4. Juni 2009 - 18:13 Uhr
Trainersuche: Der beliebteste Arbeitslose der Fußball-Szene
von Olaf Kupfer
Mirko Slomka ist immer und überall Topkandidat. Jetzt bräuchte er aber mal endlich einen Job.
Düsseldorf/Hannover. „Ich sehe Verhandlungen in den kommenden Tagen zuversichtlich entgegen“, sagt Mirko Slomka, 41, verheiratet, zwei Kinder und seit April 2008 arbeitsloser Fußball-Lehrer.
Womit zumindest mal klar wäre, dass der Mann tatsächlich aussichtsreicher Kandidat ist, auf die Bundesliga-Bühne zurückzukehren. In der Fußball-Bundesliga sind ja derzeit durchaus einige Trainerposten zu besetzen. Und Mirko Slomka ist der personifizierte Topkandidat. Den Verein dazu kann man sich ziemlich frei aussuchen.
Als in Stuttgart Armin Veh gefeuert wurde, stand Slomka schnell bereit, aber Stuttgart hat sich dann auf Markus Babbel verlassen und ist ziemlich gut damit gefahren.
Wolfsburg hat für Felix Magath Armin Veh geholt, obwohl Wolfsburg doch so günstig nahe an Slomkas Heimatstadt Hannover liegt. Und Borussia Mönchengladbach setzt seit Mittwoch auf Michael Frontzeck – obwohl ein Großteil der Fans in Umfragen auf Slomka gehofft hatte.
Warum nicht Gladbach, Herr Slomka? „Es stimmt gar nicht, dass ich Gespräche mit Gladbach geführt habe. Es gab gar keinen Kontakt“, sagte Slomka am Donnerstag unserer Zeitung.
Zu Gladbach keinen Kontakt, in Leverkusen schon Kandidat
Das macht die Sache für den Mann mit dem silbergrauen Schopf und dem markanten Blick vermutlich nicht besser, aber noch darf er auf einen ansehnlichen Arbeitgeber hoffen.
Der Hamburger SV und der 1. FC Köln suchen noch, Slomka ist selbstverständlich im Gespräch. Frankfurt sucht auch, soll aber vor einem Abschluss mit Michael Skibbe stehen. Vielleicht sucht auch Bayer Leverkusen bald. Dort ist der 41-Jährige schon in aller Munde, obwohl Trainer Bruno Labbadia noch gar nicht weg ist.
Der omnipräsente Herr Slomka ist der augenscheinlich beliebteste Arbeitslose der Fußball-Szene. „Es wird so viel über mich geschrieben in den letzten Tagen“, sagt Slomka, „da werde ich mich konkret zu einzelnen Vereinen gar nicht mehr äußern. Das hilft dem Verein nicht – und mir auch nicht.“
Er hat vermutlich die richtigen Schlüsse aus seiner jüngeren Medienpräsenz gezogen. Slomka tourte als Experte für dies und das durch diverse Fernsehsender, doch letztendlich ging es vor allem darum, sein Gesicht in die Kamera zu halten und nonverbal auszudrücken: Ich bin noch da, ich kenne mich aus.
Die empfindsame Öffentlichkeit wird da schnell misstrauisch, und als Slomka den Trainer Slomka am vergangenen Sonntag im „Doppelpass“ des DSF mit jenen Attributen beschrieb, die Gladbachs Sportdirektor Max Eberl als Einstellungskriterien genannt hatte, da wurde ihm auch das negativ ausgelegt. Tenor: Zu offensichtlich.
Dass er die Umfragen beherrsche, habe „wenig zu bedeuten“, sagt er. „Entscheidend ist: Kann ich den Verein mit meiner Konzeption überzeugen?“ Er ist – so scheint es – ein wenig demütiger geworden.
Als er im April 2008 auf Schalke gekündigt wurde, sollte der nächste Arbeitgeber doch bitte „international spielen“. Das ist deutlich über ein Jahr her.
Danach war Slomka mit der Schauspielerin Veronika Ferres in Afrika, er war Botschafter des Jahres der Mathematik und Praktikant bei Bernd Schuster in Madrid. Aber Trainer war er nicht, der ewige Kandidat.
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