HSV: Bernd Hoffmann will mit Hilfe der Hamburger Wirtschaft Topspieler verpflichten
Das Projekt "Anstoß³"
Verhandlungen mit drei Investoren über die Gründung eines Fonds laufen.
Verein soll die alleinige Entscheidungsgewalt behalten.
Der gestrige Sitzungsabend mit dem Aufsichtsrat, bei dem Oliver Scheel einstimmig in den Vorstand gewählt wurde, verlief für den Vorstand des HSV weitgehend störungsfrei, schließlich konnten Bernd Hoffmann, Dietmar Beiersdorfer und Katja Kraus mit dem diese Saison anvisierten Umsatz von rund 147 Millionen Euro - steigend bei Erfolgen im DFB-Pokal und Europacup - einen neuen Rekord-Etat präsentieren. Dabei geht die Klubführung wie in den Vorjahren von einem positiven Ergebnis des Geschäftsjahres aus, das am 30. Juni 2009 endet. Die Gehälter für die Profiabteilung belaufen sich unverändert auf gut 40 Millionen Euro.
Die enormen Summen dokumentieren die Anstrengungen des HSV, sich in der nationalen Spitze zu etablieren und auch in Europa zu den Top 20 zu gehören. Eine weitere Kennziffer: 60 Millionen Euro netto an Ablösen (ohne Vermittlerprovisionen) gab die Vereinsführung seit Sommer 2006 aus, wodurch sich insgesamt die Qualität und Werthaltigkeit des Kaders zwar deutlich steigerte, der Vorstand allerdings jetzt auch an seine Grenzen stieß: Während der Saison-Vorbereitung, also vor den Wechseln von Rafael van der Vaart und Vincent Kompany, war der HSV auf dem Transfermarkt nahezu handlungsunfähig. Von finanziellen Möglichkeiten, wie sie sich den großen europäischen Klubs bieten, kann der HSV sowieso nur träumen.
Da abzusehen war, dass sich viele Erlöse wie im VIP-Bereich oder im klassischen Sponsoring kaum noch steigern lassen und nach der mehrjährigen steilen Wachstumsphase Stillstand drohte, entwarf Hoffmann, um neue Geldquellen zu erschließen, im Sommer im ganz kleinen Kreis einen spektakulären Plan, den es in dieser Form europaweit noch nicht gibt: Ortsansässige Investoren sollen sich an Spielertransfers beteiligen.
Intern wurde das geheime Projekt "Anstoß{+3}" getauft. Die Hochzahl ergab sich aus der Überlegung, dass drei finanziell potente Geldgeber aus dem Hamburger Raum, mit denen Hoffmann bereits seit einiger Zeit in Kontakt steht, in einen neu zu gründenden Fonds einzahlen, damit neue Stars für den HSV verpflichtet werden können. Die jeweiligen Summen würden zweckgebunden verwendet, sich also immer auf einen bestimmten Transfer beziehen. Das prozentuale Verhältnis Verein/Geldgeber richtet sich nach dem Investitionsvolumen sowie der Ablösesumme.
Wichtig: Den Investoren sollen durch ihre Beteiligung aber keinerlei Vetorechte bei einem eventuellen Verkauf des Spielers eingeräumt werden. Angedacht wurde nur, sie bei regelmäßigen Beiratstreffen zu informieren.
Der Vorteil für die Geldgeber neben dem immensen Werbeeffekt: Entsprechend ihrer Einlage partizipierten sie am Transfergewinn. Würde ein Spieler den Klub wieder ablösefrei verlassen, wäre das (Risiko-)Kapital für den Investor verloren.
Rechtliche Fragen hat der HSV längst klären lassen, von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gab es prinzipiell grünes Licht, was auch nicht verwundert, schließlich sind Beteiligungen von Firmen und Privatmenschen bei Transfers weltweit längst üblich.
So besitzt der HSV zwar die alleinigen Transferrechte an den kürzlich erworbenen Brasilianern Thiago Neves und Alex Silva, kann also selbst entscheiden, ob und wann diese Spieler wieder verkauft werden sollen. Die Ablöse jedoch fließt bei Silva nur zu 50 Prozent an den Klub, bei Neves beträgt der Anteil 80 Prozent.
Den Vorteil von "Anstoß{+3}{+ldquo} dürfte Hoffmann darin sehen, dass sich der Verein erstens durch Topspieler verstärken könnte, die er sich ansonsten nicht leisten könnte. Durch die höhere sportliche Qualität würde zweitens die Wahrscheinlichkeit steigen, dass sich der HSV regelmäßig für die Champions League qualifiziert, wo mittlerweile je nach Erfolg 20 bis 40 Millionen Euro hohe Umsätze möglich sind. Ein weiterer positiver Effekt wäre, dass umworbene Spieler eher zum HSV tendieren, wenn Fußballer hohen internationalen Formats im Kader stehen.
Hoffmann bestätigte gegenüber dem Abendblatt gestern die Planungen: "Ja, wir haben dieses Konzept entwickelt, das aus unserer Sicht nur in einer Stadt wie Hamburg umsetzbar ist, bezogen auf die wirtschaftliche Kraft, aber auch die Vernetzung zwischen HSV und der Stadt."
Nachdem der Verkauf von van der Vaart und Kompany jedoch klappte, wurde die Umsetzung des Projekts "Anstoß{+3}{+ldquo}, das Hoffmann bereits einigen Aufsichtsräten vorgestellt hatte, zwar vorerst auf Eis gelegt. Doch in naher Zukunft will der HSV-Vorsitzende einen neuen Vorstoß wagen: "Das ist auf jeden Fall eine Option für die Zukunft, die wir uns offen halten, wenn sich eine konkrete Chance bietet." Nach dem gescheiterten Plan der Ausgliederung der Lizenzabteilung könnte der Klubchef so Investoren ins Boot holen, ohne die Autonomie des e. V. (eingetragener Verein) zu beschneiden. Insofern erscheint Hoffmanns kürzliche Ankündigung, den HSV zu einem "modernen e. V." zu entwickeln, in einem anderen Licht.
Außerdem passt "Anstoß{+3}" perfekt in das Konzept des Vorstands, Wirtschaft und Politik der Stadt enger an den Verein zu binden und eine hohe Identifikation mit Hamburg zu erreichen, wie es bereits bei der (sozialen) Sponsoringinitiative "Der Hamburger Weg" gelungen ist. Dort engagieren sich die Deutsche Telekom, die Haspa, Globetrotter.de, Holsten, Vattenfall, Randstad und NDR 2. Der Senat entscheidet mit, was mit dem erlösten Geld passiert. Diese Kampagne ist äußerer Beleg dafür, wie hartnäckig Hoffmann in der Vergangenheit versuchte, sich mit hochrangigen Funktionsträgern der Hamburger Wirtschaft und Politik zu "vernetzen". Die wahrscheinliche Aufsichtsrats-Kandidatur des Unternehmers Ian Karan ist dabei ein weiteres Ergebnis der Hoffmannschen Bemühungen.
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Wirbel um HSV-Projekt Anstoß³
Sogar einige Aufsichtsräte waren überrascht, als ihnen Bernd Hoffmann am Mittwochabend von seinem Projekt "Anstoß³" berichtete. Schließlich hatte der HSV-Vorsitzende in den vergangenen Wochen nur ganz wenige Personen innerhalb des Vereins in seine brisanten Pläne eingeweiht, darunter auch Mitglieder des Finanzausschusses. Aber angesichts der bevorstehenden Enthüllung durch das Abendblatt sah sich Hoffmann gezwungen, sein innovatives Projekt vorzustellen, in dem sich drei Investoren über einen Fond direkt an Transfers von Spielern beteiligen sollen, ohne jedoch ein Vetorecht zu besitzen.
"Ich finde, das ist eine gute Idee", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker, "es ist schließlich auch die Aufgabe des Vorstandes, nach neuen Geldquellen zu suchen, wenn dieser neue Spieler verpflichten will." Becker betonte aber, dass das Projekt noch nicht ausgereift sei: "Wir haben nur über Grundzüge, nicht über Einzelheiten gesprochen, die letzten Details fehlen."
Hoffmann hatte zwar zunächst nur von einer "Option für die Zukunft" gesprochen, doch wie schnell das Thema auf die Tagesordnung rücken könnte, zeigen Details des 147-Millionen-Euro-Etats, der gestern fast einstimmig vom Aufsichtsrat verabschiedet wurde. Darin geht der Vorstand vom Überstehen der zweiten Pokalrunde aus und dem Einzug ins Achtelfinale des Uefa-Pokals. Erst bei weiterem sportlichem Erfolg würde der Verein zusätzliche Einnahmen generieren, die aber sofort wieder um Prämienzahlungen gemindert würden. Viel Luft für weitere Steigerungen des Umsatzes ist also nur beim Erreichen der Champions League drin.
Wie die Fans in den Internet-Foren diskutierten auch viele HSV-Funktionäre ausgiebig über den Vorstoß Hoffmanns. Vor allem die Frage, ob Investoren nicht den Verein drängen könnten, einen Spieler vor Ablauf seines Vertrages zu verkaufen, wurde diskutiert. Doch dieses Szenario hatte die Klubführung kategorisch ausgeschlossen.
Viele HSV-Anhänger begrüßten dagegen "Anstoß³" als gelungene Alternative zu einer ohne eine entsprechende Gesetzesvorlage nicht mehrheitsfähige Ausgliederung.
Mehrfach wurde allerdings die Frage aufgeworfen, wer tatsächlich bereit sei, Millionen Euro als Risikokapital zu investieren. Zwar steht Hoffmann mit Interessenten seit geraumer Zeit in Verbindung, doch die Namen hält er - natürlich - geheim.
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...dann mal schau'n wie sich die Idee entwickelt.