Zufrieden, aber nachdenklich angesichts der Zukunft präsentiert sich Sportchef RUDI VÖLLER.
Die anvisierte Punktlandung gelang. Am letzten Spieltag Platz vier gesichert und damit im Zielbereich angekommen – Bayer Leverkusen beendete mit dem 2:1 gegen Bremen die Saison „mit einem blauen Auge“, wie Torhüter Bernd Leno es ausdrückte, „ohne die Enttäuschung Platz fünf“, wie Sportchef Rudi Völler es formulierte.
Platz vier also und die Chance, sich für die Gruppenphase der Champions League zu qualifizieren. Dies gelang mit der durchaus stattlichen Punktzahl von 61 Zählern, nur einmal in den vergangenen zehn Jahren wies ein Tabellen-Vierter einen größeren Ertrag auf, 2008/09 holte die Berliner Hertha 63 Punkte, damals allerdings in einer völlig anderen Konstellation, da trennten den Meister Wolfsburg gerade mal zehn Punkte vom Sechsten aus Dortmund.
Die Gewichte haben sich verschoben, Titel scheinen aktuell in weite Ferne gerückt, mehr (für die Bayern) oder weniger (für den BVB) reserviert. Einem Klub wie Bayer Leverkusen bleibt als Maximalziel nicht viel mehr als Platz drei, und auch in diesen Bereichen wird es immer enger: „Wenn Wolfsburg finanziell die Ärmel hochkrempelt, dann werden wir es schwer haben. Von Leipzig ganz zu schweigen“, so Rudi Völlers Einschätzung nach der Partie am Samstag.
Die Bayer AG scheint nicht geneigt, Transfers von der Größenordnung zu tätigen, mit der die DAX-Kollegen aus Wolfsburg die Fußball-Abteilung alimentieren. Deutlich über 40 Millionen Euro für Könner wie Kevin de Bruyne oder Luiz Gustavo sind ein Ding der Unmöglichkeit bei Bayer. Als man im vergangenen Jahr den Bremer Sokratis an der Angel hatte, wurde so lange über diese Investition diskutiert, bis der Spieler sich für Borussia Dortmund entschied.
Immerhin: Mit 6,8 Millionen Euro für Josip Drmic (er unterschreibt einen Fünfjahresvertrag) und 5,5 Millionen für den Brasilianer Wendell wurde Geld in die Hand genommen, doch schon eine Verpflichtung von Hakan Calhanoglu scheint utopisch angesichts seiner Vertragsverhältnisse und der Mitbewerber.
Wer also „nur Platz vier“ sagt, der verkennt die Realitäten. Es wird schwieriger, es sei denn, die Bayer AG entscheidet sich dazu, noch einmal richtig ins Spiel einzugreifen. Tut sie dies nicht, ist es wahrscheinlich, dass es in Zukunft für Platz vier nicht mehr reichen wird.
F. Lußem
Quelle: kicker-Printausgabe vom 12.05.14