Interessante Frage, die ich gar nicht so leicht beantworten kann.
Fußball ist für mich seit Kleinkind an immer sehr wichtig gewesen. Bis jetzt noch - an sich. Ein Grossteil meiner Zeit würde immer noch für Fußball an sich draufgehen. Ich spiele selbst aktiv, trainiere eine A-Jugend mit und habe ne Dauerkarte.
Kann mich noch an Abi-Zeiten erinnern, wo ich nicht gelernt habe, aber zum Training gegangenen bin. Oder mit 16 mit dem Mofa von Remscheid nach Leverkusen zum EL-Spiel gefahren bin unter der Woche. Wo ich alles dem Fußball untergeordnet habe. Mit Anfang bis Mitte zwanzig mich in den Zug nach Rom oder Bus nach London gesetzt habe für die CL.
Das hat sich seit 2/3 Jahren geändert. Seit ich mich beruflich gravierend geändert habe und aufgestiegen bin, liegt mein Fokus auf mein Leben mehr als auf Fußball. Lange Arbeiten oder Studium nebenberuflich? Kein Problem, sag ich training ab. Am Wochenende bei Auswärtsspielen mal Freunde treffen, die man ewig nicht gesehen hat? Kein Problem, wenn es gut läuft, gucke ich abends Sportstudio als Ersatz. Karriere finanziert mein Leben, Freunde sind super wichtig für das Wohlbefinden. Fußball an sich auch, aber es ärgert mich vielfach einfach nur.
Qualitativ sind CL KO-Spiele entweder gut anzusehen oder spannend. Mittlerweile verabscheue ich so viele Mannschaften da. In der Bundesliga wird Bayern immer Meister. Aber ich ertappe mich dabei, es den Bayern eher zu wünschen als den realistischen Alternativen (Leipzig oder Dortmund). Also wünsche ich es einer Mannschaft, die ich 25 Jahre lang mindestens verabscheut habe. Die WM für mich immer ein Highlight. Die vielen verschiedenen Nationen, wo es für einige das Highlight schlechthin war, die bunte Mischung an Fans…dieses Jahr will ich keine Minute mit anschauen.
Bei unserer Mannschaft geht es mir auch so, dass ich mir keinen wirklich aufs Trikot machen würde aktuell, da mir das besondere fehlt. Kein Bender, kein Kirsten, kein Berbatov o.Ä…kann am Alter liegen zwischenzeitlich.
Aber mich reizt es genauso wenig mir zum Beispiel WSV-Spiele anzusehen, die ich aus Gründen relativ leicht gucken könnte. Wenn man ständig so viel zu tun hat, dann braucht man auch mal Ruhe. Ich kann auch keine CL-Spiele abends um 21 Uhr ab. Bis man zuhause ist und im Bett ist, ist ca 24 Uhr bis halb eins. Wenn der Wecker früh klingelt und wichtiges auf der Arbeit ansteht, killt das am Folgetag schnell die Euphorie.
Vlt ist es momentan nur eine Phase, Vlt wird die durch die schlechten Auftritte dieser Saison unterstützt. Wer weiß das schon. Ich weiß aber, eines ändert sich nicht so schnell: die schlechte Laune nach verlorenen Spielen. Da hoffe ich, dass der Reife-Prozess auch irgendwann einsetzt.