Beiträge von Strelczyk

    In der Regel haben Trainer von Basketball-Mannschaften eine feste Starting-Five oder bilden diese zumindest aus einem Pool von sechs Akteuren. In Frankfurt sieht das zur Zeit etwas anders aus, denn Charles Barton mischt den neu zusammengestellten Kader der Deutsche Bank Skyliners oftmals munter durcheinander und schickt häufig eine neue Anfangsformation aufs Feld. Dies erschwert dem gegnerischen Coach natürlich etwas die Arbeit, weil er sich nicht richtig auf den Gegner einstellen kann. So muss auch Giants-Chef Achim Kuczmann am Sonntag (16 Uhr, Dopatka-Halle) wohl kurz vor Spielbeginn auf den Spielbericht schauen, um zu sehen, wer von Barton in die Start-Aufstellung beordert wurde.

    Sicher mit dabei sein wird Travon-Levar Bryant, der sich bislang als Top-Scorer der Hessen entpuppte und unter den Körben nun von Nate Fox ausgebremst werden soll. Keine leichte Aufgabe für das Bayer-Kraftpaket. Auf der Rechnung werden die Giants auch George Reese haben, der beim Sieg über Bonn die meisten Zähler für sein Team markierte. „Reese ist aus der Distanz sehr gefährlich, aber auch da müssen wir schauen, wie seine Spielzeit aussehen wird. Frankfurt hat nämlich unter der Woche noch einen neuen Spieler, eine Leihgabe von Pau-Orthez, hinzubekommen. Und dessen Einsatz wird natürlich die Spielzeiten der anderen Akteure beeinflussen“, so Kuczmann.

    Bei den Giants gibt es dieses Spielchen nicht. Hier ist die Besetzung der Starting-Five (bisher) eine Konstante. Adrian Penland, Nate Fox, Jared Newson, Derrick Allen und Brandon Woudstra bilden die Erste Fünf und sollen den Gegner von Beginn an unter Druck setzen. Mal ging diese Rechnung auf, mal nicht. Am Sonntag wollen und müssen die Giants wieder zuschlagen, wollen sie nicht in der Tabelle weiter abrutschen. Dies weiß auch Achim Kuczmann. „Durch die letzte Niederlage müssen wir gegen Frankfurt gewinnen, um wieder ein ausgeglichenes Punktekonto zu bekommen. Denn dann sind wir weiter im Bereich der Playoff-Plätze“, erklärt der Trainer, der unter der Woche nicht optimal arbeiten konnte. Grund dafür waren zwei Akteure, die in der Saison noch gar nicht (Lucas Welling) oder nur für ein paar Sekunden (Matthias Goddek) zum Einsatz kamen. „Die beiden waren krank und konnten daher nicht am Training teilnehmen“, berichtet der Bayer-Coach, dem dadurch die Möglichkeit genommen war, Fünf gegen Fünf-Situationen zu erproben. Dies sollte jedoch kein Hindernis sein, um gegen Frankfurt am Sonntag zum Erfolg zu kommen, zumal Aufbau Gordon Geib wieder richtig fit und damit auch voll belastbar ist. Mit einem anderen „Sorgenkind“, Brandon Woudstra, wurde in den vergangenen Tagen ein längeres Gespräch geführt. Nicht, dass es Probleme mit dem sympathischen US-Boy geben würde, es fiel jedoch in den letzten Begegnungen auf, dass die Punkte-Anzahl des Flügels längst nicht mehr in die Bereiche kam, die er erzielen kann. Dies lag weniger an Woudstra selbst, als an der Spielweise der Giants, die nicht mehr allzu häufig ihren ehemals besten Scorer berücksichtigte. Was kann man da ändern? „Wir haben im Training daran gearbeitet, ihn bei Breaks mehr einzubinden, für ihn Würfe zu schaffen, wenn er eng verteidigt wird. Das hat schon ganz gut geklappt“, meint Achim Kuczmann. Ob das auch gegen Frankfurt funktioniert? Nötig wären die Zähler des 26-Jährigen auf jeden Fall, vor allem wenn es in der Offensive hakt, wie zuletzt in Trier geschehen.

    KStA

    Bernd Schneider fällt aus, Gonzalo Castro wieder im Leverkusener Kader.

    Der schwarze Audi, mit dem er gestern zum Training an der BayArena vorfuhr, trägt immer noch das Nürnberger Kennzeichen - zum Ummelden ist Stefan Kießling offenbar noch nicht gekommen, obwohl er mittlerweile seit knapp 20 Wochen bei Bayer 04 Leverkusen in Lohn und Brot steht. Es gab ja auch wirklich Wichtigeres in den vergangenen Monaten, zum Beispiel so rasch wie möglich im veränderten beruflichen Umfeld Fuß zu fassen. Und das ist dem jungen Mann weiß Gott schwer genug gefallen.

    Zu Saisonbeginn für 5,5 Millionen Euro Ablöse und mit damit verbundenen riesigen Erwartungen vom 1. FC Nürnberg zum Werksklub gewechselt, hatte der 22-jährige Stürmer anfangs große Probleme, sich an neuer Wirkungsstätte zurechtzufinden und seinen Wert zu zeigen. Von einer schweren Hüftverletzung - erlitten in Diensten der deutschen U-21-Nationalmannschaft - wurde er zu Saisonbeginn erst mal zurückgeworfen, suchte danach lange nach seiner Form, blieb chronisch torlos und drohte - was das Schlimmste bei diesem speziellen Spielertyp gewesen wäre - bereits die ihm eigene Lockerheit zu verlieren. Trainer Michael Skibbe aber ließ sich davon nicht irritieren, und auch die anspruchsvollen Leverkusener Fans, die im Falle des anderen Neuzugangs Sergej Barbarez von Anfang an deutlich sensibler auf Formschwankungen reagierten, zeigten sich im Falle des blondgelockten Mädchenschwarms auffallend geduldig.

    Am vergangenen Samstag aber fand seine persönliche Leidenszeit ein zumindest vorläufiges Ende: Gegen Meister FC Bayern verlor die Mannschaft zwar zu Hause mit 2:3, aber Stefan Kießling gelang das so ersehnte erste Pflichtspiel-Tor im Bayer-Trikot. „Das hatte schon was Befreiendes, nach all dem, was zuletzt auf mich eingeprasselt war“, erzählte der Angreifer gestern und fügte an: „Natürlich will ich schwer hoffen, dass damit der Knoten endgültig geplatzt ist.“ Beweisen kann und will er das Samstag in einem Spiel, das für ihn „nun wirklich keins wie jedes andere“ ist: Es geht in die fränkische Heimat zum ehemaligen Arbeitgeber 1. FC Nürnberg. In Bamberg ziemlich groß geworden (1,91 m), war er als 17-Jähriger zum „Club“ gekommen und hatte sich dort als Fußballer derart gut weiterentwickelt, dass er in der vergangenen Saison mehr und mehr ins allgemeine Blickfeld geriet und Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen weckte, von denen Bayer schließlich das Rennen machte.

    Mutter, Vater, Schwester, Onkel, Cousinen und jede Menge Kumpels aus den alten Zeiten - sie alle wollen am Samstag seinetwegen ins Nürnberger Stadion kommen. „Natürlich freue ich mich riesig drauf“, verkündete Kießling, schränkte aber sogleich ein: „Erst mal muss ich abwarten, ob der Trainer mich überhaupt aufstellt.“

    Michael Skibbe wollte sich dazu am Donnerstag noch nicht konkret äußern, sondern erst mal die beiden noch ausstehenden Trainingseinheiten abwarten. Sicher ist nur, dass Bernd Schneider wegen seiner Oberschenkelbeschwerden, die ihn schon für das Zypern-Länderspiel hatten absagen lassen, nicht mit nach Nürnberg reisen wird; er soll aber bis kommenden Donnerstag zum Uefa-Cup-Schlager gegen Tottenham Hotspur wieder fit sein. Zum Bayer-Kader gehört dagegen wieder Gonzalo Castro, der seine Schulterverletzung mittlerweile auskuriert hat und am vergangenen Dienstag beim 5:2-Testspielsieg über den belgischen Erstligisten SC Charleroi ein schmerzfreies Comeback gab.

    KStA

    Eine der Eigenschaften, die Stefan Kießling auszeichnen, ist seine Ehrlichkeit. Der Angreifer, im Sommer mit viel Elan und Vorschusslorbeeren bei Bayer 04 Leverkusen angekommen, macht keinen Hehl daraus, dass er mehr von sich erwartet hätte. Erst gelang es ihm nicht, seine Chancen in Tore umzumünzen, dann verletzte sich Kießling bei einem U 21-Länderspiel so schwer am Becken, dass er seinen Beruf als Fußball-Profi Wochen lang nicht ausüben konnte. „In den letzten Monaten ist viel auf mich eingeprasselt“, sagt der Fünf-Millionen-Euro-Einkauf der Leverkusener und gesteht: „Ich war in einem Tief.“

    Kießling: „Jetzt will ich nachlegen“

    Klagen wegen der daraus resultierenden Verbannung auf die Ersatzbank verbieten sich für den 22-Jährigen und auch sein Lächeln hat Stefan Kießling nicht verloren. Dass es gestern, im herbstlichen Sonnenschein, ein wenig breiter wirkte, als in den Wochen zuvor, hat wohl zwei Ursachen. Erstens: Morgen fährt der 1,91-Meter-Mann mit den Leverkusenern zum 1. FC Nürnberg, bei dem er bis zum Sommer immerhin fünf Jahre gespielt hat. Und zweitens ist ihm am Samstag gegen den FC Bayern endlich das erste Pflichtspieltor für Bayer gelungen. „Meine Freunde in Nürnberg haben vor dem Spiel gegen München immer gesagt, dass ich mein erstes Tor für Bayer bloß nicht gegen den FCN machen soll“, schmunzelt Kießling, „aber jetzt will ich natürlich nachlegen.“

    Beobachten werden die Angriffsversuche des blonden Schlacks auf jeden Fall seine Mutter, seine Schwester, ein Onkel und diverse Freunde. „Die haben sich die Karten gekauft“, verrät Kießling: „20 Tickets kriege selbst ich nicht umsonst.“ Ob die umfangreiche Fangemeinde des gebürtigen Oberfranken ihren Star allerdings von Beginn an bewundern kann, steht noch nicht fest. „Ich warte die letzte Trainingseinheit ab und gebe den Spielern heute Abend bescheid“, sagt Michael Skibbe. Der Bayer-Trainer sagt allerdings auch: „Stefan ist mit seiner deutlich ansteigenden Form ein wichtiger Spieler für uns und ich möchte diesen Schub fördern.“ Stünde Kießling in der Startelf, müsste wohl Simon Rolfes auf die Bank und Sergej Barbarez würde ins Mittelfeld rücken. Vielleicht aber belässt Skibbe taktisch auch alles beim Alten und ersetzt nur den verletzten Bernd Schneider (Muskelverhärtung) durch Paul Freier.

    Wie auch immer, irgendwann in den 90 Minuten von Nürnberg dürfte Kießling dann doch auf seinen alten Kumpel Dominik Reinhardt treffen. „Den habe ich schon oft schwindlig gespielt, also von daher . . .“, witzelt der Stürmer, der seine Fußballer-Karriere in der Kindheit übrigens als Torwart begann. Kießling: „Ich habe so viele reingekriegt, dass ich damit aufgehört habe.“

    KR

    CHRISTOPH BIERMANN erklärt, warum Christoph Daum, der Vision und Irrwitz gekonnt kombiniert, unverzichtbar ist

    Die zweitbeste Pressekonferenz von Christoph Daum sah ich am Frankfurter Flughafen kurz vor der Abreise in einen Urlaub, den ich nach seinem Auftritt erst recht nötig hatte. In einem Kölner Hotel hatte der zuvor untergetauchte Fußballtrainer seine Rückkehr in eine Art Comedy-Show verwandelt, zu der sich Stefan Raab und Helmut Zerlett ganz zu Recht eingeladen hatten. Daum erklärte seine Kokainaffäre grinsend zu einer Art Lausbubenstreich, was der Umstand des Drogenkonsums auch sein mochte, nicht aber, dass dadurch eine ganze Menge Leute beinahe ihren Job verloren hätten, obwohl das bei Gerhard Mayer-Vorfelder vielleicht auch nicht so schlimm gewesen wäre.

    Noch besser war drei Monate zuvor die Haarproben-Show gewesen, bei der der damals noch designierte Bundestrainer ankündigte, seine Haare auf Rauschgift untersuchen zu lassen, um dadurch seine Unschuld in Sachen Drogen zu beweisen. Daum schritt damals im Presseraum des Leverkusener Stadions mit starrem Gesicht zum Podium, sein Auftritt dauerte vier Minuten und bestand eigentlich nur im Verlesen seiner Erklärung. Dann trat Daum wieder ab. Die Probe war so positiv, dass Daums damalige Lebensgefährtin und heutige Frau sagte, Daum hätte "das Zeug täglich nehmen müssen". Sie beklagte Manipulationen, und Daum trat eine Art Flucht nach Florida an.

    Insofern konnte man seinen Auftritt am letzten Samstag in einem Kölner Krankenhaus als historisches Zitat sehen, oder er entsprang einfach nur seinem Bedürfnis, das Genre der Pressekonferenz von Trainern ein weiteres Mal zu neuen Grenzen zu führen. Daum ließ einen Arzt über seine Mandelabszesse reden und sprach selber über seine Liebe zum 1. FC Köln. Im Hintergrund schoben Menschen ihren Tropf vorbei oder gingen in Ballonseide zum Rauchen vor die Tür.

    Wenn einmal die Geschichte des deutschen Fußballs in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts geschrieben wird, wird darin das bizarre Genie Daums gepriesen werden müssen, der unterhaltsamste Trainer seiner Zeit gewesen zu sein. Er ließ seine Spieler nämlich nicht nur über Scherben laufen, sondern propagierte auch Stressabbau durch Bildbetrachtung. (Natürlich malte Daum selber, gestaltete aber nicht die knallbunten Hemden, deren Produktion ihn angeblich mächtig in die roten Zahlen steuern ließ.) Er installierte bei Bayer einen PTT (Personal Team Trainer), den man heutzutage wohl Psychologen nennen würde und verkündete schon vor Jahren das inzwischen angebrochene Zeitalter des individualisierten Trainings. Er verglich sich mit John Wayne, konnte die militärische Strategie von Kemal Atatürk erläutern und erzählen, wie es ist, wenn man einen Adler auf dem Arm trägt.

    Daum hat das faszinierende Talent, Vision und Irrwitz so zu vermischen, dass man kaum noch erkennt, was gerade was ist. Wenn er öffentlich kritisiert wurde, fragte er zurück: "Was haben sie mit Galilei gemacht?" Denn Daum lebt in einer Welt, von der er glaubt, dass er sie mit Menschen teilen muss, von denen die Welt für eine Scheibe gehalten wird. Kein Wunder, dass er zu Drogen gegriffen hat.

    Drei Tage nach der phänomenal versauten Meisterschaft von Bayer durch eine Niederlage in Unterhaching führte ich auf der Autofahrt zu einer Fernsehsendung ein Interview mit ihm. Er war erstaunlich aufgeräumt, und nach der Sendung gingen wir mit den Verantwortlichen des Senders zusammen ins Restaurant. Dort kam das Gespräch auf Stress bei Fußballtrainern, von denen viele in der Nacht nach Spielen nicht schlafen können, weil sie so aufgewühlt sind. Daum nickte freundlich seine Partnerin an, die mit am Tisch saß, und sagte: "Wir schieben ein Nümmerchen, und dann entspann ich mich wunderbar." Die Damen und Herren vom Fernsehen hüstelten verlegen in die Serviette, und ich bekam rote Ohren. Auch wenn er dem 1. FC Köln abgesagt hat, wird es Zeit, dass Christoph Daum wieder die deutsche Bühne betritt. Und für die Ankündigung dazu wird ihm bestimmt was Tolles einfallen.

    taz vom 16.11.2006, S. 19, 137 Z. (Kommentar), CHRISTOPH BIERMANN

    „Ihr macht Euch lächerlich“, singen die Fans im Stadion gerne, wenn sie das hilflose Getue ihrer Lieblings-Fußballer auf dem Rasen nicht mehr ertragen können. Nach der Absage von Christoph Daum an den 1. FC Köln möchte man den Beteiligten genau das zurufen.
    Aus dieser „Trainer-Findungs-Posse“ sind ausschließlich Verlierer hervorgegangen: Der moralische Pleitier Daum, der sich Tage lang bitten ließ, statt direkt unmissverständlich deutlich zu machen, dass der FC in der jetzigen Situation auf keinen Fall auf ihn bauen kann. Aber auch die FC-Granden Wolfgang Overath und Michael Meier, die - vielleicht mit dem Wissen um die kommende Woche stattfindende Jahreshauptversammlung - ohne Not den Namen ihres populären Wunschtrainers hinaus posaunten und sich im Folgenden für einen unwürdigen Akt des Bittens und Bettelns hergaben.

    Nach dieser Absage, die einer Ohrfeige für den „großen 1. FC Köln“ gleichkommt, wird eines deutlich: Die Geißböcke waren wohl selten so weit von Glanz und Gloria entfernt wie in diesen Tagen. Übrig geblieben ist ein abgewatschter Zweitligist, der sich einzig dafür rühmen kann, nicht unendlich viele Millionen investiert zu haben, um dann eventuell nicht einmal mit einem Christoph Daum an der Seitenlinie aufzusteigen.

    Jetzt muss den Verantwortlichen das Kunststück gelingen, einen hochklassigen Trainer zu finden, der bekanntlich höchsten zweite Wahl ist und dennoch Lust auf den FC hat.

    KR

    Gestern Vormittag haben Dieter Müller und Thomas Kalt die Spieler der Offenbacher Kickers in den VIP-Raum des Stadions am Bieberer Berg gebeten. Das tun der Präsident des OFC und sein Vize immer dann, wenn die sportliche Situation beim DFB-Pokalsieger von 1970 unbefriedigend ist - sehr unbefriedigend. In diesen Tagen ist sie das definitiv, die Kickers schweben in der Zweiten Fußball-Bundesliga in akuter Abstiegsgefahr, weil sie nach zwölf Spielen erst zehn Punkte auf ihr Konto geschaufelt haben. Zugespitzt hat sich die Lage durch den desolaten Auftritt bei der 1:4-Niederlage am vergangenen Sonntag bei Wacker Burghausen.

    Folgerichtig mussten sich Kapitän Markus Happe und seine Kollegen gestern von der Vorstandschaft des OFC klare Worte gefallen lassen. "Wir haben der Mannschaft deutlich gemacht, dass wir sie allein in die Pflicht nehmen", sagte Vizepräsident Kalt. Der Druck auf die Spieler wird in Offenbach erhöht, der Trainer bleibt dagegen (zunächst) außen vor. Es gebe keine Diskussion um Wolfgang Frank, betont Kalt, weil der Coach "erstens nicht spielt", und derzeit an anderen deutschen Fußballstandorten in der Krise "bewiesen wird, dass ein Trainerwechsel, siehe Eintracht Braunschweig, nicht automatisch Erfolg bringen muss".

    Weiterentwicklungen bleiben aus

    Erfolg haben sie in Offenbach momentan allerdings auch nicht. Die sportliche Talfahrt kommt für alle Beteiligten indes überraschend. Das ist vielleicht das Problem. Nachdem der OFC in der Rückrunde der vergangenen Saison 26 Punkte geholt und in einem fulminanten Schlussspurt den Ligaverbleib gesichert hatte, schien an der Ligatauglichkeit des Kaders kein Zweifel mehr bestehen und manch einer - eventuell auch innerhalb der Mannschaft - sah das Team zu Höherem befähigt, als allein um den Klassenerhalt zu kämpfen. Zumal einigen Kickern weiteres Steigerungspotenzial zugetraut wurde, das sie bis jetzt nicht haben mobilisieren können. Davon ausgehend, dass speziell jüngere Spieler wie die beiden Mittelfeldakteure Thomas Wörle (24) und Oualid Mokhtari (24) einen weiteren Schritt nach vorne machen und der sehr erfolgreiche Angriff mit Regís Dorn (13 Treffer in der abgelaufenen Saison) und Suat Türker (11) ähnlich erfolgreich agieren würde, wurde bei den Neuverpflichtungen im Sommer nicht mehr Risiko gegangen als nötig. So ließ man den vom VfL Bochum ausgeliehenen Stürmer Mamadou Diabang, der mit neun Toren wesentlich zum Ligaerhalt beitrug, wieder ziehen, weil der Vorstand nicht gewillt war, dessen finanzielle Forderungen zu erfüllen. Der Ersatz, der vom Karlsruher SC verpflichtete Sean Dundee, konnte bisher keinen Druck auf die etablierten Kräfte ausüben, von denen Dorn seiner Form des Vorjahres hinterherläuft. Lediglich der vom spanischen Zweitligisten verpflichtete Mittelfeldakteur Markus Kreuz hat bis dato einen Platz im Team erobern können, der ehemalige Profi von Eintracht Frankfurt war allerdings auch neben Dundee der Einzige, der mit dieser Absicht verpflichtet wurde. Torwart Ignjac Kresic (Dynamo Dresden) kam als Ersatzmann für Cesar Thier, Nachwuchsverteidiger Niko Bungert (Schalke 04 II) war eine Investition in die Zukunft und der im September geholte Offensivallrounder Dino Toppmöller war seit dem Sommer ohne Verein. Nach zwölf Spieltagen müssen die Kluboberen allerdings feststellen, "dass eine Entwicklung nicht stattgefunden hat", sagt Kalt.

    Eines der kleinsten Budgets

    Das Dilemma des OFC ist jedoch: Trotz eines um etwa zehn Prozent erhöhten Etats konnten die Kickers auch vor ihrem zweiten Jahr finanziell keine großen Sprünge machen, noch immer ist das Bugdet eines der niedrigsten in der Liga. Das Präsidium, das seit 2000 amtiert und den damals finanziell stark angeschlagenen Verein wieder konsolidiert hat, ist nicht gewillt, Drahtseilakte zu vollführen. Für Dieter Müller und seine Kollegen kommt eine Neuverschuldung nicht in Frage, und entsprechend musste auch bei den Transfers mit Augenmaß vorgegangen.

    Wahrscheinlich wird der OFC in der Winterpause aber nachbessern müssen. Zwar will der Vorstand das Ausmaß der Kaderaufstockung auch davon abhängig machen, ob der OFC am 22. Dezember im Achtelfinale des DFB-Pokals Burghausen schlägt und unter die letzten Acht kommt. Kampflos hergeben wollen sie die zweite Liga aber auch nicht. Zumal Thomas Kalt stets betont, dass die Offenbacher Kickers in der Drittklassigkeit auf Dauer nicht überleben können.

    FR

    Sollte es bisher noch Spurenelemente von Zweifeln an der Daum-Hörigkeit von Liebhaber und Machern des 1. FC Köln gegeben haben - seit gestern dürften sie endgültig pulverisiert sein. Neben einer Daum-Kollekte haben FC-Fans inzwischen sogar eine Internetseite kreiert. Unter dem Titel http://www.daumzumfc.de wurden FC-Sympathisanten eindringlich um Unterschriften gebeten, um den Meistertrainer zur Rückkehr ans Geißbockheim zu bewegen. Und der flammende Appell wurde bis zum gestrigen Redaktionsschluss dieser Ausgabe tatsächlich bereits von 8513 FC und Daum-Anhängern unterschrieben.
    Ob derlei Aktionen den Umworbenen tatsächlich zum ersehnten Dienstantritt beim Herzensclub animieren können, soll sich angeblich höchst zeitnah weisen. „Eine endgültige Entscheidung wird am morgigen Dienstag getroffen“, hieß es jedenfalls in der gestrigen Pressemitteilung des Tabellenachten der zweiten Liga. Sollte heute wirklich ein definitives Ergebnis verkündet werden, hätte Daum verblüffend schnell sein Urteil gefällt. Noch am Samstag hatte er doch mit Hinweis auf seine malade Gesundheit um längere Bedenkzeit gebeten.

    Möglich, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich ist aber auch, dass Wolfgang Overath und Michael Meier gestern überragende Überzeugungsarbeit beim momentan wichtigsten Bürger der Stadt leisten konnten. Präsident und Manager unterhielten sich nach dem überraschenden Blitzbesuch von Samstag im Hahnwald jedenfalls erneut mit Daum.

    Und wenn es nach dem Zungenschlag besagter Presse-Info geht, scheint das Führungsduo bei den „Bohrarbeiten“ doch ein Stück voran gekommen zu sein. Zumindest ein Stückchen. Nicht ohne Stolz verkündete man jedenfalls, dass die „gute und konstruktive Unterredung rund zweieinhalb Stunden gedauert“ habe. Gar nicht schlecht für ein Werber-Duo. Zumal sich der Umgarnte derzeit bekanntlich nicht in stimmlicher Bestform befindet. Clubchef und rechte Hand sind wohl auch mit klarem Konzept zum zweiten Meeting binnen knapp 48 Stunden erschienen. Angeblich soll Daum neben dem Vierjahresvertrag mit 2,5 Millionen Euro per anno auch zugesagt worden sein, zehn neue Spieler holen zu können. Drei davon soll der Startrainer sogar schon in der Winterpause verpflichten können, so er sich für die Heimkehr in den Kreis der rot-weißen Familie breitschlagen lässt.

    Diese Option klingt verlockend. Doch was, wenn der Geißbock bei derzeit zwölf Punkten Rückstand auf das Spitzenduo Karlsruhe und Rostock sowie fünf Zählern Abstand zum dritten Tabellenrang bei Saison-Halbzeit bereits einen schier uneinholbaren Rückstand zu den drei Aufstiegsrängen hat?! Dann würde selbst ein stark geliftetes FC-Team mit drei neuen Topathleten kaum noch ein Rückkehr-Ticket für die Erstklassigkeit buchen können.

    Um dieses Horror-Szenario unabhängig vom Daum-Entscheid umgehen zu können, muss sich der Geißbock so oder so mächtig auf die Hinterbeine stellen. Demnächst geht es gegen München 60, Kaiserslautern und Duisburg - allesamt ernsthafte Mitbewerber um Platz drei.

    KR

    Die Zeit drängt. Bis zur Partie gegen seinen Ex-Klub 1. FC Nürnberg am 18. November hat sich Stefan Kießling (22) drei Tore für seinen neuen Arbeitgeber vorgenommen. Doch seit der Stürmer im Sommer zu Bayer Leverkusen gewechselt ist, scheint nichts mehr zu klappen. Der Mann, der noch im Frühjahr als Kandidat für die Nationalelf galt, ist nicht mal im eigenen Verein mehr Stammspieler.

    "Im Moment ist er etwas verunsichert und hinkt etwas hinterher", sagt Bayer-Sportchef Rudi Völler. Durch die lange Erfolglosigkeit hat er seine Unbekümmertheit verloren, nachdem er noch im Sommer mit großem Elan an den Rhein gewechselt war. Schon zwei Wochen vor dem offiziellen Trainingsbeginn trat er an, wollte sich schnell eine Wohnung im Rheinland suchen und dann mit vollem Elan die Herausforderung bei Bayer Leverkusen annehmen. Doch nach dem ersten großen Schritt der Karriere kam auch gleich der erste Karriere-Knick. Zunächst setzte ihn eine schwere Leistenverletzung vier Wochen außer Gefecht, anschließend scheiterte die U 21-Nationalmannschaft mit Kießling als Kapitän in der Europameisterschafts-Qualifikation. Damit war auch gleichzeitig der Traum von der Olympiateilnahme 2008 in Peking geplatzt. "Das war alles ein bisschen viel. Dann hatte ich einen Tiefpunkt, den ich so noch nicht gehabt habe", gibt Kießling selbstkritisch zu.

    Sportchef Rudi Völler glaubt, dass sich der mit knapp 6 Millionen Euro teuerste Bayer-Einkauf seit Franca (8,5 Millionen Euro) zu sehr unter Druck gesetzt hat - auch wegen der hohen Ablösesumme. Völler hat Kießling nun in einem Gespräch versichert, dass der Fehler machen darf und der Verein auf ihn setzt. "Stefan soll sich nicht verrückt machen", sagt Völler. "Er ist ein riesengroßes Talent und wird uns auch noch eine Menge Spaß bereiten."

    Nach den ermutigenden Gesprächen in den vergangenen Tagen wirkt Kießling nun zumindest ein bisschen optimistischer. "Ich habe mit Völler, meinem Trainer Michael Skibbe und auch mit meiner Mutter länger gesprochen", sagt der Stürmer. Das half offenbar. "Mir ist klar geworden, dass ich mir nicht so einen Kopf machen darf. Das mit dem ersten Tor wird schon bald klappen." Heute Abend gegen Bochum wäre ein passender Anlass. Sonst müsste er Samstag gegen den FC Bayern dreimal treffen.

    welt.de

    Spiel gegen Bayer 04 verspricht für abstiegsbedrohte Mannschaften der 1. Fußball-Bundesliga in diesen Wochen gute Erfolgsaussichten. So durfte sich der Hamburger SV über den bislang einzigen Sieg der Saison (2:1) in der BayArena freuen, so punktete Mainz 05 am letzten Samstag (1:1) ebenfalls beim ehemaligen Champions-League-Finalisten. Heute nun hofft man beim VfL Bochum auf die generöse Leverkusener Aufbauhilfe, um dann den Abstiegsrang zu verlassen.
    Doch die selber schwächelnde Werkself benötigt mittlerweile auch jeden Punkt, um nicht weiter Richtung Tabellenende abzurutschen. Um dies zu verhindern, müsse man heute Abend zumindest einen Punkt aus dem Ruhrstadion mitnehmen, lautet die Vorgabe von Michael Skibbe. Nachdem der Bayer-Trainer bislang stets den Rückstand zum angepeilten Uefa-Pokal-Platz im Auge hatte, sprach er vor dem Abschlusstraining am Dienstag oftmals von den Niederungen der Tabelle. Doch psychologisch geschickt verband er den Blick in den Abgrund mit einer Aussicht in die deutlich höher gelegene Zielregion: „Sicher müssen wir nach unten schauen, dürfen aber auch nach oben blicken.“

    Aufblicken möchte auch wieder einmal Paul Freier. Der ehemalige Nationalspieler kam bislang in dieser Saison nicht über die Rolle eines Einwechselspielers hinaus. Dabei hinterließ er dann meist recht gute Eindrücke. Heute nun könnte er wieder einmal von Beginn an eine Chance erhalten. Der verletzungsbedingte Ausfall von Juan (noch nicht verheilte Kopfwunde) könnte es möglich machen. Würde Bernd Schneider auf die rechte Abwehrseite zurückgenommen werden, wäre vor ihm der Platz für Freier frei. Der könnte dann Michael Skibbe an alter Wirkungsstätte gegen seinen ehemaligen Verein zeigen, welche fußballerischen Qualitäten in ihm stecken. In der Rückrunde der vergangenen Saison erzielte er immerhin sechs Treffer und bereitete fünf vor. Zudem besaß er die beste Zweikampfquote. . .

    Bochum: Bade; Pallas, Drsek, Butscher, Bönig; Schröder, Maltritz, Dabrowski, Grote; Fabio Junior, Gekas. - Bayer: Butt; Schneider, Haggui, Madouni, Babic; Schwegler, Rolfes; Freier, Barbarez, Barnetta; Voronin. - SR.: Wagner.

    KR

    Super Marc, dat is der Friedhelm!

    Ist das Original irgendwie käuflich zu erwerben bzw. bastelst Du mir daraus ein schönes Avatar?

    Danke! :LEV6

    @ Jürgen wegen der Kategorie-Einteilung für diese schöne Autogrammkarte:

    Saison 71/72 , 72/73 Regionalliga West oder 73/74 Oberliga Nordrhein, aber auf jeden Fall 70er Jahre.

    Sir Alex Ferguson trainiert seit 20 Jahren Manchester United und will es im Herbst seiner Karriere noch einmal mit dem FC Chelsea - und José Mourinho - aufnehmen

    VON RAPHAEL HONIGSTEIN (LONDON)


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    Erster Arbeitstag bei ManU (dpa)

    Der Stadionsprecher kündigte aufgeregt an: "20 Jahre Alex Ferguson - eine Feier!", aber der Gefeierte verweigerte sich den Ovationen standhaft. Alexander Chapman Ferguson kam am Samstag nicht zusammen mit den Mannschaften aus dem Spielertunnel, er wollte auch keine Präsentation auf dem Rasen des Old Trafford. Nur einen kleinen, scheuen Wink in Richtung der Zuschauer genehmigte sich der Trainer von Manchester United kurz vor dem souveränen 3:0-Sieg gegen Portsmouth; der Wirbel um seine Person passte ihm überhaupt nicht in den Kram. Er hatte ein Spiel zu gewinnen. "Zuerst hatte ich die Absicht, das Jubiläum zu ignorieren, damit es mich nicht verwirrt und ablenkt", schrieb er ins Stadionheft, "aber man drängt mir diese Sache auf - ob ich will oder nicht."

    Das mag sich kokett anhören, doch er meint es wirklich ernst. Aus dem für seinen Jähzorn von Spielern, Kollegen und Presse gefürchteten Ehrgeizling spricht nach 20 langen Jahren auf der Bank der Red Devils und 18 gewonnen Trophäen noch immer die Stimme eines von der dämonischen Wirkung des Spiels vollkommen in den Bann gezogenen Mannes. "Gewinnen ist nicht alles - es ist das einzige, was zählt"; dieses Motto des legendären NFL-Coaches Vince Lombardi hat sich der Schotte aus dem Glasgower Arbeiterviertel Govan vor vielen Jahren zu eigen gemacht. In der harten, unbarmherzigen Welt, in der er lebt, ist jede Niederlage ein kleiner Tod, und nur Siege verlängern das Lebensrecht.

    Der Verein hat den 64-Jährigen für den heutigen Montag, der den 20. Jahrestag seiner Amtsübernahme markiert, zu einem privaten Mittagessen im Stadion eingeladen. Der bekennende Weinliebhaber wird einen ganz seltenen Tropfen überreicht bekommen; vielleicht erlaubt er sich, den Moment zu genießen. Sir Alex, der nach dem sensationellen Gewinn von Meisterschaft, FA-Pokal und Champions League 1999 zum Ritter ihrer Majestät geschlagene Sozialist, ist dabei nicht für seine Bescheidenheit berüchtigt. Er kann menschenverachtend arrogant sein. Demut kennt er nur gegenüber dem Spiel. Und der eigenen Leistung.

    Als er United am 6. November 1986 übernahm, war der Verein auf einem Abstiegsplatz. Man zehrte immer noch von den glorreichen Sechzigern unter Sir Matt Busby, hatte aber seit 1967 keine Meisterschaft gewonnen. Die Spieler von United waren nur am Tresen die Größten. Ferguson, der zuvor mit Aberdeen die Vorherrschaft der Glasgower Klubs Rangers und Celtic in Schottland gebrochen hatte, setzte den Umtrieben schnell ein Ende. Wer nicht bereit war, für die Karriere sein Leben zu ändern, wurde ohne Rücksicht auf frühere Verdienste verkauft.

    "Dekade der Titel"

    Doch der Erfolg stellte sich nicht über Nacht ein. Im Dezember 1989 schrieen die Zuschauer "bye-bye Fergie" im Old Trafford, ein Fan hatte "Drei Jahre lang Ausreden und wir sind noch immer Mist…Fergie raus" auf ein Bettlaken gemalt. United aber gewann im Mai 1990 den FA-Pokal, Ferguson behielt seinen Job und versprach eine "Dekade der Titel". Er hielt sein Versprechen. Die Mannschaft um Eric Cantona, Roy Keane, Torwart Peter Schmeichel und Jungstar Ryan Giggs gewann 1993 die erste Meisterschaft und dominierte in den folgenden Spielzeiten die Liga. Die Triumphe fielen mit dem Aufstieg der Premier League zur globalen Unterhaltungsmaschine zusammen, so dass United sich bald mit Fug und Recht als größter Verein der Welt fühlen durfte. Und Ferguson, der achtfache Meistertrainer, herrschte autokratisch über ein Imperium, das er mit dem römischen Reich verglich. Superstars wie David Beckham lernten ihn als menschlichen Haarföhn in der Kabine kennen. Sie wurden angeschrieen, mit fliegenden Schuhen verletzt und abserviert, falls sie dem "dunklen Ritter" (Times) nicht mehr ins Konzept passten oder seine Autorität untergruben. 2002 wollte der damals 60-Jährige eigentlich zurücktreten, aber er konnte ohne das Spiel nicht leben. Allerdings schien er ein wenig den Faden verloren zu haben. Ein bizarrer Streit um die Rechte an einem Preishengst und eine schlampige Transferpolitik ließen United zurückfallen.

    Rechtzeitig zum 20-jährigen Jubiläum hat er wieder eine Mannschaft, die ernsthaft um Titel spielen kann. "Ich denke gar nicht daran, aufzuhören", hat er unter der Woche gesagt, "diese Forderung ist skandalös." Obwohl er die Presse weiter abgrundtief hasst - er hat nie verziehen, dass 1986 eine Affäre mit der Mitarbeiterin eines "Fish and chips"-Ladens veröffentlicht wurde -, erfuhr er in den vergangenen Tagen viel Anerkennung. Man ist ihm dankbar, dass ManU den Neureichen aus Chelsea Paroli bieten kann. Und Ferguson fühlt sich wohl in der alten Rolle. Er ist wieder der Underdog, der Herausforderer, der hungrige Jäger. Noch hält der brüchige Friede zwischen ihm und José Mourinho, dem zweiten Megalomanen auf der Insel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Ferguson den Blauen den (Psycho)-Krieg erklärt. Er will weiter siegen. Er will weiter leben.

    FR

    Flügel Gabe Martin kann durch eine starke Defense-Leistung den besten Werfer der Gäste erfolgreich ausschalten.

    Dieser Sieg war wichtig, sogar sehr wichtig. Nach zuletzt zwei knappen Niederlagen konnten sich die Bayer Giants Leverkusen am Sonntagnachmittag vor 2 800 Zuschauern mit 89:74 (42:40) gegen die Walter Tigers Tübingen durchsetzen. Allerdings sah es im ersten Viertel alles andere als gut für die Leverkusener aus, denn während die Gäste immer wieder zu einfachen Punkten gegen die nachlässige Bayer-Defense kamen, mussten sich die Hausherren fast jeden Wurf hart erarbeiten. Allerdings waren auch einige Versuche dabei, die besser nicht genommen worden wären. Unvorbereitet nennt man so etwas. Die Quittung: Tübingen lag nach zehn Minuten mit 27:21 vorne. Glücklicherweise besteht ein Spiel aber noch aus drei weiteren Vierteln, in denen sich das Team von Achim Kuczmann dann auch besser präsentierte. Tübingens Moye wurde härter verteidigt, markierte in den folgenden 20 Minuten nur noch zwei Punkte, während sich bei den Giants nun neben dem starken Jared Newson auch Gabe Martin mehr in den Vordergrund spielte. Es mag zwar nicht alles so elegant aussehen, was Martin fabriziert, doch dafür sorgte der Flügel für wichtige Punkte und spielte eine starke Defense gegen Moye. Verbessert zeigte sich auch Adrian Penland. Mit einem guten Zug zum Korb und etlichen Assists (7) deutete er an, warum Kuczmann ihn nach Leverkusen holte. Angesichts dieser eingestreuten Leistungen (Eric Taylor nutzte seine Einsatzzeit ebenfalls ordentlich) konnten die Giants auch die in der Offense eher maue Darstellung von Derrick Allen verkraften, der auf für seine Verhältnisse magere zehn Punkte kam. Es war vielmehr das gesamte Team, das Tübingen vor allem im dritten Viertel mit einem 10:0-Lauf vom 46:47 zum 56:47 deutlicher auf Distanz brachte und fortan die Führung nicht mehr abgeben sollte. Beim 62:51 (29.) betrug der Unterschied zum ersten Mal mehr als zehn Zähler, der zwar zu Beginn des letzten Abschnitts noch mal zusammen schmolz (66:60), doch dieses Mal behielten die Giants die Nerven und spielten ihren Stiefel bis zur Schluss-Sirene runter. „Wir haben in der zweiten Hälfte sowohl hinten als auch vorne sehr diszipliniert agiert und Tübingen nicht mehr so viele einfache Dinge gestattet. Das war der Schlüssel zum Erfolg“, sagte Achim Kuczmann.

    Giants: Woudstra (9), Goddek, Geib (7), Newson (22), Martin (9), Allen (10), Penland (13), Fox (11), Taylor (7).

    KStA

    Die U-17-Fußballer des Klubs erreichen in der Regionalliga West ein 2:1 über den VfL Bochum.

    Die U-17-Fußballer von Bayer 04 konnten im Heimspiel gegen den VfL Bochum nach vier verlorenen Partien wieder gewinnen. Beim 2:1 (1:0) rückte Trainer Markus von Ahlen von seiner Philosophie ab. „Wir haben heute ergebnisorientiert gespielt. Auch wenn ich denke, dass dies mit Ausbildung nicht viel zu tun hat.“ Sven Kreyer schoss die Gastgeber in Führung (31.). Den Ausgleich kurz nach der Pause verkraftete die Elf gut und erzielte Richard Sukuta den Siegtreffer (73.).

    U17: Heimann, Leikauf (66. Kirachi), Eichmeier, Petsos, Hermsen, Kaplan, Sauerbier (80. Landwehr), Teixeira, Sukuta, Kreyer, Wycisk (46. Schilling).

    KStA

    Die gesamte Fußball-Abteilung von Bayer 04 hat in dieser Saison einen Duisburg-Komplex. Im Pokal schieden dort die Profis aus und auch die B-Junioren unterlagen vergangene Woche gegen den MSV. Immerhin, die A-Junioren-Fußballer des Klubs konnten beim 1:1 (1:1) einen Punkt entführen. Unter dem Strich natürlich zu wenig, die Tabellenführung ist weg.

    Die Elf von Thomas Hörster stand in der Anfangsphase heftig unter Druck. Bereits nach 30 Sekunden musste David Hohs einen Strafstoß halten, war jedoch zehn Minuten später machtlos, als Stefan Reinartz patzte und Duisburg in Führung ging (10.). „Wir sind erst sehr spät in die Begegnung gekommen und haben die Zweikämpfe zunächst nicht angenommen“, sagte Hörster. Besonders unauffällig agierte dabei Deniz Naki. Sein Trainer wollte ihm eigentlich eine Pause gönnen, allerdings trainierte Naki beim DFB unter der Woche so gut, dass er doch wieder in die Startaufstellung rückte. Die Doppelbelastung verkraftete der Mittelfeldspieler scheinbar nicht und nach einer halben Stunde hatte Hörster ein Einsehen. Er brachte Alexander Hettich, der in der Folge auch mehr Akzente setzte. Mit Doppel- oder sogar Dreifachbelastungen hat Dennis Schmidt derweil nur wenig Probleme. Er traf erneut (40.) und bewahrte seine Elf vor einer Blamage. Trotzdem wechselte ihn sein Trainer zur Pause aus. Am Mittwoch steht für den Mittelstürmer das nächste Spiel an, wenn Bayer II in der Regionalliga Rot-Weiß Erfurt empfängt (19.30 Uhr). „Ich bin ja froh, dass Ulf Kirsten ihn mir noch ausleiht“, erklärte Hörster die Situation. Auch ohne ihren Torjäger kam Bayer zu vielen Chancen in Durchgang zwei. Nur war eben keiner mehr da, der den Ball über die Linie drückte.

    Bester Leverkusener war übrigens Jens Hegeler. Zunächst im defensiven Mittelfeld vertrat er später Celik in der Abwehr und hatte mit einem Pfostenschuss die beste Chance zur Führung. Hörster bescheinigte ihm eine überragende Leistung. In der Tabelle führt jetzt Dortmund punktgleich vor Leverkusen. Schalke verlor dagegen durch ein überraschendes 1:2 gegen Essen etwas an Boden. Der Punkt war dann doch ein wenig mehr wert.

    Bayer 04 Leverkusen U19: Hohs, Celik, Falkenberg, Reinartz, Hegeler, Lakicevic (69. Nowak), Selmani (35. Keseroglu), Risse, Naki (28. Hettich), Schmidt (46. Oczipka), Petersch.

    KStA

    Eric Domaschke: überragend

    Verhinderte kontinuierlich einen höheren Rückstand.

    Giovanni Cannata: mäßig

    Wie gewohnt, offensiv stärker.

    Thomas Hübener: stark

    Leitwolf mit guter Zweikampfbilanz.

    Callsen-Bracker: durchschnittlich

    Auf angestammter Position wesentlich kontrollierter.

    Fabian Hergesell: durchschnittlich

    Unauffällig aber ohne Fehler

    Marius Schultens: durchschnittlich

    Ein taktisches Opfer des Trainers

    Kevin Kratz: durchschnittlich

    Sichtlich ohne Spielpraxis

    Igor Bendovskyi: durchschnittlich

    Bester Leverkusener, aber nur in Hälfte zwei

    Pierre De Wit: durchschnittlich

    Ging angeschlagen in die Partie, steigerte sich minütlich.

    R. Tiberkanine: durchschnittlich

    Bewies mal wieder seine Torgefahr.

    Michal Papadopulos: mäßig

    Glücklos im Abschluss.

    Josip Tadic: schwach

    Wieder eine Leistung mit viel Steigerungspotenzial.

    KStA

    Mit dem Unentschieden hält der Fußball-Regionalligist Anschluss an die Nicht-Abstiegsränge.

    Nach einer Schimpftirade über die Leistung des Unparteiischen hatte Düsseldorfs Trainer Uwe Weidemann noch einen flotten Spruch in Richtung Ulf Kirsten auf Lager: „Als wir uns noch auf dem Feld gegenüberstanden, habe ich regelmäßig verloren. Als Trainer hat er mich noch nicht bezwungen.“ Kirsten ließ die Ausführungen seines Trainerkollegen mit einem Lächeln unkommentiert. Der Coach der Bayer-II-Fußballer fühlte sich nach dem 1:1 (0:1) im Regionalliga-Duell bei Fortuna Düsseldorf trotzdem als Sieger. „Man muss sehen, dass wir hier bei einer Spitzenmannschaft gespielt haben. Auch wenn wir in der ersten Hälfte weniger gut agierten, im zweiten Durchgang haben wir uns den Punkt verdient“, erklärte Kirsten. Seine Mannschaft hält weiter Anschluss an die Zone, die den Klassenverbleib bedeutet. Die Düsseldorfer verpassten dagegen die Tabellenführung.

    Nachdem Marcel Podszus die Gastgeber in Führung brachte (6.), schien alles für den Favoriten zu laufen. Bayer musste notgedrungen mehr riskieren und verschlampte regelmäßig die Bälle im Spiel nach vorne. Es war hauptsächlich Keeper Eric Domaschke zu verdanken, dass Bayer Leverkusen nicht zur Pause höher in Rückstand lag. Kirsten gefiel überhaupt nicht, was seine Spieler zeigten. Er stellte taktisch um, nahm den Rot gefährdeten Marius Schultens raus, beorderte Jan-Ingwer Callsen-Bracker zurück in die Viererkette und schickte den bis dahin schwachen Igor Bendovskyi ins zentrale Mittelfeld.

    Als wäre die Mannschaft mit einem Defibrillator geschockt worden, lief es nun wesentlich besser. „Wir haben die Zweikämpfe endlich angenommen. Das hat zur Leistungssteigerung geführt“, betonte Kirsten. Von einem Torerfolg waren die Leverkusener zwar weit entfernt, jedoch ließen sie nun viel weniger zu. Sehr zum Frust der Hausherren übrigens. Zwei Szenen brachten dabei Düsseldorfs-Coach Weidemann in Rage. Zunächst erhielt Yusuf-Muri Adewunmi die Gelbe Karte wegen Schauspielerei. Weidemann wollte in der Situation allerdings einen Elfmeter. Selbst wenn ein Foul vorlag, die Pirouette des Stürmers gehört ins Eiskunstlauf-Stadion, nicht aber auf den Fußballplatz. Noch spielentscheidender war die Rote Karte für Ahmet Cebe (67.). Dass Foul am Leverkusener Bendovskyi fiel in die Kategorie versuchte Körperverletzung. Coach Weidemann hatte übrigens zuvor ein Foul an seinem Spieler gesehen, die Unbeherrschtheit von Cebe ließ er unkommentiert.

    Düsseldorf stellte in Unterzahl das Fußballspielen weitestgehend ein und Leverkusen kam aus dem Nichts zum Ausgleich durch Rachid Tiberkanine (85.). Ein Treffer aus einem unmöglichen Winkel. Allerdings, wenn der Keeper nicht rechtzeitig die Beine schließen kann, gehen auch solche Schüsse ins Tor. Der Gegentreffer war mit Sicherheit der Auslöser, warum Uwe Weidemann den Schiedsrichter später verbal angriff. Dabei hatten doch Unbeherrschtheiten seiner Spieler Bayer zurück in die Partie kommen lassen. Trainer werden beim Verkaufen von Enttäuschungen schnell albern. Weidemanns Spruch zu seinem persönlichen Duell mit Ulf Kirsten war dagegen schon beinahe witzig.

    F. Düsseldorf: Deuß, Krecidlo, Cakir, Langeneke, Heeren, Cebe, Albertz, Lambertz, Canale (75. Wolf), Podszus (86. Palikuca), Adewunmi (85. Pusic). -Bayer Leverkusen II: Domaschke, Hübener, Callsen-Bracker, Schultens (46. Tiberkanine), Hergesell, Cannata, Kratz (81. Lartey), De Wit, Bendovskyi, Tadic (78. D. Schmidt), Papadopulos. - Schieds richter: Willenborg (Friesoythe).- Zuschauer: 6858.- Tore: 1:0 Podszus (6.) 1:1 Tiberkanine (85.). - Besondere Vorkommnisse: Rote Karte für Cebe (67. grobes Foulspiel).

    KStA

    Weil Bayer ursprünglich oben mitspielen wollte, nun aber ins Mittelmaß abgerutscht ist, gab es nun erstmals Rufe der Fans gegen den Trainer. Denn Klub ist nun nicht einen Schritt weiter als unter Skibbes Vorgängern.

    Den vermeintlich Schuldigen für die dürftigen Darbietungen der vergangenen Wochen hatten die Fans von Bayer Leverkusen gefunden. "Skibbe raus" schallte es beim 1:1 (1:1) gegen Mainz erstmals von den Rängen der BayArena.
    Der 41 Jahre alte Trainer räumte ein, dass solche Schmähungen nicht spurlos an ihm vorüber gehen. "Persönlich trifft einen das natürlich, so etwas hört man nicht gern", sagte Skibbe, aber die Mannschaft hätte Unterstützung bis in die letzten Sekunden verdient gehabt.

    Skibbe wurde seinem Ruf gerecht, eher schön zu reden, was nicht schön anzusehen war. Er sprach von einem "leidenschaftlichem und sehr guten Spiel", das sein Team nach 20 Minuten geliefert hätte. Doch es half nichts mehr: Weil Bayer ursprünglich oben mitspielen wollte, nun aber ins Mittelmaß abgerutscht ist, rückt Skibbe verstärkt in den Fokus der Kritik. "Wir haben uns vom Saisonstart mehr erhofft", sagt Mittelfeldspieler Simon Rolfes.

    Rudi Völler hat den Trainer vor gut einem Jahr inthronisiert und verteidigt seinen Freund gegen die Kritik. "Diese Rufe hat Michael nicht verdient, er leistet gute Arbeit", findet der Sportchef. Nach zwölfmonatiger Amtszeit steht Bayer 04 Leverkusen aber wieder genau da, wo Skibbe den Job bei Bayer von Vorgänger Klaus Augenthaler beziehungsweise Interimstrainer Rudi Völler übernommen hat.

    "Ich kann die Unzufriedenheit der Fans verstehen", gesteht Skibbe. Kritische Töne schlägt er dennoch nicht an, im Gegenteil. Obwohl sein Team im Heimspiel zuvor dem Hamburger SV den ersten Saisonsieg ermöglicht hatte und am Samstag nicht einmal den Tabellenvorletzten besiegen konnte, bewertet der Trainer das Spiel seiner Mannschaft immer wieder positiv. "So lange wir uns so viele hochkarätige Torchancen herausspielen, bin ich mir sicher, dass wir in die Erfolgsspur zurückkehren. Gegen Mainz hätten wir gewonnen, wenn das irreguläre Abseitstor nicht gegeben worden wäre", sagte Skibbe.
    Dessen Team war nach 29. Minuten tatsächlich durch ein Tor des im Abseits stehenden Mainzers Imre Szabics in Rückstand geraten, ehe Sergej Barbarez kurz vor dem Pausenpfiff ausgleichen konnte. Was Skibbe nicht sagte, war, dass seine Abwehr bisher über weite Strecken der Saison dilettierte, einzig Torhüter Jörg Butt bewahrt sein Team vor mehr Gegentoren. Im Mittelfeld fehlen die Ideen, und der Angriff ist erschreckend harmlos. Barbarez kommt zwar langsam in Fahrt und hat gegen Mainz sein zweites Saisontor erzielt, vergibt aber genau wie Andrej Woronin beste Einschusschancen. Und Stefan Kießling, für knapp sechs Millionen Euro aus Nürnberg geholt, hat noch keinen einzigen Treffer auf seinem Konto. Der Verlust des zu Tottenham Hotspur gewechselten Torjägers Dimitar Berbatow ist noch immer nicht kompensiert.

    Die vom Mutterkonzern Bayer AG geforderte Europapokal-Qualifikation erscheint derzeit unrealistisch. Bayer-Sportchef Meinolf Sprink sagt: "Wir laufen der Musik etwas hinterher." Geht es am Mittwoch in Bochum schief, erwarten Trainer und Mannschaft am Samstag ein äußerst angespanntes Heimpublikum und ein ungemütlicher Gegner – Bayern München kommt in die BayArena.

    welt.de

    Die Fußball-Bundesliga hat noch immer nicht richtig begonnen

    Andreas Lesch

    Jetzt, da es kalt wird im Land, sei ein Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga empfohlen. Eng kuscheln da die Klubs. Sie wärmen sich, sie mögen sich, sie gönnen sich was. Sie verhalten sich solidarischer, als Karl-Heinz Rummenigge, der große Geldvermehrer des FC Bayern München, sich das jemals gewünscht hat. Die Klubs haben sich, obwohl nun die Hälfte der Hinrunde vorüber ist, noch immer nicht entschließen können, ernst zu machen und ihre Saison tatsächlich beginnen zu lassen. Sie wechseln fröhlich ihre Tabellenführer. Sie lassen jeden mal jubeln, sie lassen es jedem irgendwie gut gehen, sie haben sich bei all der neuen Harmonie bislang erst von einem einzigen Trainer getrennt: Peter Neururer in Hannover. In dieser Mischmaschliga ist die Begegnung der Möchtegerngroßklubs Schalke 04 und FC Bayern am Sonntag vieles - nur sicher kein Spitzenspiel.

    1. SPIELTAG: Bayer Leverkusen besiegt Alemannia Aachen 3:0 und hüpft auf Platz 1. Die Konkurrenten sind nach den Anstrengungen der Weltmeisterschaft noch so schläfrig, dass sie glatt vergessen: Das geht doch gar nicht. Das muss eine optische Täuschung sein. Leverkusen wird nie Erster. Die wollen das gar nicht. Die werden lieber Zweiter, in allen Wettbewerben, die es gibt. Nachzulesen im Toppmöllerschen Gesetzbuch, ? 1, gültig seit 2002.

    2. SPIELTAG: Endlich. Immerhin der 1. FC Nürnberg protestiert gegen die Leverkusener Tabellenführung, und zwar äußerst pragmatisch. Er siegt 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach, erklimmt Platz eins und erfreut damit ganz besonders seinen Trainer. Hans Meyer, ein bekennender Freund der verschärften Ironie, nutzt die Chance zum Scherz des Tages: "Wer solche Spiele wie wir heute gewinnt, der." - Pause - "der steigt nicht ab." Sehr witzig. Meyer kann duschen gehen.

    3. SPIELTAG: Am Freitagabend - ein Tusch, bitte! - beginnt die große Ära von Schalke 04. Die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka verdient sich mit einem 2:0 über Werder Bremen souverän einen Titel, den es in dieser Form in der Bundesliga noch nie gegeben hat: dritter Tabellenführer der Die-WM-ist-vorbei-Saison 2006/2007. Bevor die Schalker Fans ihren selbstverständlich ohne jeglichen Alkoholgenuss erreichten Siegesrausch auch nur halbwegs überstanden haben, müssen sie schon tags darauf, am Sonnabend, betrübt feststellen: Jetzt ist Nürnberg wieder Erster. Die große Schalker Ära war doch eher klein.

    4. SPIELTAG: Was singt die Liga? Na? Was singt sie? Sicher doch: Ha-ho-he, Hertha BSC! Was für ein Triumph: Ab sofort ist Berlin nicht mehr nur arm und sexy, sondern zusätzlich auch noch Tabellenführer. Das macht Mut, das ist eine Geschichte, die die Nachwelt dringend erfahren muss. Der Angreifer und Historiker Marko Pantelic (28) kündigt schon mal an: "Wenn ich mal 35 bin oder 36, werde ich sagen können, ich war ein Mal first on Tabell." Die Anekdote des ehemaligen Ära-Beherrschers Schalke 04 kann er dann gleich noch mit erzählen. Ihr 0:2 in Berlin nehmen die Schalker zum Anlass für ein lustiges Ratespiel, das wesentlich aus zwei Fragen besteht: Wer hat dem Trainer Slomka gepetzt, dass der Stürmer Gerald Asamoah mal über ihn gelästert hat? Und warum macht der Verein um diese Posse so einen Riesenradau? Preis für die falscheste Antwort: eine Dauerkarte von Borussia Dortmund.

    5. SPIELTAG: Die Vereine seufzen: Hach, wie lange der September uns wohl noch wärmt? Wann der Herbst mit seinen Stürmen wohl durch die Stadien fegt? Vorsorglich gönnen sie sich ein Nickerchen in der Sonne. Die lautesten Schnarchnasen kommen aus Hamburg und Bremen, Stuttgart und Frankfurt, Mainz und Berlin, Hannover, Leverkusen, Cottbus und Nürnberg. Sie alle spielen 1:1, sie wiegen mit ihrer Einheitskickerei ganze Stadien in den Schlaf und schenken den Zuschauern schöne Träume - von Zeiten, in denen Spiele mal spannend sind. Erster ist jetzt der FC Bayern.

    6. SPIELTAG: Die Liga kommt ihrem Ziel, es allen recht zu machen, näher denn je. Sie rückt noch enger zusammen, so eng, dass den Tabellenführer Hertha von Mainz auf Platz 14 nur drei Punkte trennen. Was das heißt, weiß niemand: Wird Mainz Meister? Steigt Hertha ab? Oder was?

    7. SPIELTAG: Aachen wird frech und macht einfach die 19-Stunden-Tabellenführung nach, auf die doch eigentlich Schalke 04 das Patent hat. Aber niemand zeigt die Ideendiebe an, dazu ist ihr Höhenrausch viel zu schnell wieder vergessen - Werder Bremen übernimmt Rang eins.

    8. SPIELTAG: Nürnberg und Frankfurt empfehlen sich als Idole der Liga: Sie sind superharmonisch, sie spielen 2:2 (1:1). Für Nürnberg ist es das sechste Remis, für Frankfurt das siebte. Beide sind: entschieden unentschieden.

    9. SPIELTAG: Bielefeld und Cottbus jagen den FC Bayern. Der beginnt zu zittern. Nur Trainer Magath bemüht sich um einen Anschein von Souveränität. Auf die Frage, warum sein Team nach drei Auswärtsniederlagen in Serie ausgerechnet in Gelsenkirchen gewinnen wird, antwortet er: "Ich habe mit Einstein telefoniert. Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung sind wir dieses Mal dran."

    Berliner Zeitung, 04.11.2006

    Auch Marko Babic hat mit dem FSV Mainz 05 noch eine Rechnung offen. Zwei Niederlagen musste der Mittelfeldmann von Bayer 04 Leverkusen gegen die Mannschaft von Jürgen Klopp in der vergangenen Saison einstecken. Einmal eingewechselt, einmal von Beginn an dabei, erhielt der Kroate denkbar schlechte Noten. Doch die Voraussetzungen vor dem morgigen Heimspiel gegen den Angstgegner (15.30 Uhr / live bei arena) haben sich geändert. Erstens ist Babic mittlerweile zum linken Verteidiger umfunktioniert worden, was zweitens dazu führte, dass er derzeit so etwas wie ein Stammspieler ist.
    In all den Jahren, die der 25-Jährige jetzt für Bayer spielt, ist ihm das nie über einen längeren Zeitraum gelungen. Und auch jetzt musste sich erst Gonzalo Castro verletzen, bevor Trainer Michael Skibbe regelmäßig auf den 1999 von NK Osijek an die Dhünn gewechselten Kroaten setzt. „Ich fand beim 2:0 gegen Mönchengladbach vergangene Woche vor allem die Defensive überzeugend“, sagt Skibbe. Für Marko Babic bedeutet dies, dass er wieder neben Karim Haggui, Juan und Ahmed Madouni in der Viererkette spielen wird. „Meine Wunschposition ist das nicht“, gesteht er, „aber ich freue mich, wenn ich der Mannschaft so helfen kann.“

    Eigentlich spielt Babic ja im linken Mittelfeld, wo ihm allerdings der starke Tranquillo Barnetta in den letzten Wochen und Monaten die Aussichten auf Einsätze vermieste. Hinten links soll indes eigentlich Fredrik Stenman spielen. Der Schwede ist aber so dermaßen außer Form, dass ihm Skibbe den defensiven Mittelfeldmann Gonzalo Castro vorzog, bis sich dieser an der Schulter verletzte . . .

    „Wir können uns bei den vielen Ausfällen im Moment nicht darauf konzentrieren, wo wer seine Wunschposition hat“, stellt Skibbe klar. Mit dem chronisch verletzten Roque Junior (Achillessehne) und Alex Meyer (Fuß) fallen zwei Verteidiger aus, hinzu kommt Kapitän Carsten Ramelow (ebenfalls Fußverletzung).

    Als Trostpflaster für die ungeliebten Verteidigungsarbeit spricht der Trainer Babic regelmäßige Offensivausflüge zu, weil „Karim auf der anderen Seite defensiver agiert“. Die Wunschposition des Tunesiers ist nämlich wiederum die Innenverteidigung. . .

    KR

    Die Partie bei Fortuna Düsseldorf wird am Samstag (14 Uhr) für die Regionalliga-Mannschaft von Bayer Leverkusen wieder zu einem Erlebnis der anderen Art. Der Austragungsort ist die LTU-Arena. Eine Mehrzweckhalle, die bei Konzerten eine tolle Stimmung garantiert, ein Fußballspiel jedoch eher surreal verzerrt. Die Arena fasst rund 52 000 überdachte Sitzplätze. Sollten 10 000 Zuschauer zu diesem Regionalliga-Spiel erscheinen, wären die Gastgeber aus der Landeshauptstadt vermutlich schon sehr glücklich.

    Immerhin, die lustig bunt bepinselten Sitzschalen gaukeln einem vor, es wäre richtig was los im weiten Rund. Sollte es am Samstag stürmen und heftig regnen könnte sogar das Dach komplett geschlossen werden und Hallenfußball wäre angesagt. Eine Absage des Matches ist also unrealistisch. Sehr real dagegen die rein sportliche Ausgangslage für beide Teams. Die Düsseldorfer können seit langer Zeit mal wieder davon träumen aufzusteigen. Sie liegen auf Platz vier. Bayer wird auf einen selbstbewussten Gegner treffen.

    Die eigenen Voraussetzungen sehen Kirsten und Co-Trainer Dirk Dreher dabei weniger erfreulich. Der Chefcoach sagt: „Mir ist vollkommen klar, dass meine Jungs über ihre Leistungsgrenze hinausgehen müssen, wenn sie in Düsseldorf punkten wollen.“ Dreher führt aus: „Wir sind personell bereits am Limit angelangt. Ali Camdali fällt mit Muskelfaserriss aus, Kim Falkenberg soll bei der U 19 Spielpraxis sammeln und was mit Pierre De Wit sein wird, wissen wir erst kurz vor dem Spiel.“ Zudem ist da auch noch ein angeschlagener Kevin Kratz. Bei ihm hoffen die Verantwortlichen jedoch, dass er bis zum Spieltag wieder fit wird. Zur Motivation des letzten Aufgebotes verweist der Co-Trainer auf die vergangene Saison: „Wir haben noch eine Rechnung offen. In den letzten beiden Partien verloren wir unglücklich sechs Punkte.“ Im Auswärtsspiel unterlag Bayer damals mit 0:2, war jedoch in einer schwachen Partie nicht das schlechtere Team. Einige Bayer-Spieler kennen die ungewöhnliche Situation einer kaum gefüllten LTU-Arena also. Und obwohl die Spielstätte für ein Regionalliga-Duell überdimensioniert ist, ein Erlebnis ist es auf jeden Fall. Nicht viele Spieler werden es schaffen, regelmäßig in solch einer großen Arena aufzulaufen. Selbst die Heimstätte der Leverkusener Profis erscheint dagegen winzig.

    KStA