von FIFAworldcup.com
Ein schlechter Soldat, der nicht General werden will, lautet ein altes Sprichwort. Auf den Fussball übertragen bedeutet dies, dass ein erfolgreicher Spieler sich selbst nur die allerhöchsten Maßstäbe setzen kann, wenn er Trainer wird.
Entsprechend hoch waren die Ziele, die Fussballlegende Cha Bum-kun ankündigte, als er zu Beginn der Saison 2004 den Klub Suwon Bluewings als Trainer übernahm – zehn Jahre nachdem er zuletzt in der südkoreanischen K-League gearbeitet hatte: "Ich werde dafür arbeiten, Bluewings zu einem der besten Klubs der Welt zu machen", so die Ankündigung.
Der 52-Jährige, der von 1991-1994 das Team der Ulsan Tigers trainiert hatte, konnte sich gleich über einen großen Erfolg freuen, als er mit Bluewings den Titel gewann. Allerdings war die Entscheidung denkbar knapp: erst in einem nervenaufreibenden Elfmeterschießen gelang seinen Schützlingen der Sieg über Pohang Steelers im Finale um die Meisterschaft in der K-League.
Bum-kun Cha, der sein Land bei FIFA Weltpokal™-Turnieren als Spieler und als Trainer repräsentierte, nimmt diesen Erfolg in der Heimat als Ansporn für neue Ziele: mit Bluewings will er 2005 die asiatische Champions League gewinnen und sich damit für die FIFA Klub-Weltmeisterschaft qualifizieren, die im Dezember in Japan ausgespielt wird. "Ich bin überzeugt, dass unsere Mannschaft in der Lage ist, dieses Ziel zu erreichen, wenn wir hart genug arbeiten und gut spielen", sagte er FIFAworldcup.com.
Der lange Weg zum Ruhm
Im vergangenen Juli hatte Bluewings die Gelegenheit, die unter Cha erreichten Fortschritte zu unterstreichen, als das Team ein Freundschaftsspiel gegen keinen geringeren als den FC Barcelona in Seoul mit 1:0 gewann. Nachdem das Team alle von Ronaldinho angeführten Angriffswellen der Gäste schadlos überstanden hatte, erzielte der aus Serbien-Montenegro stammende Zoran Urumov in der 78. Minute per Freistoß den einzigen Treffer der Partie. "Es kommt nicht nur auf das Ergebnis an, aber natürlich baut so etwas die Moral der Mannschaft ungemein auf", sagte Cha nach diesem Sieg.
In der Champions League läuft es derzeit sehr gut für Bluewings. Gemeinsam mit dem chinesischen Meister Shenzhen Jianlibao führt das Team die Tabelle der Gruppe E an. Zum Beginn des Wettbewerbs hatte es einen 5:0-Kantersieg gegen Hoang Anh GL aus Vietnam gegeben, gefolgt von einem torlosen Unentschieden gegen Shenzhen. Dann gab es zwei Siege gegen den japanischen Vertreter Jubilo Iwata.
"Der jüngste 2:1-Sieg über Jubilo Iwata war der schwerste des bisherigen Turniers. Nach nur vier Minuten waren wir in Rückstand geraten. Das Rückspiel gegen Shenzhen (in China) am 25. Mai wird wahrscheinlich darüber entscheiden, welche Mannschaft die Runde der letzten Acht erreicht", glaubt Cha.
Erfahrung als großer Schatz
Der wohl beste Fussballer, den Südkorea jemals hervorgebracht hat, genießt bei den Nachwuchsspielern im Land allerhöchstes Ansehen. Schließlich hat er es auf 55 Tore in 127 Länderspielen gebracht, ganz zu schweigen von seinen 98 Treffern in 308 Partien in der deutschen Bundesliga.
Der Höhepunkt in der Karriere des Stürmers waren jedoch nicht die Erfolge in Deutschland (UEFA-Pokalsiege mit Eintracht Frankfurt und Bayer 04 Leverkusen) sondern die Teilnahme am FIFA Weltpokal™ 1986 in Mexiko, wo Südkorea gegen Argentinien und Italien unterlag, aber gegen Bulgarien einen historischen WM-Punkt errang. Stolz blickt er auf das Ereignis zurück: "Wir haben zwar nicht unseren ersten Sieg feiern können, aber das Turnier war trotzdem nicht enttäuschend für uns, denn wir haben gegen einige der besten Mannschaften der Welt gut gespielt, nämlich gegen den späteren Weltmeister Argentinien, gegen Italien und gegen Bulgarien. Das Spiel gegen Italien war ein echter Thriller. Trotz der noch offensichtlichen Unterschiede konnten wir zeigen, wie sehr wir uns verbessert hatten. Wirhaben bei der 2:3-Niederlage drei Tore erzielt – allerdings war eines davon leider ein Eigentor. Wir haben das Spiel verloren, aber keineswegs so klar, wie es allgemein erwartet worden war. Und obwohl wir damals nicht über die Gruppenphase hinaus kamen, haben die Lektionen, die wir gelernt haben und die Erfahrungen, die wir gesammelt haben letztlich sogar dazu beigetragen, das Fundament für den unglaublichen Erfolg beim FIFA Weltpokal Korea/Japan 2002™ zu legen."
Cha bemüht sich weiterhin, sein Wissen und seine Erfahrung an die nächste Generation weiter zu geben. Besonders profitiert davon sein ältester Sohn Cha Du-ri, der wie sein Vater bei Eintracht Frankfurt spielt. "Ich habe meinem Sohn und auch unseren anderen in Europa tätigen Spielern mehr als ein Mal gesagt, dass das wichtigste ist, die kulturellen Gräben zwischen Asien und Europa zu überbrücken, wenn man bei einem Verein im Ausland spielt.
Man muss eine neue Sprache lernen und sich mit einer neuen Kultur beschäftigen. Man muss Freundschaften schließen, bis man wirklich dazu gehört. Ich hatte wirklich viele deutsche Freunde, als ich vor zwei Jahrzehnten dort war. Ohne deren Hilfe hätte ich nie solche Erfolge haben können", blickt der Trainer zurück.
Familie, Religion, Fussball
Nach seinen fantastischen Erfolgen als Spieler musste sich Cha Bum-kun als Trainer auch mit schlechten Resultaten zufrieden geben. Ein besonders bitteres Ergebnis war die 0:5-Niederlage gegen die Niederlande in der ersten Runde des FIFA Weltpokals France '98™. Nach dieser Blamage im zweiten Vorrundenspiel wurde er sofort von seinen Aufgaben entbunden, obwohl die Mannschaft noch ein Spiel zu absolvieren hatte. Sieben Jahre später gab er zu: "Diese Niederlage gegen die Holländer ist für mich heute noch sehr blamabel. Wir hätten viel besser spielen müssen. Aber es hat damals nicht funktioniert. Erinnern Sie sich, wie wir selbst 2002 von den "Red Devils"-Fans angefeuert wurden. Nun - genau so war es 1998 für die Niederländer: das ganze Stadion war in Orange getaucht."
Es war nicht leicht, danach einen neuen Trainerposten in Südkorea anzunehmen. Doch die Unterstützung durch seine Familie war sehr wichtig für ihn. "Drei Dinge sind in meinem Leben wirklich wichtig", so Cha: "Familie, Religion und Fussball! Mit dem Fussball verdiene ich meinen Lebensunterhalt, aber wenn es in meiner Karriere Rückschläge gab, haben meine Familie und meine Religion mir immer geholfen, mich davon zu erholen."
Es kann nicht überraschen, dass Cha seine Liebe zum Fussball auf seine gesamte Familie übertragen hat. Beim FIFA Weltpokal Korea/Japan 2002™ waren vier Mitglieder seiner Familie auf die eine oder andere Art am Turnier beteiligt: Cha selbst arbeitete als Kommentator, seine Tochter war freiwillige Übersetzerin, sein jüngerer Sohn war Balljunge und sein ältester Sohn stand im Sensationsteam von Guus Hiddink.
Hiddink wird übrigens im Juli mit seinem jetzigen Verein PSV Eindhoven nach Seoul kommen, und ein Freundschaftsspiel gegen eine koreanische Universitätsauswahl bestreiten, die Cha als Trainer betreut. Mit von der Partie sein werden unter anderem Lee Chun-soo (Ulsan), Choi Sung-yong (Suwon) und Park Chu-young (Seoul), ebenso wie der ehemalige Nationalmannschaftskapitän Hong Myung-bo. Also ein erneutes Duell zwischen Hiddink und Cha – genau wie beim FIFA Weltpokal France '98™, doch dieses Mal in einer ganz anderen, völlig entspannten Atmosphäre. Und wenn Cha wieder verliert? Die Antwort kommt wie erwartet: "Ein wahrhaft professioneller Mann des Fussballs wird seinem Sport niemals den Rücken kehren."
Name: Cha
Vorname: Bum-kun
Geburtsdatum: 2. Mai 1953
Geburtsort: Hwaseong, Korea Republik
Stationen als Spieler: Luftwaffe (Korea Republik), SV Darmstadt 98, Eintracht Frankfurt, Bayer 04 Leverkusen
Stationen als Trainer: Ulsan Hyundai (Korea Republik), Südkoreanische Nationalmannschaft, Shenzhen Pingan (China), Suwon Bluewings (Korea Republik)
Bundesliga-Einsätze: 308
Bundesliga-Tore: 98
Länderspiele: 127
Länderspieltore: 55
Persönliche Erfolge:
FIFA Weltpokal™
- Drei Einsätze als Spieler 1986
- Zwei Spiele als Trainer 1998
UEFA-Pokal
- Sieger mit Eintracht Frankfurt 1980 und mit Bayer 04 Leverkusen 1988
K-League
- Meister mit Suwon Bluewings 2004