beantworten müssen. Möglichst schnell. Möglichst auf dem Platz.
    FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 10.04.14

    Konzern ermöglicht größeren finanziellen Spielraum. Bis 40 Millionen Euro sind im Sommer für Stars da. Top-Kandidat ist Drmic aus Nürnberg

    Von Axel Hesse

    Was Leverkusens Profis am Samstagmorgen um kurz nach 11 Uhr zu hören bekamen, klingelt noch immer in ihren Ohren. Klub-Boss Michael Schade (61) rechnete in seiner siebenminütigen Kabinen-Ansprache, in der er den Trainerwechsel von Sami Hyypiä (40) zu Sascha Lewandowski (42) verkündete, mit den enttäuschenden Kickern ab!

    „Sami bezahlt die Rechnung für uns alle“, schleuderte Schade den Spielern nach nur einem Sieg aus zwölf Pflichtspielen entgegen. „Ich will nicht in die Europa League. Ich will nicht bei minus 20 Grad am Ural spielen. Ich will in die Champions League. Ich habe Verständnis für Formkrisen, aber nicht für mangelndes Engagement!“ Schade bricht verkrustete Strukturen bei Bayer auf.

    Er versucht, mit Sportdirektor Rudi Völler (53) die Wohlfühl-Oase Bayer abzuschaffen. Es soll keine leere Drohung sein, dass es im Sommer „gravierende Änderungen im Kader“ gebe. Ein Umbruch ist geplant, unabhängig von Verträgen und Verdiensten.

    In allen Mannschaftsteilen wird aufgeräumt. In der Abwehr wackeln Sebastian Boenisch (27), Andrés Guardado (27), Giulio Donati (24), Roberto Hilbert (29). Im Mittelfeld droht Gonzalo Castro (26), Jens Hegeler (26) und Simon Rolfes (32) das Aus. Der nach Zagreb ausgeliehene Stürmer Junior Fernandes (25) braucht nicht zurückzukehren, Eren Derdiyok (25) muss wieder nach Hoffenheim.

    Völler sagt: „Wir dürfen den Anschluss nicht verlieren. Wir werden investieren.“ Weil ein Umbau richtig teuer ist, wurde nach Informationen von SPORT BILD intern bereits vorgesorgt: Jetzt gibt es sogar noch mehr Kohle von Bayer!

    Bisher kassiert die Fußball- Tochter des Chemie-Konzerns 25,2 Millionen Euro pro Saison von der AG. In diesem Sommer fließt wesentlich mehr. Dafür wurde ein neues Konzept ausgearbeitet: Statt für eine Saison stellt der Konzern in Zukunft Geld für drei Jahre zur Verfügung. Bedeutet: Schade und Völler können über 75 Millionen Euro selbst aufteilen!

    Weil im vergangenen Sommer ein Transfer-Überschuss von rund 15 Millionen Euro erzielt und diesmal in der Champions League circa 27 Millionen Euro umgesetzt wurden, kann Bayer 04 durch die neue interne Verteilung im Sommer auch 35 oder 40 Millionen Euro in die Mannschaft buttern! Auch die interne Obergrenze von zehn Millionen Euro Ablöse für einen Spieler fällt offenbar.

    Zuvor muss die aktuelle Mannschaft mit Interimstrainer Lewandowski die erneute Qualifikation zur Königsklasse sichern. Durch das 1:2 in Hamburg rutschte Leverkusen auf Platz fünf ab, punktgleich mit Gladbach. Aber nur wenn es zu Champions-League-Platz vier reicht, kriegt Leverkusen seine Wunsch-Stars.

    Ganz oben auf der Liste steht Nürnbergs Stürmer Josip Drmic (21). Bei einem Club-Abstieg kann er für fünf Millionen Euro gehen, bei Klassenerhalt ist die Ablöse frei verhandelbar. Bayer pokert schon.

    Kommen soll auch Außenverteidiger Sebastian Jung (23) aus Frankfurt. Der hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er am liebsten noch länger unter Armin Veh (53) arbeiten würde. Der verlässt Frankfurt – und gehört zu den Trainer-Kandidaten bei Bayer.

    Leverkusen will nach dem stoischen Hyypiä einen emotionaleren und kommunikativeren Trainer. In das Profil passen auch der Mainzer Thomas Tuchel (40) und Augsburgs Markus Weinzierl (39). Beide stehen bei ihren Klubs aber nicht nur über die Saison hinaus unter Vertrag, sondern auch persönlich bei ihren Chefs im Wort. Sie wird Bayer deshalb wohl nicht bekommen.

    Kein Kandidat ist derzeit entgegen allen Spekulationen Thomas Schaaf (52). Entscheidender Grund: Der ehemalige Trainer von Werder Bremen gilt als ähnlich reserviert wie Sami Hyypiä ...


    MEINE MEINUNG:
    Jochen Coenen - Chefredakteur

    Auch Völler muss sich verändern!
    Nach dem Sturz auf Platz fünf sagt Sportdirektor Rudi Völler, dass Leverkusen mit neuen Spielern die Mentalität der Mannschaft ändern werde. Gut wäre es auch, wenn er selbst nicht immer schon vor Saisonbeginn den Bayern zur Meisterschaft gratulieren würde. Das fatale Zeichen an die Spieler: Der Boss schenkt den Titel ab. Ein feines Alibi! Natürlich ist Bayern immer Favorit. Aber im Fußball muss man an große Ziele glauben. Es sollte sich also nicht nur die Mentalität in der Mannschaft, sondern auch in der Führung ändern. Gut ist auf jeden Fall, dass Michael Schade neuer Bayer-Boss ist. Er löste Wolfgang Holzhäuser ab. Der hatte sich das „Vizekusen“, also den Misserfolg, sogar patentieren lassen. Welch ein Quatsch!


    Quelle: Sport Bild - Printausgabe vom 09.04.14

    LEVERKUSEN: Massive Änderungen im Kader

    Sami Hyypiä (40) kämpft um seinen Job. Jeden Tag – in der Kabine, auf dem Trainingsplatz, in der Coaching Zone. Die Medien meidet der Finne weitgehend. Nicht, weil er nichts zu sagen hätte. Vielmehr, weil er nicht in den Verdacht geraten möchte, seine Haut in der Öffentlichkeit zu retten.

    Große Professionalität strahlt der Mann auch in dieser schwierigen Situation aus. Für genau dies stand er während seiner langen Karriere. Dennoch muss er sich fragen lassen, wie passieren konnte, was passiert ist. „Diese Fragen stelle ich mir jeden Tag“, sagt Hyypiä, der bekennt, „dass ich gerade jetzt sehr viel lerne.“

    Ob er die gewonnen Erkenntnisse noch in Leverkusen wird einbringen und umsetzen können, liegt auch am Freitag in Hamburg allein wieder in der Hand der Profis. Deren Leistung hatte am vergangenen Samstag einen Tiefpunkt erreicht, den man sich vorher nicht hatte vorstellen können. Bälle sprangen bei der Annahme meterweit weg, Pässe aus zehn Metern landeten fünf Meter neben dem Adressaten, unfreiwillig artistische Versuche, auf Kniehöhe direkt zu spielen, versetzten die Beobachter zunächst in Erstaunen, dann in Entsetzen.

    Bernd Leno, einer der wenigen Spieler, die in dieser Phase Normalform zeigen, appellierte am Mittwoch an die Kollegen: „Wir müssen endlich anfangen, Gas zu geben“, schimpft der nach kicker-Noten zweitbeste Torhüter der Bundesliga. Und er klagt an: „Wir haben den Trainer im Stich gelassen. Wir haben ihm viel zu verdanken. Er hatuns top eingestellt, wir haben nichts umgesetzt. Er versucht alles und wir liefern solch eine Katastrophe ab wie gegen Braunschweig.“ Lenos Forderung: „Wir müssen jetzt für ihn spielen. Wir dürfen Sami nicht im Stich lassen!“ Die Verunsicherung, die vom Team Besitz ergriffen hat, müsse man aktiv bekämpfen: „Spielerisch werden wir da nicht rauskommen, das geht nur über Kampf!“ Für den Fall, dass der Turnaround nicht geschafft wird, malt der Torhüter schon mal einen kleinen Teufel an die Wand: „Wir wollen in die Champions League. Und nicht nächste Saison unter der Woche daheim sitzen.“

    Der viel zitierte „Prüfstand“ wird auf jeden Fall wieder einmal gut gefüllt. Alles soll drauf, Geschäftsführer Michael Schade kündigte am Wochenende gar „gravierende Änderungen im Kader“ an.

    Hintergrund I: Bayer will weg vom 4-3-3. Die Zentrale soll verstärkt werden, spielerisch starke Zehner stehen auf der Fahndungsliste.

    Hintergrund II: Nachdem bereits Rudi Völler für die kommende Spielzeit „einen Kracher“ ankündigte, nährt auch Schades Äußerung die Hoffnung der Fans, dass Bayer etwas tiefer in die Tasche greift. Denn: Gravierende Änderungen kosten auch gravierend mehr Geld, will man sich verbessern und nicht nur diffus breiter aufstellen. Deutlich markierte Zielgebiete für Qualitätssteigerungen im Kader gibt es zuhauf. So viel steht nach den gezeigten Leistungen der vergangenen Wochen fest.
    FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 03.04.14

    Beim HSV muss Bayers Trainer gewinnen. Boss droht Spielern: „Gravierende Änderungen“ im Sommer

    In der Kabine von Bayer Leverkusen war es richtig laut. Der sonst so ruhige Trainer Sami Hyypiä (40) blaffte seine Spieler an: „Wir müssen reden. Woran liegt es?“ Dann forderte er die hochbezahlten Kicker auf, den Absturz zu erklären. Er bekam am Montag vergangener Woche nach dem 2:3 gegen Hoffenheim kritische und selbstkritische Antworten. Am Ende verpuffte aber auch diese Maßnahme.

    Erst 3:1 am Mittwoch in Augsburg, dann der Rückfall gegen Braunschweig (1:1) am Samstag. Das versetzt den Klub in Alarmbereitschaft. Noch steht Bayer zwar auf Champions-League-Platz vier. Aber der Vorsprung auf Wolfsburg beträgt nur noch einen Punkt. Sportdirektor Rudi Völler (53) wird deutlich: „Das Spiel in Hamburg ist jetzt ein Schlüsselspiel für unsere Ziele.“

    Und für Hyypiä. „Sami sitzt in Hamburg auf der Bank“, sagt Klub- Boss Michael Schade. „Wir wollen mit diesem Konstrukt durch die Saison gehen.“ Völler fügt hinzu: „Sami ist die ärmste Sau bei so einer Vorstellung.“ Als sicher gilt dennoch: Gibt es Freitag beim Vorletzten HSV wieder keinen Sieg, muss Hyypiä gehen. Der Nachfolger, zumindest bis Saisonende, ist schon da: Sascha Lewandowski (42), der Bayer vergangene Saison gemeinsam mit Hyypiä in die Champions League geführt hat, arbeitet derzeit im Bayer-Nachwuchs. Seine Aufgabe wäre es, die Mannschaft erneut in die Königsklasse zu hieven.

    Vor dem Aus steht indes nicht nur Hyypiä. „Es wird gravierende Änderungen im Kader geben“, kündigt Schade drastische Einschnitte an. „Wir müssen genau analysieren, ob wirklich jeder Spieler bereit ist, für gutes Geld auch eine gute Leistung zu erbringen.“ Derzeit ist das nicht der Fall. Bis zum 15. Spieltag holte Leverkusen 2,46 Punkte im Schnitt, war Bayern-Jäger. Seitdem sind es 0,85 Punkte. Sogar der Sturz raus aus den Europa-Rängen ist möglich. Mainz auf Platz sieben hat gerade mal vier Punkte Rückstand. Das lässt sich nicht allein daran festmachen, dass Hyypiä die taktische und spielerische Arbeit hat schleifen lassen. Leistungsträger wie Lars Bender (24), Emir Spahic (33), Simon Rolfes (32), Gonzalo Castro (26) oder Heung-Min Son (21) spielen seit Wochen weit unter Niveau.

    „Das Problem ist das fehlende Selbstvertrauen. Einige Spieler sind froh, wenn sie den Ball weiterleiten können, um bloß keine Verantwortung zu übernehmen“, sagt Schade. „Wir haben derzeit nicht die Führungsfigur, die den Rest mitreißen könnte.“ Der fehlende Mumm war schon häufig das Bayer-Problem. Und jetzt ist es wieder da ...


    Quelle: SportBild-Printausgabe vom 02.04.14

    Als Opfer seines schwächelnden Teams präsentiert sich SAMI HYYPIÄ (40). Seine Zeit bei Bayer neigt sich wohl dem Ende zu.

    Es liegt an den Profis von Bayer Leverkusen, ob ihr Trainer auch nach dem Spiel beim HSV noch Sami Hyypiä heißt. Eine ähnliche Vorstellung wie gegen Eintracht Braunschweig wird den Finnen wohl den Job kosten – er wäre gescheitert an der Mentalität seiner Spieler, der eigenen Unerfahrenheit, den Fehlern, die im Umfeld begangen wurden und den Verein in unterschiedlich langen Abständen einholen.

    Bayer Leverkusen, da beißt die Maus keinen Faden ab, arbeitet seit Jahren relativ erfolgreich. Doch seit Wochen wird ein guter Gesamteindruck aufs Spiel gesetzt, ja fast zerstört durch eine Entwicklung, von der alle überrollt wurden.

    Was läuft schief? Wohin führt die Entwicklung?

    Heute, in dieser schwierigen Situation, rächt sich, dass Sami Hyypiä – der ja bei aller Klasse als Spieler ein unerfahrener Trainer ist – kein routinierter Co-Trainer zur Seite gestellt wurde. Seine Assistenten Jan-Moritz Lichte und Daniel Niedzkowski verfügen in dieser Situation nicht über die nötige Akzeptanz im Kader, können aufkeimende Probleme weder beeinflussen noch abfedern.

    Jahrelang durfte sich die Abteilung „Einkauf“ feiern lassen. Zu Recht. Doch vor dieser Saison griffen Rudi Völler, Michael Reschke und Jonas Boldt in zu vielen Fällen daneben. Von Giulio Donati und Roberto Hilbert über Emir Spahic bis hin zu Heung-Min Son, Eren Derdiyok oder Andres Guardado ist viel zu viel Mittelmaß dabei. Die wirtschaftlichen Zwänge, die von der Bayer AG auferlegt werden, bergen dieses Risiko. Kaliber vom Schlage eines Sokratis oder Aubameyang sind gegen die Konkurrenz so eben nicht realisierbar. Man jubelt über Verpflichtungen von Top-Talenten wie Brandt und Öztunali, vergisst dabei aber, dass die aktuell wenig helfen können. Bayer verfügt über keinen Außenverteidiger von Klasse, trotzdem entschloss der Trainer sich nicht zu einer Modifizierung des Systems – das auf eben diesen Spielertypen angewiesen ist. Mittlerweile ist ein System gar nicht mehr erkennbar. Bayer spielte am Samstag, als hätten sich elf Unbekannte zufällig auf der Schwimmbad-Wiese zum Freizeitkick getroffen. Hyypiäs größtes Ärgernis: Ein Stefan Kießling beweist, wie man eine Krise bekämpfen und besiegen kann. Fußballerisch hochbegabte Profis wie Bender, Castro, Derdiyok, Sam oder Son aber kämpfen diesen Kampf nicht erkennbar verzweifelt, ergeben sich irgendwann in ihr temporäres Schicksal, entfernen sich innerlich vom Trainer, um dann beim Nachfolger wieder Vollgas zu geben. Wie es auch ausgeht – im Sommer dürfte die Zeit von Sami Hyypiä enden. Die gegenseitigen Zweifel dürften mittlerweile zu groß sein. Wie stilvoll es abläuft, darüber entscheiden die Profis.

    INFO
    Kießling in den Top 25
    In seinem 307. Bundesligaspiel erzielte Stefan Kießling sein 125. Tor, liegt in der ewigen Torschützenliste auf Platz 25. Der Leverkusener traf nun gegen alle 18 aktuellen Bundesligisten.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 31.03.14

    Statt der erhofften Wende erlebt LEVERKUSEN den nächsten Nackenschlag. So droht die Werkself endgültig alle Saisonziele zu verspielen.

    Vor dem Anpfiff hatte Sami Hyypiä noch Zuversicht ausgestrahlt: „Ich bin überzeugt, dass unsere schwere Periode heute vorbei ist“, sagte Leverkusens Trainer im Sky-Interview, „heute werden wir zeigen, was für eine Mannschaft wir sind.“ Was folgte, war freilich zunächst ein spielerischer Offenbarungseid, jedenfalls bis zur Pause. Danach zeigte Bayer zwar immerhin Moral – wurde mit dem 2:3 kurz vor Schluss aber eiskaltausgeknockt. Aus dem viel beschworenen Befreiungsschlag in Form eines „Dreiers“ wurde wieder nichts. Seit dem 1:0 in Gladbach am 7. Februar wartet Bayer damit weiterhin auf den 500. Sieg seiner Bundesliga-Historie.

    Am Ende nützt eben auch die engagierteste Leistung nichts, wenn es fußballerisch vorne und hinten nicht stimmt. Bayer Leverkusen ist nach der erneuten Pleite tatsächlich drauf und dran, noch sämtliche Saisonziele zu verspielen. An die direkte Champions-League-Qualifikation brauchen Simon Rolfes und Kollegen in der momentanen Verfassung und bei inzwischen sechs Zählern Rückstand auf Schalke ohnehin keinen Gedanken zu verschwenden. Vielmehr ist sogar Platz vier längst ins Wanken geraten. „Ich habe keinen Bock auf die Europa League“, meinte Lars Bender nach Abpfiff kämpferisch. Doch wäre angesichts des Trends sogar der jähe Absturz aus den Europa-League-Rängen eine logische und verdiente Konsequenz.

    Denn was die Werkself seit dem 16. Spieltag präsentiert, ist Abstiegskampf – ungewöhnlich im oberen Drittel, aber wahr. Sieben Zähler aus elf Spielen, die Bilanz eines Abstiegskandidaten. Und die Leistung war häufig genug dementsprechend, auch am gestrigen Sonntag lange konzeptlos und mit individuellen Unzulänglichkeiten gespickt. „Jeder weiß, dass wir in diesen Spielen entscheidend punkten müssen“, hatte Geschäftsführer Michael Schade vor Beginn der englischen Wochen unmissverständlich gefordert. Ein frommer Wunsch.

    Seinen Anteil daran besaß auch der schwache Schiedsrichter Dr. Jochen Drees, nicht nur mit der Fehlentscheidung Handelfmeter. Den größeren Part übernahmen die Spieler: Roberto Hilbert, der mit seiner Dusseligkeit seinen vierten Elfmeter verschuldete. Andres Guardado, der sich beim 1:2 wie ein taktischer Embryo verhielt und Volland auf Sicht deckte. Heung-Min Son, der alles schuldig blieb, ebenso Bender, der trotz Kampf und Laufbereitschaft für einen Führungsspieler viel zu wenig Führung übernimmt. Angesichts des desaströsen Einbruchs müssen die Verantwortlichen in ihrer Saisonanalyse die Qualitätsfrage stellen. Auch bezüglich etlicher Profis, die bislang als unantastbar galten.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 24.03.14

    Tut mir eigentlich ziemlich weh, dass sagen zu müssen aber momentan merkt man dem Sami eine gewisse Hilflosigkeit an und genau jetzt macht sich die viel beschriebene fehlende Erfahrung deutlich bemerkbar. Als Mensch und Spieler zweifelsohne eine Koryphäe aber leider wohl nicht mehr der richtige Mann für unsere (sag`s mal gelinde) "sensible" Truppe.

    Einer wie Veh stünde uns wohl am allerbesten zu Gesicht. (hat eine gewisse Erfahrung und "Eier" ...) Aber wie schon beschrieben, wird wohl nicht realisierbar.

    Folge der Bayer-Krise: Nürnbergs Torjäger soll kommen. Kießling verliert dann seinen Status. Trainer Hyypiä unter Beobachtung
    Von Axel Hesse

    Drei große Ziele verfolgt Josip Drmic (21). Der Stürmer des 1. FC Nürnberg will ein Haus in seiner Heimat, der Schweiz, bauen, zudem einen Lamborghini Aventador mit 700 PS (313 000 Euro) fahren und in Zukunft „für einen internationalen Top-Verein spielen“, wie er sagt.

    Mit dem Wechsel geht es wohl am schnellsten. Wie SPORT BILD erfuhr, jagt Bayer Leverkusen jetzt den Torjäger der Franken!

    Zwölf Treffer hat Drmic diese Saison schon erzielt. Das macht den Schweizer Nationalspieler, der im vergangenen Sommer für eine Ablöse von 2,2 Millionen Euro vom FC Zürich zum Club gewechselt war, so begehrt. Hertha BSC ist interessiert, der FC Arsenal hat sich erkundigt. Und jetzt greift Leverkusen richtig an! Die Rheinländer, die Drmic intensiv beobachten, haben beste Chancen. Denn: Hertha ist Mittelmaß, bei den Londonern würde er vorerst als Backup für die Stars gesehen. In Leverkusen wäre er voll eingeplant.

    Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler (53) hatte in SPORT BILD angekündigt: „Es wird im Sommer einige Veränderungen geben. Und wir werden auch im Rahmen unserer Möglichkeiten wieder einen größeren Transfer tätigen.“

    Drmic hat für den Fall eines Nürnberger Abstiegs eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag bis 2017, könnte dann für 3,5 Millionen Euro wechseln. Retten sich die Franken, die nach dem 1:2 beim HSV zwei Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz haben, wäre die Ablöse frei verhandelbar. Der Marktwert von Drmic liegt derzeit bei sieben Millionen Euro. Club-Manager Martin Bader: „Ich werde mich nicht hinstellen und sagen, Josip ist unverkäuflich.“

    Bayer signalisiert mit dem Interesse an Drmic: Stefan Kießling (30) verliert den Status als uneingeschränkt gesetzter Angreifer. Das ist eine Folge der Krise mit nur zwei Siegen aus den letzten 13 Pflichtspielen. Bayer droht sogar komplett aus dem internationalen Geschäft rauszufliegen, ist in der Rückrunde schon von Platz zwei auf vier abgerutscht! Aber auch dann wäre genug Geld da.

    Eren Derdiyok (25),derzeit von Hoffenheim ausgeliehen, um in Notfällen einzuspringen, verlässt den Verein im Sommer wohl wieder. Mit einem weiteren Top-Stürmer wäre Bayer taktisch flexibler, könnte mit zwei Spitzen spielen.

    Fest steht als Zugang der linke Außenverteidiger Wendell (20), der von Grêmio Porto Alegre kommt. Gesucht wird ein Innenverteidiger, da Emir Spahic (33) in großen Spielen Schwächen zeigt. Darüber hinaus wird Leverkusen nach dem Abgang von Sidney Sam (26) im Sommer zu Schalke im Mittelfeld nachlegen. Ein Kandidat: Nicolai Müller (26) aus Mainz.

    Unter Beobachtung steht wegen der Talfahrt auch Trainer Sami Hyypiä (40). An der Persönlichkeit gibt es keine Zweifel. Allerdings bringt er die Mannschaft taktisch nicht weiter. Das Konter-Spiel haben die Gegner durchschaut. Dem Finnen fällt nichts Neues ein. An der Entwicklung in der letzten Saison hatte der akribische Fußball-Lehrer Sascha Lewandowski (42) als gleichberechtigter Hyypiä-Partner wohl einen größeren Anteil als angenommen. Der ist nun wieder im Nachwuchs tätig.


    Quelle: SportBild-Printausgabe vom 19.03.14

    Torjäger findet den Weg aus der Krise, seine Sturm-Kollegen noch nicht

    Die Krise bei Bayer 04 ist auch eine Krise der Offensive. Nur in zwei der letzten elf Ligaspiele gelang der Hyypiä-Elf mehr als ein Treffer (2:3 in Freiburg, 2:1 gegen Stuttgart). Eine Durststrecke, die auch an dem Torjäger der Werkself nicht spurlos vorbeigegangen war. Nur einen einzigen Treffer hatte Stefan Kießling vor der Partie in München in den jüngsten zehn Ligaspielen erzielt.

    Ausgerechnet in der Partie bei den Bayern, in dem Kießling und Co. gerade mal auf 22 Prozent Ballbesitz kamen, setzte der 30-Jährige Zeichen: Kießling kämpfte, behauptete den Ball, hatte mit 21 Kontakten vor der Halbzeit dreimal so viele wie Bayern-Mittelstürmer Mario Mandzukic, legte Heung-Min Son mit einem feinen Pass eine Hundertprozentige auf – und traf zur Belohnung für seine couragierte Leistung in der Nachspielzeit. Lieferte Kießling bis dahin nur eine Indizienkette dafür, dass seine Torflaute bald enden könnte, so ließ er mit seinem Tor den Beweis folgen.

    Während der Angreifer nach der Partie schwieg, ordnete Kapitän Simon Rolfes die Bedeutung des Treffers ein: „Ein Stürmertor – das kann für die kommenden Wochen gut sein.“ Denn nicht nur für Kießling waren Erfolgserlebnisse zuletzt rar: Auch Son und Sidney Sam (jeweils ein Treffer in ihren letzten zehn Ligaeinsätzen) wissen, wie sich eine Torkrise anfühlt.


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.03.14

    LEVERKUSEN: Die Probleme in der Offensive machen Bayer zu schaffen

    Da fuhr Sami Hyypiä (40) gehörig der Schreck in die Glieder, als er am Dienstagabend am Fernseher anschauen musste, wie Emre Can beim Spiel der U 21 in Spanien vorzeitig ausgewechselt wurde. Am Mittwoch stellte sich heraus, dass der Finne in diesen Tagen doch noch Glück hat: Can litt zwar unter muskulären Problemen, sein Einsatz am Samstag aber steht nicht auf der Kippe. Auch Lars Bender, der wegen einer Muskelverhärtung die Nationalmannschaft vorzeitig verließ und in Leverkusen behandelt wurde, wird wohl spielen können.

    Gemeinsam mit Gonzalo Castro soll dieses Duo die Mittelfeldreihe bilden, die zuletzt einiges an Aggressivität und Fähigkeit zum Gegenpressing vermissen ließ. Vor allen Dingen Emre Can gilt mit seiner Präsenz als einer der Bayer-Profis, die Führung auf dem Rasen übernehmen können – dringend benötigte Führung, nachdem zuletzt doch so manches aus dem Ruder lief.

    Zwar kann man den Stimmen folgen, die sagen, Bayer habe in der Rückrunde eben nicht mehr das Glück, das die „Werkself“ vor der Winterpause auf Platz zwei katapultierte. Aber die Entwicklung nur mit Pech zu begründen, wäre fahrlässig.

    Die kurzfristigen Analysen werden auch den Hauptpersonen zeigen, dass Bayer seit Wochen die fußballerischen Mittel fehlen, um einen anständig organisierten Gegner zu knacken. Sidney Sam findet nicht mehr den Weg auf die zentrale Position, ein Zusammenspiel mit dem bedauernswerten Stefan Kießling findet nicht satt. Auch weil Sams Pendant Heung-Min Son sich mehr denn je als reiner Abschlussspieler präsentiert. So agiert die Dreierreihe im Sturm ohne jegliche Verbindung untereinander, ein jeder trudelt wie im luftleeren Raum und versucht, was ihm gerade einfällt – nicht aber, was die Situation vorschreibt. Hier kann Can zum Bindeglied werden, nach vorne stoßen und Lücken füllen, Vehemenz, Präsenz und Torgefahr einbringen. Eine Aufgabe, die ihm auf den Leib geschneidert scheint. Klar ist: Sami Hyypiä muss nun Handlungsfähigkeit nachweisen, im Idealfall mit Handlungen, die endlich wieder Punkte bringen. So wie bisher, da herrscht Einigkeit, kann es nicht weitergehen. Er muss Gelbe Karten verteilen an jene, die immer noch denken, sie trügen keine Schuld. Hyypiä muss so sein, wie früher auf dem Rasen: hart und kompromisslos.
    FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 06.03.14