Damen-Fussball
Leverkusens neue Weiblichkeit
VON MICHAEL RAHM, 24.07.08, 15:42h
Der TSV Bayer übernimmt sämtliche Frauen-Mannschaften des TuS rrh. Trainerin Doreen Meier will nächste Saison den Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga schaffen.
und Bayers Kommunikationsleiter Meinolf Sprink (von links). BILD: DAHMEN
Leverkusen Während Bayer 04-Jugendleiter Jürgen Gelsdorf momentan die Europameisterschaften der Fußball-A-Junioren verfolgt, wo ihm Marcel Risse und Richard Sukuta-Pasu mit spielentscheidenden Toren kleine Glücksmomente bereiten, ist er auch unmittelbar an grundlegenden und langfristigen Entwicklungen beteiligt: Unter seiner Abteilungsleitung hält ab sofort der Frauenfußball bei Bayer 04 Leverkusen Einzug.
Die Mannschaft geht offiziell für den TSV an den Start, da der Deutsche Fußball Bund vorschreibt, dass Frauen-Teams in Deutschland keine GmbH sein dürfen. „Wir sind alle sehr gespannt, wie sich der Frauenfußball bei uns im Verein entwickeln wird. Der Sport ist in vielen Köpfen noch eine Männerdomäne, aber ich denke, dieser neue Zweig ist eine Belebung für den Verein“, erklärt Gelsdorf.
Er macht keinen Hehl daraus, dass Bayer diesen Schritt auch in Hinblick auf die Weltmeisterschaft der Frauen 2011 im eigenen Land geht, und führt aus: „Wir haben dann eins der schönsten Stadien Europas, und es wäre doch toll, wenn bei uns WM-Spiele stattfinden würden.“ Bayer übernimmt bei seinem Bestreben, den Frauenfußball in Leverkusen zu etablieren, eins zu eins die Strukturen des TuS Köln rrh. Das bedeutet, dass Bayer 04 in der zweiten Frauen-Bundesliga Süd mit der ersten Mannschaft spielt, und die Zweite in der Verbandsliga startet. Die Bundesligistinnen spielen an der Kurt-Rieß-Anlage, wo gerade das Spielfeld des Fußballplatzes auf die notwendigen Maße ausgebaut wird. Die Reserve läuft auf dem Kunstrasen des SV Schlebusch auf. Drei Jugendmannschaften (zwei U-17 und ein U-13-Team) haben ihr neues Zuhause dagegen auf der Bezirkssportanlage in Köln-Chorweiler gefunden.
Insgesamt verzeichnet der TSV Bayer 04 Leverkusen dadurch einen Mitgliederzuwachs von rund 110 Mädchen und Frauen. „Der Etat beläuft sich auf eine hohe fünfstellige Summe und wird komplett von der Fußball GmbH getragen“, erklärt Kommunikationsleiter Meinolf Sprink. Er bemerkt zudem, dass sich ein Kreis schließt: „Bruno Labbadia und Doreen Meier haben beim DFB den selben Trainerkurs besucht.“
Die Fußballlehrerin sieht sich bei ihrem neuen Klub in der Lage, anspruchsvolle Ziele in die Tat umzusetzen. Das Saisonziel beschließt sie dabei auf der ersten Pressekonferenz ganz spontan. „Ich muss mich da noch mit meinen Spielerinnen abstimmen, aber ich denke, der Aufstieg sollte unser Ziel sein“, sagt Meier, schaut kurz nach links, wo zwei ihrer Spielerinnen keinen Einwände haben, und nickt zufrieden.
Am heutigen Freitag (19.30 Uhr) können die Leverkusener Fußball-Experten zum ersten Mal die Zweitliga-Mannschaft begutachten. Bayer empfängt am Kurtekotten den Regionalligisten Teutonia Weiden.
Das erste Pflichtspiel führt das Team in der ersten DFB-Pokal Hauptrunde zu 1899 Hoffenheim. Ein Wettbewerb übrigens, in dem Meier mit ihren Damen in der vergangenen Saison das Halbfinale erreichte. Die Liga beginnt aber erst am 7. September mit einem Auswärtsspiel beim FSV Jägersburg.
Eventuell bereitet Jürgen Gelsdorf demnächst auch die neue Leverkusener Weiblichkeit fußballerische Glücksmomente, wenn etwa eigene Spielerinnen in der BayArena bei der WM 2011 Tore für Deutschland schießen. Seit gestern ist das keine Utopie mehr.
http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1214566341632